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Silence
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3,7
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7 User-Kritiken

amlug
amlug

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4,5hervorragend
Veröffentlicht am 12.03.17

Silence heißt das neue Werk von Regie-Legende Martin Scorsese. Ein Titel, wie er passender kaum sein könnte, für diese Geschichte, denn in diesem Film geht es hauptsächlich um die Stille nach dem Gebet. Und genau hier möchte ich schon einmal eines klar stellen, denn Silence ist ein christlicher Film und holt keineswegs zu einer großen Religions-Kritik aus aber das soll nicht heißen, dass dieser Film Christentum-Propaganda oder lediglich für christliche Menschen gut zum anschauen wäre. Nein, Silence ist für alle, die sich wirklich für Religion interessieren und dabei macht es letztendlich keinen großen Unterschied, welche, denn die Lehren aus diesem Film lassen sich auf so gut wie jede andere Religion übertragen. Silence ist meiner Meinung nach einer der ganz wichtigen Filme des 21. Jahrhunderts und hat die Grundlehren des Christentums meiner Meinung nach besser verstanden, als viele Priester. Auch brachte mir persönlich dieser Film wahrscheinlich mehr Verständnis über Religion, die Entstehung von Religion und allgemein die Glaubenskonflikte bei, als bisher 11 Jahre Relgionsunterricht. Wo soll ich nur anfangen? Vielleicht allgemein einmal damit, dass der Film wunderbar aufzeigt, warum für Menschen früher (mehr als heute) Glaube so wichtig war. Der Film beschäftigt sich viel mit der armen Bevölkerung (hier halt aus Japan), die letztendlich in so einem Elend und einer solchen Angst leben, dass sie beinahe zwangsläufig ja an irgendeine höhere Macht glauben müssen, damit sie überhaupt noch einen Sinn in ihrem Leben sehen. Dabei sind unsere beiden europäischen Priester, Sebastião (Andrew Garfield) und Francis (Adam Driver) auch zwei großartige Hauptfiguren, die von der förmlichen, europäischen Kirche, voller Sakramente und Bräuche in das komplette Gegenteil geworfen und dabei hart auf die Probe gestellt werden. Die Beiden müssen sich dann nämlich nach und nach immer mehr auf die Grundlehren des Christentums besinnen und die Bräuche der Kirche immer mehr hinten anstellen. Und dabei kommen sie dann auch an den einen Punkt, an dem sie sich fragen müssen, wann sie ihre Religion, ihren Gott verläugnen dürfen oder sogar müssen. Und gerade in diesen (unglaublich intensiven) Szenen beginnt dann auch der feste Glaube unserer Priester ein wenig zu bröckeln, da ihre Gebete scheinbar nur von „Silence“ - „Stille“ gehört werden und sichtbar nichts passiert. Scorsese setzt das alles mit so viel Geduld und Feingefühl um, dass man die Chraktere wirklich versteht und ihren inneren Weg sehr gut nachvollziehen kann. Auch die absolute Sinnlosigkeit religiöser Konflikte werden in diesem Film hervorragend aufgearbeitet, in dem man auf der einen Seite die, sehr arroganten, europäischen Christen, auf der anderen Seite aber auch die skrupellosen Japaner der Shōgun-Dynastie hat, von denen aber auch keine Partei wirklich nachgeben will um diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Der wirklich schockierende Teil dabei ist, dass es fast dasselbe auch im Jahre 2017 noch gibt. Es ist ehrlichgesagt schwer, ein so großes Werk, wie Silence in eine kurze Kritik zu fassen, denn das muss man einfach selbst sehen, vor allem wenn man sich für Religion interessiert. Wirklich ein sehr wichtiger aber auch unangenehmer, extrem schwerer und nachdenklicher Film, der mit seinen fast drei Stunden Laufzeit hier- und da zwar vielleicht doch etwas lang geht (vor allem gegen Ende) aber der Film nutzt seine Zeit doch meistens sehr gut aus! Auch technisch war der Film astrein. Die Schauspielleistungen vor allem von Andrew Garfield und Adam Driver waren sensationell und der Film allgemein war extrem aufwändig und wertig inszeniert worden. Die vielen echten Sets verliehen dem Film glaubhaftigkeit und der gesamte Film wirkte so extrem authentisch. Fazit: Silence ist ein wichtiges Werk über Glaube, Religion, religiöse Verfolgung und Gott an sich … unbedingt anschauen!

schonwer
schonwer

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4,0stark
Veröffentlicht am 04.04.18

Martin Scorsese's Film "Silence" lief nur sehr kurz im Kino, hatte wenig PR und ist dementsprechend auch eher wenig bekannt. Mit seinen fast drei Stunden ist "Silence" ein Film geworden, der seinen Zuschauern Geduld abverlangt. Er ist ruhig, lässt sich Zeit und wer sich nicht für dieses Thema interessiert wird es hier ziemlich schwer haben. Wen es allerdings interessiert, wird mit einer starken Geschichtsstunde belohnt. In seiner sinnlichen und ruhigen Stimmung hat der Film seine kleinen Längen, dafür weist die Geschichte Tiefe auf und richtigen Diskussionsstoff. Hier wird nicht gesagt an was man glauben soll, es gibt keine richtigen Bösen und Guten, es werden beide Seiten beleuchtet. Was ist richtig, was ist falsch? Nach kleinen Längen im dritten Viertel wird das Ende sehr interessant. Darüber hinaus wurde das ganze exzellent bebildert, atmosphärisch und stimmig inszeniert und herausragend gespielt. Dadurch, dass der Film sich Zeit lässt hat man die Zeit einzutauchen und die Stimmung wahrzunehmen. Nur etwas schade, dass der japanisch gesprochene Teil nicht untertitelt wurde. Fazit: Ruhig, langsam erzählt, exzellent gespielt, schön bebildert, mit Tiefe und stimmiger Atmosphäre. Scorsese's "Silence" ist sehr interessant, auch wenn hin und wieder etwas zäh.

BrodiesFilmkritiken
BrodiesFilmkritiken

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3,5gut
Veröffentlicht am 09.09.17

Im Falle von Martin Scorsese bin ich wohl weniger ein Kenner, mehr ein Sympathisant: ich habe nur wenig von ihm gesehen und das Meiste ist aktuell; aber insbesondere Titel wie „The Departed“ und „Bringing out the Dead“ sind hängengeblieben. Daher gebe ich jedem Werk von dem Mann gerne eine Chance, auch wenn abzusehen ist daß es eigentlich nichts für mich ist. So auch hier: die Geschichte zweier Priester die nach Japan reisen um dort nach einem verschwundenen Priester zu suchen und vor Ort eine unfassbare Höllentour durchmachen klingt zwar im ersten Moment wie ein Thriller, ist aber langsam erzähltes und episches Kino. Von den Ausstattungen, Darstellern und Inszenierung ist alles top, es bleibt eben nur die Frage ob man sich diesem bleischweren und zweieinahlb Stunden Brocken aussetzen will. Als nette Unterhaltung taugts nicht, als anspruchsvolle Kinoerfahrung mit schockierenden Momenten dürfte derjenige der genau danach sucht sehr gut fündig werden. Fazit: War eben nicht mein Titel, könnte aber einem geduldigen Zuschauer als sehr ergiebig erscheinen!

Kinobengel
Kinobengel

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3,5gut
Veröffentlicht am 10.03.17

Der neue Scorsese-Film heißt „Silence“. Als Vorlage diente der von Endō Shūsako geschriebene historische Roman „Chinmoku“. Die Premiere fand im Vatikan statt. 1638: Die portugiesischen Kirchenleute Sebastião (Andrew Garfield) und Francisco (Adam Driver) begeben sich nach Japan, um den angeblich vom christlichen Glauben abgefallenen Pater Ferreira (Liam Neeson) aufzusuchen. Im Wissen, dass die Christen in Japan brutal verfolgt werden, müssen sie heimlich agieren. Das neue Werk von Scorsese, welches ihm seit Anfang der 1990er am Herzen gelegen haben soll, ist endlich in den Kinos angekommen und präsentiert sich nicht gewaltfrei, aber dennoch kirchenzahm. Also im Singsang früherer Monumentalschinken wie „Die zehn Gebote“ von Cecile B. DeMille (1956), jedoch mit modernem Bild ohne Statistenmassen, Kolossalbauten und prallen Farben. Das Leiden der Christen soll der Kinogänger verstehen, ohne sich jedoch ekeln zu müssen. „Silence“ ist zudem in englischer Sprache aufgenommen und damit weit weg von „Die Passion Christi“. Der 2004 von Mel Gibson inszenierte Film trumpfte zwar mit aramäischer Sprache auf, aber auch mit expliziter Darstellung von grausamer und brutaler Gewalt, die in der Kirche auf Ablehnung stieß. Reale und schonungslose Szenen sind eben nicht gern gesehen, sondern große Symbolkraft, und die liefert „Silence“ ausgiebig. Aufgrund der Geschehnisse in der fernen Welt trennen sich die Wege der beiden Portugiesen bald und der Plot konzentriert sich auf Sebastião, der in Andrew Garfield einen würdigen Mimen findet. Das Judas-Thema wird wiederholend beinahe zu Tode zelebriert, inklusive der Barmherzigkeit von Sebastião, der sich jesusartig gibt. Die Verbreitung des christlichen Glaubens soll schließlich auch vorangetrieben werden. Der alte Inoue (Issei Ogata), der die Christenverfolgung ausübt, tritt als patriarchalischer Gegner auf den Plan. Die Dialoge zwischen den beiden unterschiedlich Gläubigen sind interessant gestaltet. Da gerät der vom Christentum überzeugte, verbohrte Missionar beinahe ins argumentative Hintertreffen, denn er ist der Eindringling; ein gut platziertes Diskussionsmoment. Doch der Buddhist ist als Hausherr der Folterer, der Gewalt seiner Überzeugungskraft vorzieht. Beeindruckend ist auch die Figur des Dolmetschers (Tadanobu Asano). Mit dem betont ruhigen Rhythmus ist das Dargebotene genauso gut erträglich wie anstrengend, ohne die 161 Minuten zu lang werden zu lassen. Es ist einfach mit Martin Scorsese der Meister am Werk, der seinen Kameraleuten Freiraum gibt und seiner langjährigen Editorin Thelma Shoonmaker vertraut. Die Entstehung eines nur durchschnittlichen Films ist quasi unmöglich. Scorsese zeigt einen gut konstruierten, gehaltvollen Film. Für Kinogänger, die sich mit dem Spirituellen nicht auseinandersetzen möchten, ist „Silence“ belanglos.

Das Kulturblog
Das Kulturblog

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4,0stark
Veröffentlicht am 06.03.17

Scorsese überrascht in diesem Film mit einer elegischen Erzählweise und langen Naturaufnahmen, wie man sie bisher eher von Terrence Malick kannte. Kameramann Rodrigo Prieto bekommt sehr viel Raum, die düsteren Nebelschwaden und die morastigen Sumpflandschaften von Kameramann einzufangen, in denen sich die beiden Jesuiten Sebastião Rodrigues (Andrew Garland) und Francisco Garpe (Adam Driver) wiederfinden. Sie machen sich auf die Suche nach ihrem Ordensbruder Cristóvão Ferreira (Liam Neeson), von dem es seit Jahren kein Lebenszeichen mehr gibt. Es kursieren Gerüchte, dass er sich unter Folter vom christlichen Glauben losgesagt haben soll. In knapp drei Stunden entfaltet Scorsese ein aufwühlendes Drama. Der jovial grinsende Inquisitor Inoue (Issei Ogata) packt seine sadistischen Methoden bis zur detailliert beschriebenen Grubenfolter aus und verlangt von den Priestern und ihren Gläubigen, die christlichen Kreuzigungsbilder mit den Füßen zu treten. Diese sogenannten Tret-Bilder, auch Fumie genannt, sind historisch belegt und sind in die Weltliteratur eingegangen (Jonathan Swift erwähnt sie in „Gullivers Reisen“, Voltaire in „Candide“).

niman7
niman7

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4,0stark
Veröffentlicht am 04.03.17

Im neuen Werk der Regie Legende Martin Scorsese "Silence" widmet er sich nun erneut der Religion. Japan im 17 Jahrhundert: Die zwei jungen Jesuiten Sebastiao (Andrew Garfield) und Garpe (Adam Driver) machen sich auf dem Weg ins noch unbekannte Japan. Ihr Ziel: Ihren ehemaligen Lehrmeister Ferreira (Liam Neeson) zu finden, denn dieser soll angeblich vom Glauben abgekommen sein. Dort angekommen, müssen die beiden jungen Männer schnell feststellen, dass das Christentum in Japan nicht nur nicht willkommen ist, sondern auch mit aller Härte verfolgt wird... Silence (Stille) war ein Herzensprojekt des Altmeisters Martin Scorsese- und das sieht man dem Film auch in nahezu jeder Szene an. Scorseses Filme beeindrucken visuell schon immer. Meist präsentiert er dem Zuschauer überwältigende Bilder die nahezu perfekt sind. Auch hier enttäuscht er uns mit den Bildern keineswegs. Das fängt schon zu Beginn an, wenn die zwei in einer sehr lebendigen Stadt (vermutlich irgendwo in China) nach jemanden suchen, der sie nach Japan bringen kann. Die Stadt mit all ihren Menschen sieht sehr aufwendig aus- womit man schon im Bann von "Silence" ist. In Japan angekommen, glänzt Scorsese immer weiter mit fantastischen Bildern. Sei es die Landschaft Japans, die schmutzigen Dörfer, die Tempel oder das majestätische Nagasaki. Meine größte Sorge war, ob der Film nicht zu einseitig wird. Da Scrosese persönlich sehr gläubig ist, bestand da eine große Gefahr. Doch Scrosese schlägt sich auf keine Seite und beleuchtet beide Seiten. Sämtliche Parteien erhalten genügend Zeit, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen. Hier punktet die anti Christentum Partei sogar mit Argumenten mehr. Argumentation ist mein nächster Punkt. Obwohl der Film sehr lange geht, erhält man als Zuschauer nie wirklich eine zufriedenstellende Antwort über die Stärke des Glaubens jener zwei Jesuiten. In einer Szene sagt Sebastiao zwar, es können alle Menschen friedlich zusammen leben, wenn sie die Gebote Gottes befolgen, aber mich hat er in den knapp 3 Stunden nicht "bekehrt". Statt seine Hauptfigur näher zu beleuchten, "foltert" Scorsese seinen Zuschauer eher. Foltern, in dem er sehr lange Szenen über Folterung (Verbrennung, ertrinken, Grube, ect.) bringt. Diese Szenen sind sehr lange. Dabei verzichtet er komplett auf Musik (was bei ihm ungewöhnlich ist). Sein Kameramann Rodrigo Prieto (Oscar Nominierung) hält schön lange drauf- womit extrem intensive Bilder entstehen. Scorsese schafft es jedoch das fast unmögliche. Trotz wirklich schlimmer Bilder, stempelt er die Samurai im Land der aufgehenden Sonne nicht als "Monster" ab, sondern er lässt sie so gut argumentieren, dass man als Zuschauer vollkommenes Verständnis für deren Reaktion hat. Andrew Garfield mausert sich immer mehr zum großen Schauspieler. Hier zeigt er auch, welch Talent in ihm steckt. Seine verletzliche Figur, deren Glauben immer wieder auf die Probe gestellt wird, ist recht interessant zu sehen und wird zunehmend interessanter. (Will hier nichts vorwegnehmen). Trotz 25 Kilo weniger, geht Adam Drivers Figur völlig unter. Was sehr schade ist, denn er ist ein netter Kontrast zu Sebastiao. Liam Neesons Leinwandzeit fällt zwar sehr kurz aus, aber er sorgt für eine spannende Wendung und spielt gewohnt sehr solide. Japanische Schauspieler nehmen ihre Arbeit gewohnt sehr ernst an. Auch hier brillieren sie alle und sämtliche Szenen wirken äußerst realistisch. Was positiv auffällt: die japanischen Figuren wirken nicht wie irgendwelche Karikaturen oder Figuren aus einem Manga. Bei all den Schauspielern, fällt hier Yosuke Kabozuka sehr positiv auf. Sein naiver Kichijiro musste einen sehr schmerzlichen Verlust hinnehmen und sein Leid sowie sein schlechtes Gewissen, kauft man ihn in jeder Szene ab. Trotz allen, steht hier Garfield stets im Mittelpunkt. Was ebenfalls sehr interessant ist, sind die zahlreichen Parallelen zu Jesus (die Jünger, Judas, Opfer, Essig, ect.) FAZIT: Um Silence "zu mögen", muss man wirklich sehr viel Geduld mitbringen. Obwohl Scroseses gewohnt mit unglaublich opulenten Bildern brilliert und wir endlich mal wieder eine schön ruhige Kamera erhalten, fällt es einen sehr schwer, durchgehend konzentriert zu bleiben. 30 Minuten weniger und der Film wäre noch besser. Besonders positiv: Scorsese schlägt sich auf keine der beiden Seiten und beide werden genügend beleuchtet.

Michael S.
Michael S.

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4,0stark
Veröffentlicht am 01.03.17

So still wie "Silence" war schon lange kein Film mehr, was die wenigen aber dennoch heftigen Gewaltausbrüche dafür umso intensiver wirken lässt. Scorsese veranschaulicht damit aber auch passend zentrale Fragen seiner Geschichte, nämlich wie ein liebender Gott seine Anhänger derart leiden lassen kann oder, ob heilige Gegenstände wirklich unantastbar sind. Dabei wird die Christus-Metapher mit Rodrigues' Haarpracht, Match-Cuts auf Jesus-Ikonen und einem Verrat für dreihundert Silberstücke manchmal etwas überstrapaziert, insgesamt gelingt es dem Regieveteranen, der über zwanzig Jahre an einer Verfilmung des der Handlung zugrunde liegenden Romans arbeitete, jedoch ein Stück intensives Schauspielkino abzuliefern, das so vermutlich nur auf der großen Leinwand funktioniert. Knapp drei Stunden die Leiden des jungen Rodrigues zu beobachten mag manchen Blockbusterfan abschrecken, wenn der Film dann aber erst einmal gestartet ist, fällt es selbst in den etwas schwächeren Szenen schwer wegzuschauen, was nicht nur an den atemberaubenden Aufnahmen der kargen Landschaften liegt. Mit viel visueller Atmosphäre, präziser Schauspielerei und fast ohne irgendwelche Filmmusik gelingt die Illusion einer Betrachtung Japans im 17. Jahrhundert meist ohne Probleme. Schauspielerische Höhepunkte wie die Debatten zwischen Rodrigues und dem Inquisitor Inoue (Issei Ogata) oder dem jungen Pater und Ferreira belohnen geduldige Cineasten und zeigen, dass vor allem Liam Neeson nach wie vor ein großartiger Schauspieler ist, der mehr kann als die eher einfach gestrickten Actionfilme, mit denen er in den letzten Jahren von sich reden machte. Auch die japanischen Darsteller, von denen nur Tadanobu Asano mit "Der Mongole" einem größeren Publikum bekannt ist, machen ihre Sache durchweg gut. Andrew Garfield wirkt im Vergleich dazu manchmal ein wenig zu idealistisch, er muss seine Ansichten jedoch immer wieder derart hinterfragen und gegen alle möglichen Widrigkeiten verteidigen, dass man ihm seine emotionale Reise am Ende doch abnimmt. Am Rande der Überzeichnung bewegt sich lediglich der gefürchtete Inoue, der mit nachsichtigem Lächeln und großväterlichen Weisheiten die vom buddhistischen Glauben abgefallenen Christen wahlweise retten oder bestrafen will. Im Prinzip würde die Story mit weniger Laufzeit und flotteren Schnitten auch als Abenteuerfilm funktionieren, in dem ein paar eurozentrisch angelegte Padres ein paar Heiden zu bekehren versuchen und dabei als potentielle Märtyrer eine Menge erdulden müssen, nur um schließlich voller Pathos ein paar allgemeingültige Sätze rufen zu dürfen. Tatsächlich weist die japanische Obrigkeit teils deutlich weniger Facetten auf als die von ihnen verfolgten Portugiesen oder die christlichen Bauern, die ihren Glauben unter Lebensgefahr ausüben. Am Ende ist es von den "Gegnern" ausgerechnet Inoue, dessen Motive man am ehesten nachvollziehen kann. Die Abschließung Japans in der Edo-Zeit wurde tatsächlich ähnlich radikal wie im Film vollzogen, wodurch die Jesuiten einiges von dem gespürt haben dürften, was die katholische Inquisition ganz ähnlich zuvor in Europa getan hatte. Letztendlich erspart sich Scorsese zum Glück eindeutige Schuldzuweisungen und stellt Rodrigues' Geschichte samt dessen angefochtenen Überzeugungen in den Vordergrund. Das eigentliche Motiv seiner Reise, nämlich die Suche nach dem verschollenen Mentor, gerät zugunsten moralischer Diskussionen hin und wieder aus dem Fokus, gegen Ende laufen aber dennoch alle Fäden zusammen. Wer bis zum Schluss durchgehalten hat dürfte das Gefühl haben, hier große Filmkunst bewundert zu haben, die nur durch ihre exorbitante Laufzeit etwas schwerfällig geraten ist. An wichtigen Themen mangelt es der Handlung keinesfalls, auch der Umgang damit ist durchweg gelungen.

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