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    The Green Hornet
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    The Green Hornet
    Von Christoph Petersen
    Irgendwie lässt einen das Gefühl nicht los, dass Hollywood uns mit Superhelden-Blockbustern geradezu überschüttet. Dabei ist 2010 – lässt man Independent-Varianten wie „Kick-Ass" oder „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" einmal beiseite – mit „Iron Man 2" lediglich ein einziger waschechter Vertreter des Genres in die Kinos gekommen. Ein Witz im Vergleich zum Kinojahr 2011, in dem die Superhelden mit „Thor", „Green Lantern" und „Captain America" endgültig die Hoheit über das Box Office erobern werden. Den Auftakt macht nun „The Green Hornet", der auf einer Radioserie aus den 1930er Jahren basiert und in den 1970ern schon einmal als Fernsehserie mit der Kung-Fu-Legende Bruce Lee adaptiert wurde. Die Regie hat dabei mit dem Franzosen Michel Gondry („Vergiss mein nicht") ein Filmemacher übernommen, von dem man einen Abstecher ins Blockbusterfach nun gar nicht erwartet hätte. Und Hauptdarsteller Seth Rogen („Beim ersten Mal") mutet auch nicht gerade wie der typische Superheld an. Am Ende sind es aber gerade diese ungewöhnlichen Einflüsse, die dafür sorgen, dass sich „The Green Hornet" wohltuend vom Gros der Comic-Blockbuster abhebt.

    Britt Reid (Seth Rogen) denkt als Sohn des legendären Verlegers James Reid (Tom Wilkinson) gar nicht daran, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Stattdessen liegt er vornehmlich auf der faulen Haut herum und bedient sich ansonsten großzügig am Familienvermögen, um das Nachtleben von Los Angeles unsicher zu machen. Doch dann stirbt James Reid an einer allergischen Reaktion auf einen Bienenstich und Britt steht plötzlich mit der Herrschaft über ein Verlagsimperium alleine da. Erst durch die Freundschaft zu Chauffeur Kato (Jay Chou), der sich als genialer Tüftler und schlagkräftiger Martial-Arts-Experte entpuppt, findet der überforderte Millionenerbe wieder in die Spur zurück. Gemeinsam entwickeln die beiden den Plan, fortan das Gesetz zu schützen, indem sie es brechen: Britt will mit der Unterstützung von Kato als mysteriöser Green Hornet für Aufruhr sorgen, um so Gangsterboss Chudnofsky (Christoph Waltz) aus der Deckung zu locken...


    Auch wenn es auf den ersten Blick mutig erscheinen mag, Komiker Seth Rogen die Hautrolle in einem Superheldenfilm anzuvertrauen, so hat sich in der Vergangenheit doch wiederholt gezeigt, dass sich gerade die am wenigsten erwarteten Casting-Entscheidungen oftmals als die größten Besetzungscoups erwiesen. Wer hätte denn damals schon erwartet, dass der schmächtige Tobey Maguire als „Spider-Man" eine solch gute Figur abgeben würde, dass er fast mit seiner Forderung nach 50 Millionen Dollar Gage für die Teile 4 und 5 durchgekommen wäre? Und Indie-Ikone Robert Downey Jr. bekam nach „Iron Man" mit „Sherlock Holmes" sogar gleich ein zweites Action-Franchise als Dreingabe hinterhergeschmissen. Nun kommt Rogen weder an die emotionale Tiefe von Maguire noch an den staubtrockenen Witz von Downey Jr. heran, aber der für ihn typische derbe Humor, auf den er auch in seiner Heldenrolle nicht verzichtet (Britt Reid wird von seiner Sekretärin sogar mit einer Anzeige wegen sexueller Belästigung gedroht), passt hervorragend zur augenzwinkernden Haltung des Films. „The Green Hornet" ist keinesfalls eine Parodie, betont die komödiantische Seite des Superheldendaseins aber deutlicher als die meisten seiner Konkurrenten.

    Mit Michel Gondry auf dem Regiestuhl stellen sich sofort zwei Fragen: Kann der Arthouse-Star („Human Nature", „The Science of Sleep") einen Blockbuster dieser Größenordnung – und dazu auch noch in 3D – überhaupt stemmen? Und wieviel wird in diesen Budgetsphären noch von seiner Handschrift erkennbar sein? Die erste Frage zu beantworten fällt leicht: An der Inszenierung des ins Kinofach gewechselten Musikvideospezialisten gibt es nichts zu mäkeln. Die Action (mit einer Verfolgungsjagd quer durch eine Zeitungsredaktion im x-ten Stock eines Verlagshochhauses mit einem in der Mitte durchtrennten Wagen als Höhepunkt) ist stets abwechslungsreich und auch sonst hält Gondry das Tempo durchgehend hoch. Die Antwort auf die zweite Frage ist hingegen komplexer: Sicherlich punktet „The Green Hornet" mit absurden Szenen wie der minutenlangen Kleine-Kinder-Kabbelei zwischen Reed und Kato, die es so in anderen Superheldenfilmen nie geben würde. Nur entsprechen diese eher dem speziellen Humor des „Ananas Express"-Autorenduos Seth Rogen / Evan Goldberg, als dass sie sich nahtlos ins Oeuvre des Regisseurs einfügen würden.

    Jay Chou, in seiner Heimat ein gefeierter R&B- und Rap-Star, wurde nach dem Ausstieg von Stephen Chow („Kung Fu Hustle") in erster Linie besetzt, um die Attraktivität des Films für den asiatischen Markt zu erhöhen. Trotzdem ist das komödiantische Talent des schauspielernden Sängers beeindruckend, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass er privat eigentlich kaum ein Wort Englisch spricht und Interviews deshalb auch nur mit Dolmetscher gibt. Die Rolle von Cameron Diaz („Verrückt nach Mary") ist dagegen noch kaum mehr als schmückendes Beiwerk. Es liegt auf der Hand, dass es hier neben Diaz‘ Marketingappeal vor allem darum ging, die Figur von Reeds Sekretärin Leonore Case schon einmal zu installieren, um sie dann in möglichen Sequels stärker einzubinden. Der Clou der Besetzung von „The Green Hornet" ist eindeutig Christoph Waltz („Gott des Gemetzels"), dessen Auftritt als osteuropäischer Bösewicht Chudnovsky – das type casting ist in Hollywood nun einmal überaus beliebt – stark an seine oscargekrönte Performance als Col. Hans Landa in Quentin TarantinosInglourious Basterds" erinnert. Wieder ist es (neben seiner zweiläufigen Pistole) vor allem seine prägnant-präzise Sprache, mit der er seine Gegenüber in Angst und Schrecken versetzt – weshalb man nach Möglichkeit die Originalfassung auch der deutschen Synchronisation vorziehen sollte.

    Fazit: Die proppenvolle Superheldensaison 2011 startet mit einem Volltreffer. Die Mixtur aus Comic-Action und Seth Rogens ruppigem Humor funktioniert bedeutend besser als man erwarten durfte. Nur von Regisseur Michel Gondry hätte man sich gewünscht, dass er noch etwas mehr von seiner persönlichen Note in den Film einbringt. Aber dafür hat er in der wahrscheinlichen (und wie uns Evan Goldberg im persönlichen Gespräch verraten hat: bereits geschriebenen!) Fortsetzung ja noch Möglichkeiten genug...
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