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    Der amerikanische Freund
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Der amerikanische Freund
    Von Carsten Baumgardt
    Die Lebenstage des Restaurators und Bilderrahmers Jonathan Zimmermann (Bruno Ganz) sind gezählt. Der Familienvater, der mit Frau (Lisa Kreuzer) und Kind in Hamburg wohnt, ist unheilbar an Leukämie erkrankt. Auf einer Auktion begegnet er dem Bildfälscher Tom Ripley (Dennis Hopper). Später, nachdem Zimmermann in der puren Verzweifelung das Angebot des Franzosen Minot (Gerard Blain) annimmt, in Paris einen Auftragsmord zu begehen, kreuzen sich ihre Weg wieder. Um die volle Summe von 250.000 Mark für seine Familie zu erhalten, soll Zimmermann im InterCity nach München einen weiteren Mord begehen. Ripley ist in das Spiel verstrickt und hilft ihm dabei...

    Wim Wenders, Ikone des Neuen Deutschen Films, verschaffte sich mit dem stilbildenden Thriller-Drama „Der amerikanische Freund“ seine filmische Eintrittskarte für die USA. Der Amerika-Freund begeisterte Regiestar Francis Ford Coppola so sehr, dass Kontakte zustande kamen und Wenders fortan zumeist in den Vereinigten Staaten drehte. „Der amerikanische Freund“ ist ein typischer Wenders: sperrig, verschroben, karg... aber wer genau hinsieht, bekommt Außergewöhnliches geboten. Das triste Drama ist die zweite - sehr freie - Verfilmung der fünf Tom-Ripley-Romane von Patricia Highsmith. Die Lichtsetzung des Films ist beispielhaft grandios eingefangen von Robby Müller (Paris, Texas, Coffee And Cigarettes). Wenders gelingt es immer wieder, aus der Tristesse poetische Bilder zu kreieren. Famos ist auch die spielerisch-leichte Verschmelzung der Metropolen Hamburg, Paris und New York – die Übergänge sind fließend und kaum zu spüren. Eine cineastische Fingerübung der Sonderklasse.

    Die Thrillerhandlung verfolgt Wenders zwar mit Stringenz, aber wirklich wichtig ist sie ihm nicht. Die Zugsequenz ist glänzend auf Spannung inszeniert, aber die wahre Größe des Films macht die exakte Charakterstudie der Hauptfigur Jonathan Zimmermann aus. Bruno Ganz (Der Untergang, „Nosferatu - Das Phantom der Nacht“, Der Manchurian Kandidat) brilliert mit internationaler Klasse. Der Schweizer schafft es, das Publikum für sein Schicksal zu interessieren, obwohl er sich für den Job als Auftragskiller entscheidet. Die Gesichtszüge von Ganz, der schwer unter seiner Krankheit leidet, und zum Ende hin immer mehr an Kraft verliert, sprechen Bände. Dennis Hopper (Easy Rider, Speed) bildet als mysteriöser Tom Ripley einen schönen Gegenpart und unterstützt das Spiel von Ganz. Für kleinere Nebenrollen konnte Wenders übrigens Regisseure wie Sam Fuller, Nicholas Ray, Peter Lilienthal, Daniel Schmid oder Jean Eustache einspannen. Wenders selbst hat einen Cameoauftritt als kopfbandagierter Patient im Krankenwagen.

    Als Lohn für diese stilistische Meisterleistung, die so manche Trägheit der Handlung kaschiert, erhielt „Der amerikanische Freund“ 1977 das Deutsche Filmband in Gold für Regie und Schnitt sowie in Silber für den Film. Dazu gab es Nominierungen für die Goldene Palme von Cannes und die Cesars.
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