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    Collateral Damage
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Collateral Damage
    Von David Bergmann
    Gordon Brewer (Arnold Schwarzenegger) ist ein wahrer Held. Als Feuerwehrmann rettet er unter Einsatz seines Lebens Frauen aus bedrohlichen Flammenmeeren und privat ist er liebevoller Ehemann und fürsorglicher Vater. Ein waschechter Amerikaner also. Doch sein Familienglück nimmt ein jähes Ende als seine Frau und sein Sohn bei einem Bombenanschlag ums Leben kommen. Schnell gerät Gordon in das Blickfeld der Medien: Das Drama des liebenden Familienvaters ist so weichspühlend rührend, wie die Amis es mögen. Er jedoch sinnt auf Rache. Er will den Verantwortlichen in die Finger kriegen, um ihm dann mindestens eben diese zu brechen. Der Übeltäter ist kein geringerer als "Der Wolf", ein kolumbianischer Guerilla-Aktivist im Kampf gegen amerikanische Interventionen in seinem Heimatland. Doch Mr. Brewer ist zäh. Nachdem ihm der amerikanische Geheimdienst nicht schnell genug ermittelt, macht er sich selbst auf die Reise ins Krisengebiet und nimmt sein Schicksal buchstäblich in die eigenen Hände.

    "Collateral Damage" war wohl das bekannteste Opfer des 11. September 2001, das Hollywood zu beklagen hatte. Ein schwerer Schlag für Schwarzenegger, der auf ein geglücktes Comeback gehofft hatte. Doch wie sich nun herausstellt, ist der 11. September das Beste, was diesem Stück Zelluloidverschwendung passieren konnte.

    Geradezu herzergreifend illustriert der Film gleich zu Beginn, wie Gordon eine Frau aus einem brennenden Wohnhaus rettet. Nach dieser Heldentat geht es weiter ins Familienidyll; hier wird sichergestellt, dass kein dunkles Fleckchen die blütenweiße Weste unseres Helden beschmutzen könnte, die in ihrer Reinheit dem Hochzeitskleid jeder noch so unbefleckten Jungfrau die Show stehlen würde. Und ausgerechnet dieser uramerikanische Strahlemann bekommt vom Schicksal die schwere Bürde aufgetragen, mit verdreckter Kluft durch den Dschungel zu laufen, um seine tote Frau und seinen toten Sohn zu rächen. Angesichts dieser Rachegedanken ließe sich darüber streiten, ob das Gewissen von Mr. Brewer ebenso rein ist, wie es zunächst scheint, aber mit solchen Gedanken will sich "Collateral Damage" (ein Titel, der just in diesem Zusammenhang eine gewisse Ironie nicht verbergen kann) nicht abgeben. Das ist an sich aber doch verwunderlich; denn der Film gibt sich höchst unentschlossen, was die Darstellung von patriotischem Gedankengut angeht. Auf der einen Seite parodiert er deutlich die pawlowsche Ergriffenheit der Amerikaner und ihr debiles politisches Weltbild, auf der anderen Seite lässt er Erzengel Gordon ohne jegliches Augenzwinkern aus einer "Stars & Stripes"-Tasse trinken. Das ist nicht nur inkonsequent, sondern auch in höchstem Maße ärgerlich.

    Dafür kommt Gordon, Arnie-untypisch, recht pazifistisch daher ... nur selten nimmt er eine Schusswaffe in die Hand und wenn, dann schlägt er mit dieser lediglich zu und lässt den Abzug in Frieden. Es gibt nur eine Szene, in der er sich einer durchschlagskräftigen Handgranate bedient und hier scheint sein Vorbild eher "McGuyver" denn das "A-Team" gewesen zu sein. Aber die Anhänger von Muskel-Bomber Schwarzenegger brauchen die Stirn nicht in Sorgenfalten zu legen; er ist immer noch der Gleiche. Wie früher hat er schwer damit zu kämpfen, mehr als drei klar voneinander zu differenzierende Gesichtsausdrücke glaubhaft in die Kamera zu spielen und noch immer wirkt er viel zu klobig, als dass man ihm schnelle Läufe durch den Urwald wirklich abkaufen würde.

    Andrew Davis ("Auf der Flucht", "Außer Kontrolle") hat aber noch einige Asse im Ärmel; so denkt er wenigstens. "Collateral Damage" bietet einige wenige gelungene Action-Szenen; so stürmen die Guerillas etwa ein Gefängnis mit roher Unterstützung von schlagkräftigen Bazookas und in einem ungleichen Faustkampf geht Gordon in Mike Tyson-Manier einem der kolumbianischen Schergen ans Ohr. "Collateral Damage" bietet ebenfalls einige wenige gelungene Gags; so bekommen unter anderem die Sauerkraut-fressenden Deutschen ihr Fett weg. "Collateral Damage" bietet gegen Ende, wenn der obligatorische Showdown naht, auch noch eine obligatorische Wendung in der Geschichte; diese ist leider noch weniger gelungen als die Action-Szenen oder Gags und damit bleibt unterm Strich nichts übrig, was diesen defizitären Action-Schinken wirklich retten könnte. "Collateral Damage" bekam durch den 11. September 2001 einigen Aufschub. Einige Zeit durfte er sich über fragwürdige Publicity freuen, und entronn so seinem frühen Untergang in der Versenkung. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

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