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Jeepers Creepers
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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Jeepers Creepers
Von Johannes Pietsch
Der zeitgenössische Teenie-Horror hat eine neue Heimat gefunden. Kreischten früher in den meisten "Scream"-Epigonen die diversen vor maskierten Killern flüchtenden Schönheiten überwiegend in den Fluren und Gängen von Highschools und Colleges um die Wette, so hat das Genre jetzt die weite Einsamkeit der Landstraße als Hort des Bösen wiederentdeckt. Und findet dabei, so überraschend das auch klingen mag, nach dem Abplätschern der Neo-Slasher-Welle und den sehr definitiv klingenden Grabreden des letzten Jahres zu erstaunlicher alter Frische zurück. Erst kürzlich flohen Paul Walker und Steve Zahn in John Dahls interessanten und kurzweiligen Road-Thriller "Joyride" vor einem mittelschwer durchgeknallten Lkw-Fahrer und erwiesen damit Steven Spielbergs legendärem "Duel" die späte Ehre. Fast genauso so bricht der Horror auch in "Jeepers Creepers" über die beiden jugendlichen Helden herein: Auf einsamer Landstraße und zunächst "nur" in Gestalt eines heulenden Lkw-Urgetüms.

Es lässt schon tief auf den Zustand des Metiers schließen, wenn man einem Film ein überwiegend positives Zeugnis ausstellt, der inhaltlich nichts an Originalität aufzuweisen hat, sondern seine Plotelemente ausnahmslos aus dem reichen Zitatenfundus der Horrorfilmgeschichte und Gruselliteratur schöpft. Doch die grassierende Ideenarmut von Hollywoods hochbezahlten Drehbuchautoren ist etwas, was sich bei weitem nicht nur auf das Horror-Genre beschränkt. Zugute halten muß man "Jeepers Creepers", dem zweiten Film von "Powders"-Regisseur Victor Salva, sicherlich, nicht das soundsovielte Ripp-Roff des inzwischen unendlich ausgenudelten Teenie-Slasher-Abzählreims zu sein. Am meisten kritikwürdig dagegen ist der Umstand, dass sich der Film auf die einmal eingeschlagene Gangart nicht festlegt, sondern nach sehr verheißungsvollem Auftakt einen (zumindestens gemessen an den geweckten Erwartungen) enttäuschenden Kehrtschwenk-Marsch vollführt.

Zwei Teenies auf einsamer Landstraße, eine dunkle Gestalt und ein großes, düsteres Geheimnis - das ist der Stoff, aus dem schon seit Tobe Hoopers "Texas Chainsaw Massacre" der Stoff von Alpträumen ist. Die beiden Teenager des Films Trish (Gina Phillips) und ihr Bruder Darry (Justin Long) sind auf dem Weg nach Hause durch den amerikanischen Mittelwesten, den wir uns nach dem Genuss einschlägiger Literatur und Filmwerke gar nicht anders vorstellen können als verschroben, hinterwäldlerisch und fremdenfeindlich. Als sie nach einer Begegnung der unliebsamen Art mit einem von einem scheinbar Wahnsinnigen gesteuerten Lkw beobachten, wie der Fahrer ein blutiges, weißes Bündel in ein Abfallrohr wirft, lassen sie sich dazu hinreißen, ihrer Entdeckung nachzugehen. Und was Hänsel und Gretel am Grunde des Abfallrohres finden, ist nur die erste Station einer Reise in das absolute Grauen.

"Texas Chainsaw Massacre", "Muttertag", "Psycho" oder Spielbergs "Duel" - die Liste der Referenzen von "Jeepers Creepers" ist lang. Doch Victor Salva meistert es in der ersten Hälfte des Films, die teilweise widersprüchlichen Stilelemente zu einer furiosen Tour des Force des Schreckens zu verdichten. Das Grauen in der biederen amerikanischen Einöde, das ist zunächst Stephen King pur, und entfaltet bald Lovecraft'sche Schreckensdimensionen. In dieser Phase des Films gelingt Salva eine von Vorahnung auf das Entsetzliche nur so triefende Atmosphäre, die sich wie ein Fieberdruck auf den Zuschauer senkt. Da werden die urbanen Horrormärchen aus "Düstere Legenden" bemüht, wenn Darry berichtet, dass an der besagten Landstraße vor Jahren schon einmal zwei Teenager auf grausamste Art ums Leben kamen. Natürlich wird das Entsetzliche unterschwellig wieder als Bestrafung für ein Vergehen der Teenager stilisiert. Nur ist es hier nicht wie so oft vorher verbotene Fleischeslust, sondern schlicht wie bei König Blaubarts Frau die Neugier, die ins Verderben führt. Auch religiöse Elemente tragen in Gestalt einer baufälligen alten Kirche und einem grausigen Geheimnis in den Kellergewölben darunter zu dieser Atmosphäre der permanenten Beklemmung bei.

Und all dies könnte als Exposition für eine wirklich grandiose Schauer-Mär herhalten. Nur leider legt "Jeepers Creepers" etwa von der Mitte des Films erzählerisch wie atmosphärisch eine gänzliche andere Gangart ein. Aus dem unheilsschwangeren Horrormärchen wird in dem Moment, in dem Kamera und Zuschauer den Killer zu Gesicht bekommen, ein zwar mit vielen ironischen und zynischen Noten am Rand verziertes, aber letztlich sehr konventionelles und damit zu vorhersehbares Horror-Movie. Dabei gibt der Plot seinen größten Trumpf aus der Hand, in dem er viel zu schnell die bohrende und verunsichernde Frage beantwortet, ob es sich bei dem Mörder um einen psychisch ausgeklinkten, aber realen Menschen oder eine übersinnliche Lebensform handelt. Von dem Moment an, wo das Grauen für Betrachter und Protagonisten feste Gestalt und greifbare, physische Konturen angenommen hat, weiß der Zuschauer eben viel zu viel, um wirklich die ganz große Bedrohung zu verspüren. Der Mörder mit der Axt auf dem Autodach, der larmoyante Blick auf einen der (nicht seltenen) abgesäbelten Schädel oder der Kung-Fu-Kampf Auto gegen Killer - das ist eben nicht mehr Horror mit Lovecraft-Anspruch, sondern flotter Grusel-Trash mit Freddy-Kruger-Grinsen und Buffy-the-Vampire-Slayer-Touch! Und wirkt noch dazu viel zu vorhersehbar, weil es die gesamte Klaviatur von Horror- und Thrillerstandards der letzten Jahre einmal herauf- und herunterzitiert und sich dabei vor allem einen riesigen Schluck aus der großen Akte-X-Flasche gönnt. Dunkle Gewölbe unter einer Kirche? Dass man da nicht hineingehen darf, wissen wir, seitdem das erste Mal Fox Mulder und Dana Scully in solch Gemäuer ermittelten. Und Sicherheit vor einer irren Bestie in einer Polizeistation? Pah! Dass es die nicht gibt, ist spätestens seit James Camerons "Terminator" von 1984 Allgemeingut. Fehler Nummer zwei ist, dass Victor Salva die hinterwäldlerische Bevölkerung des Landstriches nicht - wie in ganz vielen thematisch ähnlich gelagerten Horrorfilmen - als intrigant-klammheimliche Mitwisser oder sogar -täter des Mörders darstellt, was die Imagination der allumfassenden Bedrohung und der totalen Hilflosigkeit gegenüber dem Bösen viel fühlbarer gemacht hätte, sondern als ebenso lammfrohe wie ahnungslose Schlachtopfer. Fehler Nummer drei sind die beiden Hauptdarsteller, die spätestens vom ersten Auftauchen des Unholdes so hysterisch, unvernünftig und unlogisch agieren, dass manch ungeduldiger Zuschauer ihnen die Axt erst recht an den Hals wünscht, nur um vor ihrem Gezappel Ruhe zu haben. Durch das Ganze zieht sich ein Subplot über eine fatalistische - und wie in "Final Destination" mit einem alten Schlager verknüpfte - Todesprophezeiung, deren unheimliches Potential leider auch nicht ausgereizt wird.

Was bleibt, ist ein rasant erzähltes, atmosphärisch dichtes und stellenweise sehr witziges Grusel-Schmankerl, welches während eines furiosen Auftaktes zu fesseln vermag, aber leider anschließend die gewählte Linie nicht kongruent fortzuführen vermag und nur ebenso simple wie trashige Actionkost liefert. Am Ende leistet sich Victor Silva, quasi als Sahnehäubchen auf die ironische zweite Hälfte des Films, eine wirklich makabere und gemeine Schlusspointe: Yeah, that's trash!
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