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    Ritter aus Leidenschaft
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Ritter aus Leidenschaft
    Von Carsten Baumgardt
    Ein Lichtblick in Zeiten kühl durchkalkulierter, lebloser Blockbuster nach Schema F ist Brian Helgelands Ritter-Spektakel „A Knight’s Tale“ („Ritter aus Leidenschaft“) - ein wild-wüster Stilmix, der erfolgreich Elemente des klassischen Mittelalterfilms mit moderner Popkultur kreuzt.

    Der Junker William (Heath Ledger) träumt schon als kleiner Junge davon, ein Ritter zu werden. Doch seine niedere Herkunft steht ihm im Weg. Sein mittelloser Vater John (Christopher Cazenove) versucht, seinem Spross zu helfen, gibt ihn als Siebenjährigen einem altgedienten Edelmann als Laufbursche an die Hand. Von ihm soll der Junge lernen, was einen echten Ritter ausmacht. Seine Abstammung aus der Unterschicht verhindert jedoch, dass William je eine Chance hat, ein Ritter zu werden. Deshalb nimmt er sein Schicksal selbst in die Hand. Nach dem Tod seines Herrn tritt er bei gesellschaftlich hochgeachteten Lanzenturnieren fortan unter dem Psyeudonym Sir Ullrich von Liechtenstein auf. Unterstützt von seinen Freunden Roland (Mark Addy), Chaucer (Paul Betanny), Wat (Alan Tudyk) und Schmiedin Christina (Berenice Beso) etabliert sich der begnadete Kämpfer in der adligen Szene und verliebt sich obendrein in das Edelfräulein Jocelyn (Shannyn Sossamon). Sein einziger ebenbürtiger Gegner ist der zwielichtige Graf Adhemar (Rufus Sewell), der ebenfalls um Jocelyns Gunst buhlt...

    Regisseur und Autor Brian Helgeland, der für Curtis Hansons grandiose James-Ellroy-Verfilmung „L.A. Confidential“ einen Drehbuch-Oscar erhielt und mit seinem Kino-Debüt „Payback“ ein grundsolides Werk vorlegte, setzte bei „A Knight’s Tale (der deutsche Titel bleibe ignoriert) auf Risiko. Um das angestaubte Genre mit neuem Leben zu füllen, macht Helgeland aus „A Knight’s Tale“ eine Art Rock ’n’ Roll-Ritterfilm. Mit diebischem Spaß an Anachronismen unterlegt er die actionreiche Handlung mit Rock-Klassikern von Led Zeppelin, Queen oder Thin Lizzy, lässt Williams Herzensdame Jocelyn in modernen Designerkleidern stolzieren und präsentiert den dreistesten Fall von Product Placement der Filmgeschichte als funktionieren Gag. Die gelungenste Symbiose von Mittelalter und Popkultur zeigt ein ritterliches Tanzspektakel, in dem antike Klänge und Tanzrhythmen spielend in David Bowies „Golden Years“ übergehen – und aus der steifen Etikette wird ein wildes Happening. Um das Budget (40 Mio Dollar) überschaubar zu halten, drehte er im kostengünstigen Tschechien und anstatt, teure Superstars zu engagieren, vertraut Helgeland auf den zur Zeit der Besetzung („The Patriot“ lief später an) noch unbekannten Australier Heath Ledger, der mit „A Knight’s Tale“ seinen Aufstieg in Hollywoods A-Liga feiert. Der 22-jährige Jungstar trägt den Film als Identifikationsfigur, strahlt Charisma und physische Präsenz aus. Freude machen auch Ledgers Mitstreiter wie der Engländer Paul Bettany, der als Dichter und notorischer Spieler mit fulminanter Reden-Schwinger glänzt oder Newcomerin Shannyn Sossamon, die als mysterische Schönheit überzeugt. Nicht zu vergessen Rufus Sewell („Dark City“, „Hamlet“). Der Brite kommt als Bösewicht ganz ohne das übliche Chargieren aus und strahlt allein mit kleinen Gesten und Blicken Bedrohlichkeit. Bei aller Innovation treibt Helgeland seine Geschichte gradlinig und ohne Schnörkel voran. Auf Subplots verzichtete weitgehend – der Kampf von Gut und Böse verläuft im Rahmen gewohnter Bahnen. Doch das stört das Vergnügen an Helgelands augenzwinkernes Feel-Good-Movie nicht im geringsten.
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