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Super süß und super sexy
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Super süß und super sexy
Von David Bergmann
Christina Walters (Cameron Diaz) ist der Alptraum jedes Aufreißers, denn sie reißt zurück. Kein Mann hätte je ihre richtige Telefonnummer bekommen und die Glücklichen, denen sie immerhin ihren korrekten Namen sagte, haben sie nach maximal einer Nacht auch nie wieder gesehen. Christina Walters ist das Abziehbild der emanzipiert-rachsüchtigen Frau und hat in ihrer besten Freundin Courtney Rockcliffe (Christina Applegate) eine wenig zimperliche aber höchst reizvolle Gleichgesinnte. Lediglich die beste Freundin der beiden und Mitbewohnerin von Christina, Jane Burns (Selma Blair), sucht noch den Mann fürs Leben und muss von den beiden auf den erleuchteten Pfad geführt werden. Doch ausgerechnet die unnahbare Christina verliebt sich plötzlich in den Immobilienmakler Peter Donahue (Thomas Jane) ...

So sieht es also aus, das Idealbild junger Frauen: Leichte Erkan-und-Stefan-Allüren, einem Drink nicht abgeneigt, aber vielen Drinks noch eher zugetan, Spaß am Sex aber noch mehr Spaß am Fallenlassen der siegessicheren Liebhaber in spe. Als männliches Mitglied dieser Gesellschaft ist man geneigt, auf Grund derartiger Phantasien des angeblich schwächeren stärkeren Geschlechts in schallendes Gelächter auszubrechen und sich vorzustellen, wie Alice Schwarzer vor dem Scherbenhaufen ihrer ehemals aus ideologisch Gründen initiierten Bewegung sitzt und sich überlegt, wie sie im nächsten Interview den Verfall ihrer Prosecco-süchtigen Anhängerschaft möglichst „sophisticated“ schönreden kann.

Regisseur Roger Kumble hat bereits Erfahrungen im Zeichnen von sexuell-dominierter Lebensart, drehte er doch bereits mit „Eiskalte Engel" einen erfrischend direkten Film. Jetzt filmte er „Super süß und super sexy“ nach dem Drehbuch von Nancy Pimental, die bis jetzt nur für die anarchische und rotzfreche TV-Serie „South Park" schrieb und besetzt die Hauptrolle mit Cameron Diaz, die schon in „Verrückt nach Mary" den Kerlen die Köpfe gleich reihenweise verdrehte. Diese bizarre Zusammenstellung macht sich dann auch sofort bemerkbar, denn „Super süß und super sexy“ ist eine Mischung aus Teenie-Klamotte, Liebesfilm und Gesellschaftsstudie. Klingt so, als würde es nicht gut gehen ... gut geht es schon, nur eben nicht richtig gut.

Zunächst aber zeichnet sich der Film dadurch aus, dass er sich nicht an einer bierernsten Studie über die Frau von heute versucht. Er zeigt das Verhalten der drei Party-Miezen, ohne Maßstäbe anzulegen, erzählt seine Geschichte gelassen und hält sich zurück, wenn’s brenzlig wird, so dass sich der Zuschauer einfach berieseln lassen kann, ohne sich mit der offensichtlichen Spaßkultur auseinandersetzen zu müssen. Wenn sich Christina dann in ihren Traumprinzen verliebt ist es natürlich zu spät und sie muss ihm hinterher reisen. Zusammen mit Busenfreundin Courtney geht’s also auf einen Road Trip mit Gags, die teilweise aus dem gleichnamigen Film stammen könnten. Mauerblümchen Jane bleibt derweil zu Hause und entwickelt sich in der Zwischenzeit zur Lotterbraut, die peinlich berührt Kleider mit Spermaflecken zur Reinigung bringt.

In so manchem Moment spürt man förmlich, wie sich Autorin Nancy Pimental zusammenreißen musste, um nicht wieder im „South Park“-Stil zu schreiben. Zwar bewegen sich bis auf eine Ausnahme alle Gags angenehm über der Gürtellinie, so mancher wagt sich jedoch in die Grenzbereiche des guten Geschmacks vor und wirkt dabei unvollständig, als wurde er im Nachhinein lieblos gekürzt. Der Rest besteht größtenteils aus Slapstickeinlagen und ebenso harmloser wie belangloser Situationskomik. Der Verlauf der Geschichte ist nicht weiter von Bedeutung, verläuft genre-typisch stur geradlinig, wird am Schluss aber doch zum großen Ärgernis. Denn hier verkommt der spaßige Film für zwischendurch plötzlich doch zur Liebesschnulze mit mehr Schmerz als Herz. Plötzlich werden sich die Super-Frauen ihres auf einmal ach so armseligen Lebens bewusst, lassen ihren Gefühlen freien Lauf, schnäuzen einmal kräftig ins Taschentuch und tun das, was sie sonst nie getan hätten: Sie laufen, einem Mann hinterher. Ach, wie originell ...

Nett, aber nicht herausragend. „Super süß und super sexy“ ist zu unentschlossen, um zu überzeugen. Kurzweiliger Spaß mit Niveau, Teenie-Klamotte und Liebesfilm ... der Mix aus „Road Trip“, „Verrückt nach Mary“ und „Weil es Dich gibt“ kommt nicht recht in Fahrt und stolpert über seine zu ungleichen Füße. Alles in allem ist der Film mit dem seltsamen Regie- und Autorengespann dennoch eine launige und erfrischend unkomplizierte Komödie für einen unterhaltsamen Abend, bei der lediglich der Schluss auf die Stimmung drückt.
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