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    I Am Greta
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    I Am Greta

    Ist Greta Thunberg der neue Justin Bieber?

    Von Christoph Petersen
    Als sich die damals 15-jährige Greta Thunberg im August 2018 mit einem Pappschild vor das schwedische Parlament setzte, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, sprachen sie den ganzen Tag über lediglich drei Passanten auf ihre Aktion an. Nicht einmal ein Jahr später gingen weltweit Millionen junge Menschen bei Fridays for Future – auch in ihrem Namen – auf die Straße. Sie wurde mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet und vom TIME Magazine zur Person des Jahres gewählt.

    Was ihre Popularität angeht, hat die Schülerin aus Stockholm innerhalb weniger Monate einen kometenhaften Aufstieg hingelegt, wie man ihn ansonsten allenfalls von Popsensationen kennt. Aber ist Greta Thunberg deshalb einfach nur der neue Justin Bieber? Wenn man sich Nathan Grossmans Dokumentation „I Am Greta“ ansieht, könnte einem der Gedanke jedenfalls kommen. Schließlich ließe sich die Vom-Nobody-zum-Superstar-Struktur samt der kreischenden Teenager-Massen und Homestory-mit-Hund-Momente eins-zu-eins für eine One-Direction-Reportage verwenden.

    Zu Beginn haben sie nur eine Handvoll Menschen auf ihre Aktion angesprochen ...


    Ist das also die geeignetste Form, um sich Greta Thunberg und der von ihr ausgelösten weltweiten Protestbewegung auf der großen Leinwand anzunähern? Wohl kaum. Aber ironischerweise unterstreicht „I Am Greta“ mit seiner euphorisierenden, zuallererst auf den Personenkult ausgerichteten Machart genau den einen Punkt, der in dieser Kino-Doku besonders gut rüberkommt und deshalb einen wirklichen Mehrwert gegenüber den zahlreichen TV-Reportagen bietet.

    Abseits ihrer öffentlichen Auftritte, bei denen sie mit ihren Gänsehaut-Reden selbst die mächtigsten Staatenlenker knallhart zusammenfaltet, gibt es nämlich immer wieder ruhige Momente, in denen Greta Thunberg über den Stand ihrer Mission reflektiert. Die absolute Konzentration auf ihr Klimaanliegen hat auch mit dem Asperger-Syndrom zu tun – und diese Fokussierung geht ihr selbst zwischen Menschenmassen und Präsidentenbesuchen nie verloren. Sie ist sich schmerzlich bewusst, dass die Popularität kein Selbstzweck ist – und dass sie bei ihrem eigentlichen Anliegen kaum Fortschritte erzielt hat.

    Eine moderne Don Quixote


    Während alle Welt ihr zujubelt (beziehungsweise sie in den Sozialen Medien aufs Übelste beleidigt, worüber sie sich an einer Stelle im Mean-Tweets-Style köstlich amüsiert), sieht man im Film eine Greta Thunberg, die zunehmend verzweifelt, dass ihr die mächtigen Erwachsenen nicht endlich die schwere Last von den schmalen Schultern nehmen. Die einfach nicht versteht, wieso Staatschefs ein Selfie mit ihr wollen – aber dann trotzdem nichts oder zumindest längst nicht genug für das Klima tun. Greta Thunberg ist – zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt – eine tragisch-gescheiterte Heldin, eine moderne Don Quixote …

    … und wie man in „I Am Greta“ sieht, weiß sie das selbst am allerbesten. Die stärksten Szenen des Films zeigen sie auf dem Segelschiff bei der Fahrt über den Atlantik zur Weltklimakonferenz in New York. Sie kauert da ganz allein, verzweifelt, weinend und angsterfüllt, weil sie das alles eigentlich gar nicht mehr machen will, aber auch nicht anders kann, weil sie die auf uns zukommenden Katastrophen nicht wie andere Menschen einfach aus ihrem Kopf auszublenden bereit ist.

    ... aber schon wenige Monate später gingen Millionen Menschen von ihr inspiriert auf die Straße.


    Das wäre ein tolles Ende gewesen, denn es hätte klar gemacht, dass es an der Zeit ist, selbst die Verantwortung zu übernehmen, statt darauf zu hoffen, dass Greta und die Friday-for-Future-Teenager das schon irgendwie richten werden. Stattdessen folgen dann zum Abschluss aber doch noch Bilder der feierlichen Ankunft im Big Apple und von jungen Menschen, die rund um den Globus auf die Straße gehen.

    So entlässt einen „I Am Greta“ mit einem trügerisch-optimistischen, fast schon beruhigt-euphorisierten Gefühl. Das ist bloß das genaue Gegenteil von dem, was Greta Thunberg in einer ihrer berühmtesten Reden gefordert hat: „Ich will, dass ihr in Panik geratet!“

    Fazit: Obwohl Greta Thunberg wiederholt davor warnt, tappt Regisseur Nathan Grossman gleich an mehreren Stellen selbst in die Messias-Falle. Trotzdem überzeugt die Doku „I Am Greta“ neben erwartbaren Gänsehaut-Momenten vor allem dann, wenn die Protagonistin abseits der Massen und Handykameras – etwa auf einem kleinen Segelboot mitten auf dem Atlantik - für sich allein über ihre Mission reflektiert.

    Wir haben „I Am Greta“ auf dem Filmfest Hamburg gesehen.

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    Kommentare

    • Defence
      Ok, wenn Du meinst.^^Du wolltest eine Antwort für meine Behauptung, das die Marke viel Geld wert ist, hier durchaus monetäre Interessen hinterstecken (warum sonst will man sich wohl die Markenrechte für F4F sichern?). Die habe ich Dir geliefert, lässt sich alles problemlos googeln und siehe da, sogar seriöse o. anerkannte Medien und selbst Greta herself auf Instagramm haben darüber berichtet und nicht etwa bloß eine ominöse Quelle mit Hang zu VT.Aber bei Dir ist wohl erstmal jede(r), der nicht dein Weltbild o. deine Meinung (uneingeschränkt) teilt, grundsätzlich ein bizarrer Verschwörungstheoretiker - bei so viel Eloquenz, Argumentation und Diskussionskultur, die deine Posts mir gegenüber bisher ausstrahlten, kann ich gar nicht anders, als mich geschlagen geben...;DAlso lebe ich mit dem Makel, in deinen Augen ein VT zu sein, ich werde es hoffentlich überstehen, aber allzu viel Grundlage mit weiteren Diskussionen mit Dir sehe ich da nicht, wie ich ja schon schrieb. Da sind andere User, die hier kommentiert haben, wie z.b. Jimmy, die wesentlich interessanteren Gesprächspartner - er versucht es nämlich mit Argumenten, nicht irgendwelchen steilen Behauptungen und Unterstellungen...;)Edit: Kleiner Fehler von mir, F4F hätte einen Markenkern/wert vergleichbar mit Greenpeace o. der UN, nicht Coca Cola. Gerade nochmal nachgelesen.Die Anwaltsgebühren würden aufgrund des Wertes mehrere Hunderttausend € betragen und noch das wichtigste dabei, weil mir schon klar ist, was dein Argument sein könnte* (wenn überhaupt eins kommt^^), die eingetragene Marke MUSS genutzt und ggf juristisch geschützt werden, damit die Markenrechte nicht verfallen - d.h. eine kommerzielle Nutzung mit Lizenzgebühren usw ist definitiv erforderlich. Intereressanter ist imo sogar noch der Punkt des Schutzes - da heißt es nämlich klagen, klagen, klagen und pochen auf Lizenzgebühren (was aus den Gründen nicht unüblich ist bei solchen Marken) bei Verletzung der Markenrechte (das könnte dann auch den kleinen Anhänger, der ohne entsprechende Lizenzierung o. Verträgen z.b.selbstgebastelte F4F Fanartikel mitsamt F4F Logo vertreibt, böse treffen...).*Also nichts mit dem Argument, man schütze die Marke bloß, damit diese nicht durch andere phöse, gierige Kapitalisten ausgenutzt wird (auch wenn Greta sich genau damit zu rechtfertigen versucht), hätte aber mit Sicherheit selbst keine kommerzielle Interessen. Das gibt nämlich das Markenrecht nicht her und da die Kosten und Aufwand für die Registrierung gigantisch sind, zudem nicht sooo einfach mal von dritten vollendete Tatsachen durch eine Registrierung geschaffen werden könnten dank Einspruchsfristen u.ä., wäre eine Markenregistrierung nicht mal wirklich notwendig, hätte man nicht schon längst entsprechende Pläne zur kommerziellen Nutzung im Hinterkopf.Aber sicher alles VT, der Altruismus, die Uneigennützigkeit und vor allem, das man ja nie was medial ausschlachten würde, ist bei Familie Thunberg und Entourage inzwischen hinlänglich bekannt, nicht wahr?^^
    • Overlord
      Ah, klassische Taktik von Leuten wir dir: Ablenken, um nicht auf den eigentlichen Punkt antworten zu müssen.Und wenn du lesen könntest, dann hättest du verstanden, dass ich keineswegs behauptet habe, dass du von ihren Eltern gesprochen hast....Aber das du nicht lesen kannst und vor allem nicht denken, beweisst du ja mit deinen absuren Verschwörungsposts....
    • Defence
      Ich denke, wir lassen das mit der weiteren Diskussion. Mir Aussagen in den Mund legen zu wollen, die ich schlicht so nicht getroffen habe (von ihren Eltern gedrängt unso) ist wie gehabt schlechter Stil und auf diese Art von Gespräch habe ich, wie gesagt, keine Lust.
    • Overlord
      Äh, wenn du tatsächlich glaubst, eine 15jährige wurde von ihren Eltern oder sonst wem dazu gedrängt, ihren Protest zu beginnen, weil man plante damit eine Marke zu schaffen und Milliarde zu scheffeln, dann glaubst du an bizarre Verschwörungstheorien....
    • Defence
      Um deine Frage zu beantworten (in der Hoffnung, die Antwort ist für deinen Geschmack nicht zu bizarr), beziehe ich mich auf Berichte, Artikel, Meldungen vor nicht all zu langer Zeit, wo man sich die Namensrechte an Fridays for Future sichern wollte (das meinte ich mit der Marke Greta, fiel mir später selbst auf, das ich das hätte exakter benennen können), der Markenwert von Experten entsprechend hoch bewertet wird und wenn ich mich richtig erinnere, sogar das Potenzial prognostiziert wurde, das F4F zu den wertvollsten Marken wie z.b. Coca Cola aufschliessen könnte. Kurz gesagt, hier sehr viel Geld drin steckt, was der Familie Thunberg (und Vertraute) entsprechend viel einbringen könnte als Eigentümer entsprechender Markenrechte. War u.a. auch Welt online einen Artikel wert.Ansonsten bleibt mir noch zu sagen, schenk Dir doch einfach solche Sachen wie das hier: am besten ohne bizarre Verschwörungstheorien..Schlechter Stil und ich bin absolut kein Freund der heute häufig anzutreffenden Diskussionskultur online mit all seinen Extremen, Unterstellungen und Respektlosigkeiten...
    • Overlord
      Der Regisseur ist ein guter Bekannter der Familie, daher war er am Anfang dabei. Dem Ganzen bewusste Inszenierung zu unterstellen ist völlig abwegig.Und inwiefern die Marke Greta inzwischen Milliarden wert sein soll, darfst du gerne mal erklären...am besten ohne bizarre Verschwörungstheorien.
    • Jimmy v
      Ich weiß schon, was du meinst. Nur werden die Maximalforderungen ja aufgestellt, weil es eben so langsam geht. Mehr verlangen als am Ende zu schaffen ist als klassische Verhandlungsstrategie.Was es im Übrigen an Fortschritten im Westen gab, wird halt anderswo wieder verbraten, insbesondere in den Industrieländern. China setzt zwar in grüne Energien, aber da gibt's ja noch so viel mehr.
    • stahlgewitter
      Greta, es bringt nichts, wenn du mit deinem E Auto nach Berlin fährst und dieses mit einem Dieselmotor aufladen lässt. Auch kannst du in die USA schippern und dort warten deine Businessclassleute, die geflogen sind. Ja und Freitags mit euren Handys protestieren und die Schule schmeißen? Weißt du was wir gemacht haben? Wir waren in der verdammten scheiß Kälte zu Tausenden draußen du verwöhnte kleine Göre. Sorry musste mal sein.
    • Jabber Wocky
      Tja, da wirst du dich noch wundern. Ich reise beruflich durch die Welt und es wird sich nichts ändern, weil die Gier nach mehr Wirtschaftswachstum viel zu gross ist. In welcher deiner Regionen entwickeln wir uns weiter? Nahe Osten? Asien? Afrika? Ist ja toll das Deutschland und ein paar andere sich auf die Schulter klopfen. Und während sie sich auf die Schulter klopfen, wurden weltweit wieder 50 neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen. In der Hinsicht, kann ruhig jemand die Politik darauf aufmerksam machen. Ich bin zwar auch kein Fan aber es ist immerhin ein Versuch und mehr Wert als sein Leben im Internet zu verbringen und den Klugscheisser zu spielen.
    • Jimmy v
      Das liegt daran, dass es 'die' Wissenschaft beim Thema Transgender nicht so gibt und es verschiedene Forschungsstände zu natürlich verschiedenen Fragestellungen gibt. Wenn du den üblichen Einwand meinst, Aber es gibt nur zwei biologische Geschlechter!, dann stimmt das so nicht. Das stammt übrigens aus der Biologie, genauso wie die vielfach angeraunzte sex/gender-Differenz.Wer Transgender kritisieren will, insbesondere in der gesellschaftlichen Präsenz (plot twist: Mir geht das auch ziemlich auf den Sack), sollte gerade nicht immer mit Aber Biologie, Biologie! kommen, sondern eher mit eigenen Waffen schlagen.
    • Döddl
      Korrekter Filmtitel: I am puppet!
    • Rockatansky
      Das würde ich nicht sagen. Selbst wenn man Ihre Motivation in Frage stellt und sich an den Klimazielen erstmal kaum was geändert hat, hat Sie etwas geschafft, was sonst seit Jahren kaum jemand in ähnlichem Ausmaß schaffte: viele Jugendliche politisch zu aktivieren.
    • ObiWann
      Hast du dein Auto gegen ein Fahrrad getauscht ? Es lässt sich sonst immer leicht sagen ich fahr die Strecke mit dem Rad wenn man gegebenenfalls kein Auto oder kein Führerschein hat .
    • Gravur51
      Bringt alles nicht imo. Es ist zu spät imo. Na, fährst du mit dem rad überall hin? Ich schon, dafür brauche ich keine greta gerwig oder wie die heisst. Ich erwarte schon dass du als greta anhänger dann auch umweltbewusst lebst, ich hab nichmal ein auto.
    • Sentenza93
      Dann fehlt eigentlich nur noch eine glaubwürdige Galionsfigur...
    • Julian T.
      Siehe meine zweite Antwort. Und nein, ohne permanentes Gedränge und Aufmerksamkeit würde sich in dem Bereich, vor allem global, viel zu wenig tun. So funktioniert Politik nun mal leider häufig.
    • Julian T.
      Zaubern kann ja leider kein Mensch Erwartet übrigens auch niemand. Du versuchst hier halt einfach bewusst abzulenken und das Thema anders zu framen. Hätte man sich vor 30-40 Jahren stärker an entsprechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert und angefangen etwas zu tun, wäre man jetzt nicht in der Lage plötzlich zaubern zu müssen.Und bei dem Thema haben wir halt einfach nicht noch 100 Jahre Zeit in denen wir entspannt was machen können. Letzten Endes wurde hier nunmal über Jahrzehnte komplett gepennt und deswegen hat man jetzt das Problem. Darauf aufmerksam zu machen, ist nur richtig.
    • Sentenza93
      Dafür braucht man sie nur nicht. Fortschritt gab es schon immer, und würde es auch ohne sie und permanentes Gedränge weiterhin geben. Die Einstellung sich ständig weiterzuentwickeln haben die (meisten) Menschen immer in sich.
    • Julian T.
      Was du dabei verkennst ist, dass es mit so einer Einstellung nicht zu nennenswerten Fortschritten kommt. Dann plätschert nämlich alles nur vor sich hin. Letzten Endes muss man in vielen Bereichen radikal(er) denken, um kleine Fortschritte zu erreichen.Von daher ist es absolut richtig, dass sie immer wieder darauf aufmerksam macht. Ihre Aufgabe ist es nicht poltisch zu steuern oder neue Technologien zu entwickeln, sondern aufzuzeigen wie wichtig es ist, sich in dem Bereich weiterzuentwickeln.
    • Sentenza93
      Zaubern kann ja leider kein Mensch. Fortschritt kommt nicht innerhalb weniger Wochen. Es entwickelt sich alles weiter. Wir werden auch irgendwann weitere Durchbrüche erreichen. Nur nicht, in dem man permanent ahnungslos drauf rumreitet.
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