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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Schwer verliebt
Von David Bergmann
Hal Larson (Jack Black) ist schon ein armer Mann. Seit er von seinem Vater an dessen Sterbebett den Ratschlag bekam, im Leben stets nach den Frauen mit den augenscheinlich größten Charaktermerkmalen Ausschau zu halten, war er folgenschwer geprägt. Folgenschwer deshalb, weil Hal selbst kein Adonis ist und so unweigerlich bei den Disco-Schönheiten einen Korb nach dem anderen kassiert. Eines Tages jedoch sitzt er mit dem Guru Tony Robbins (Anthony Robbins) für mehrere Stunden in einem Fahrstuhl fest. Da dieser Hals Ansichten dem weiblichen Geschlecht gegenüber nun gar nicht gutheißen kann, befreit er Hal von dieser vermeintlichen Last und gibt ihm die Gabe, zukünftig nur noch die innere Schönheit von Menschen zu sehen.

So werden für Hal fortan viele Frauen zu wahren Schönheiten, bei denen die meisten Männer sofort Reißaus nehmen würden und viele Frauen zu wahren Vogelscheuchen, nach denen sich andere die Finger lecken. So lernt er dann auch die bildhübsche Rosemary Shanahan (Gwyneth Paltrow) kennen. Doch während sie für ihn bildhübsch und bezaubernd ist, sieht der Rest der Welt sie als weit über 100 Kilo wiegenden und durch die Welt stapfenden Koloss. Dies ist auch der Moment, an dem Hals bester Freund Mauricio Wilson (Jason Alexander) - seines Zeichens selbst schwer triebgesteuert - misstrauisch wird und mit allen Mitteln versucht, den alten Hal zurückzubringen. Als ihm dies schließlich gelingt, hat Hal große Probleme, Rosemary in die Augen zu sehen ...

Die Farrelly-Brüder sind bekannt für einen recht derben Humor, der Spott über Menschen mit Behinderungen oder schlicht der Darstellung boden- und niveauloser Dummheit als Selbstverständlichkeit ansieht. "Schwer verliebt" zielt hauptsächlich auf die dicken und die gar nicht dem Schönheitsideal entsprechenden Menschen ab; kurz gesagt denen, die bei der Partnersuche gemeinhin die schlechteren Karten haben. Nun wird gerade die extrem vollschlanke Rosemary von Hal umschwärmt, der ansonsten - all die emanzipierten Alice Schwarzers unserer Zeit prägten diesen Ausdruck - schwanzgesteuert Jagd auf großbusige Hohlkörper macht. Fertig ist das Paradoxon.

Doch für Hal ist sie rank und schlank, bildhübsch und einfach die perfekte Frau. Dieses Szenario bietet nun wahrlich genügend Möglichkeiten für allerlei niveaulose Entgleisungen. Da lässt Rosemary Stühle unter sich zusammenbrechen, befördert Kinder im Schwimmbad per Bauchklatscher auf nahe gelegene Bäume und wirft vor dem Sex Schlüpfer von sich, die so manches Teppichluder als Abendkleid anziehen würde. "Political Correctness" wird weitestgehend klein geschrieben und einige Späße gehen tief unter die Gürtellinie; aber die Farrelly-Brüder halten sich bei ihrem neuesten Werk für ihre Verhältnisse stark zurück. Die gesellschaftskritische und fast schon philosophisch dargestellte Kernaussage "Schönheit kommt von innen" ist nicht nur für sich genommen schon eine kleine Sensation in einem Film der beiden, sie wird stilvoll unterstrichen. Neben all den Diskriminierungen wird nämlich deutlich, dass sich nur allzu oft ein hässliches Entlein als glanzvoller Schwan entpuppt und im Gegenzug viele Schönheiten nicht mehr sind als schaurig-hässliche Charakterschweine ohne jeglichen Verstand.

Fast schon pur romantisch wird es dann schließlich, als Hal erkennt, dass seine Rosemary gar keine Traumfigur besitzt. Er kämpft mit sich selbst und dem Rest der Welt, und das nur für ein Ziel: Die Liebe zu Rosemary. Die Macher von "Verrückt nach Mary" hätten damit einen der absurdesten Liebesfilme aller Zeiten geschaffen und sind damit einmal mehr ihrem Ruf gerecht geworden. Dass "Schwer verliebt" funktioniert, liegt aber vor allem an den beiden Hauptdarstellern. Auf der einen Seite steht Jack Black, der sich mit seinem Gespür für richtiges Timing langsam zum Allround-Talent in Sachen Komödien entwickelt und für die Rolle des oberflächlichen Mittelklasse-Machos wie geschaffen ist, jedoch auch den Wandel vom Saulus zum Paulus mit Bravour bewältigt und glaubhaft erscheinen lässt. Auf der anderen Seite die gertenschlanke Gwyneth Paltrow, die sich als Schöne im Speckmantel durch die Dreharbeiten schlagen musste und sowohl in ihrer zuckersüßen Form als innere Schönheit wie auch als dicke Rosemary zu überzeugen weiß.

Kränkeln tut der Film an zweierlei. Zum einen an Farrelly-typischer Eintönigkeit und zum anderen an Inkonsequenz. Eintönig ist er, weil es außer ein wenig Geschichte, vorhersehbaren Späßen aus den unteren Schublade und vorhandenen gesellschaftsfähigen wie -kritischen Gags nichts zu sehen gibt und inkonsequent, weil Hal offensichtlich doch nur bei ausgewählten und für die Geschichte relevanten Personen die innere Schönheit erkennt und bei allen anderen nicht mehr sieht als jeder andere. "Schwer verliebt" macht es dem Zuschauer nicht leicht. Farrelly-Fans werden sich vermutlich an der weitaus zahmeren Erscheinung stören, während für andere die Liebesgeschichte hinter den niederen Kalauern zu weit zurückstehen wird. Im Grunde genommen ist der Film jedoch nichts weiter als ein Valentin-taugliches Feel-Good-Movie.
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