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Zurück in die Zukunft III
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Zurück in die Zukunft III
Von Stefan Ludwig
Robert Zemeckis und Bob Gale schrieben das Drehbuch für die Fortsetzung von „Zurück in die Zukunft" schlichtweg zu lang. Es hätte dreieinhalb Stunden Material ergeben, weshalb man sich entschied, den Film aufzuteilen. Nachdem der zweite Teil der vielleicht beste Vertreter der „höher, schneller, weiter"-Fortsetzungs-Maxime wurde, ist „Zurück in die Zukunft III" letztlich eine Western-Klamotte. Die intelligenten Sprünge in der Zeit finden kaum statt, hingegen merkt man den Darstellern den Spaß am Westerngenre sichtlich an – jeder von ihnen scheint sich das schon immer gewünscht zu haben. Für sich genommen ist der dritte Teil ein bloßer netter Unterhaltungsfilm, doch zum Glück kann sich der Spaß der Darsteller und der hohe Wiedererkennungswert der ZidZ-Trilogie im Gesamtbild deutlich bemerkbar machen.

Nachdem am Ende von Teil II Doc Brown (Christopher Lloyd) durch einen unglücklichen Zufall ins Jahr 1885 versetzt wurde, hat er sich eigentlich mit der Situation bestens abgefunden. Er versteckt den DeLorean in einer Mine und übermittelt die im zweiten Teil bereits vorkommende Nachricht, dass dieser zerstört werden soll, da die Zeitreisen lediglich zu bösen Verwickelungen führen. Allerdings entdecken Marty (Michael J. Fox) und Doc bei der Bergung der Zeitmaschine per Zufall einen Grabstein. Auf dem steht, dass das in der Vergangenheit festsitzende Alter Ego von Doc nur eine Woche nach Schreiben des Briefes bei einer Schießerei ums Leben kommt. Deshalb entschließen sich die beiden, Marty in die Vergangenheit zu entsenden.

So gelangt Marty in den Wilden Westen, was für lustige Bilder sorgt und die Trilogie nach dem zeitweise etwas abgedrehten zweiten Teil in eine Welt voller bekannter Klischees führt. Kriegsschreie ausstoßende Indianer, fiese Cowboys, staubige Salons, Sheriffs und die ersten Eisenbahnen sorgen für jede Menge Furore und versorgen Teil III mit ausreichend Gagmaterial. Die größte Überraschung des Films ist aber die Tatsache, dass der Doc sich verliebt: in eine Lehrerin, die doch tatsächlich seine Liebe zu Jules Verne teilt – gespielt von Mary Steenburgen. Von perfekter Chemie zwischen ihr und Lloyd kann keine Rede sein. Allerdings tut das gar nichts zur Sache bzw. ist wohl sogar beabsichtigt, denn die Liebesgeschichte ist vielleicht eher als ironische Beschreibung der Liebe auf den ersten Blick anzusehen. Auf den Punkt gebracht ist somit die Chemie auch gar nicht nötig. Steenburgen spielt ihre Rolle ähnlich wie Lloyd mit einer herrlichen Naivität.

Christopher Lloyd kommt im dritten Teil die dramaturgische Hauptrolle zu, denn um seine Person dreht und wendet sich die Geschichte. Das tut dem Film gut, denn besonders die Sympathie für seinen und Martys Charakter, lenkt von kleineren Schwächen im Drehbuch ab. Das Westernszenario bringt Spaß, doch entsteht der Eindruck, dass genau dieser gewaltige Sprung in der Zeit – nämlich hundert Jahre zurück – beim Zuschauer nicht richtig ankommen will. Doch darüber täuschen Lloyd und außerdem die gewohnten Anspielungen auf die beiden früheren Teile gut hinweg.

Teil II und III wurden am Stück von Februar bis Dezember 1989 gedreht und kamen anschließend im Abstand von gut zehn Monaten in die Kinos. Die elfmonatigen Dreharbeiten am Stück, die bloß für die drei Wochen der Aufnahmen in Nordkalifornien für die farbfilterdurchsetzten Westernszenen quasi unterbrochen wurden, führten zu einigen Problemen: Da der zweite Teil im Juni bereits vollständig abgedreht war und parallel zu den weiteren Setarbeiten an Schnitt und Ton gearbeitet wurde, mussten die Kräfte geteilt werden. Zemeckis gab in einem Interview selbst zu, dass ihn die Arbeit an zwei Filmen zur selben Zeit überfordert hätte. Bob Gale zog das ehrenwerte Los, drei Wochen lang täglich zwischen den Dreharbeiten in Sonora und dem Tonatelier in Burbank hin- und herzufliegen.

Beim Ton blieben Gale und Zemeckis dem engen Freund Alan Silvestri treu, was sich erneut als absoluter Glückgriff erwies. Gerade die Hintergrundmusik macht „Zurück in die Zukunft" zu einem Erlebnis, der Wiedererkennungswert der fantastischen Untermalung ist enorm. Die Musik sollte anstatt von Effekten den Film noch eindrucksvoller gestalten, was recht gut funktioniert. Außerdem dürfen ZZ Top in einer Tanzszene und später im Abspann mit „Double Back" für wippende Köpfe sorgen.

Mit dem dritten Teil findet die Serie in jedem Fall einen sehr gelungenen Abschluss. Zwar lässt sich nicht verbergen, dass gerade hier der Mainstreamcharakter zum Vorschein kommt – Spaß macht das aber trotzdem. Die Diskussion einer weiteren Fortsetzung erübrigt sich eigentlich, da Michael J. Fox leider an Parkinson erkrankt ist und die Schauspielerei im Jahr 2000 an den Nagel gehängt hat. Und ohne die Darsteller ließe sich für einen vierten Teil ohnehin nur Böses, Peinliches erahnen. Als Familiensaga ist „Zurück in die Zukunft" vielleicht unschlagbar und es bleibt abzuwarten, ob es in Zukunft einer Unterhaltungsserie erneut gelingen kann, einen derartigen Kultcharakter zu bieten.

Das geniale Drehbuch des ersten Teils ist von Bob Gale und Robert Zemeckis hervorragend erweitert worden – ganz im Gegensatz zum Werk etwa der Wachowski-Brüder, die aus ihrer anspruchsvollen „Matrix" eine Unterhaltungsshow mit fadem Beigeschmack flochten. Die Verwebung der Geschichte von „Zurück in die Zukunft II" und Teil III tritt zwar zugunsten der Westernparodie in den Hintergrund, doch besonders der Übergang ist schlüssig und spannend aufgebaut. Für das gerade neu erschienene 4-er-DVD-Boxset kann somit eine uneingeschränkte Empfehlung ausgesprochen werden. Wobei für Besitzer der alten Trilogie-Box nicht viel Neues dabei ist bis auf eine schönere Aufmachung der Verpackung. Ein Tipp für die Käufer: Die Originalstimmen heben sich um Längen von deutschen Synchronstimmen ab.
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