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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,5
hervorragend
RoboCop
Von René Schumacher
Mit „RoboCop“ gelang dem holländischen Regisseur Paul Verhoeven (Total Recall, Basic Instinct, Starship Troopers, Showgirls) 1987 einer der besten Science-Fiction-Filme der 80er Jahre. Hinter einem naiven Titel, der eines B-Films würdig wäre, versteckt sich ein Highlight des Genres, das fast keine Wünsche offen lässt. „RoboCop“ ist in erster Linie eine glänzend unterhaltende Mischung aus Action, tiefschwarzem Humor und ätzender Satire. Aber er ist auch eine Zukunftsvision, die erschreckende Parallelen zur Wirklichkeit entwickelt hat. Und er hat in dem Cyborg RoboCop alias Alex Murphy (Peter Weller) einen tragischen Helden, der wesentlich mehr Tiefgang besitzt als die meisten anderen Action-Helden der 80er Jahre zusammen.

„RoboCop“ spielt in den USA in einer näheren Zukunft. Aufgrund fehlender Finanzmittel ist die Stadt Detroit am Ende. Sogar die Polizei wurde privatisiert und von dem Großkonzern OCP übernommen, der das eigentliche Sagen in der heruntergekommenen Stadt hat. Der Vorstandsvorsitzende von OCP (Dan O’Herlihy) plant den Bau eines neuen Detroits, Delta City genannt, aber vorher müsste die Kriminalitätsrate in der Stadt massiv gesenkt werden. Die ist mittlerweile so hoch, dass Polizisten nur noch in schwerer Panzerung ihren Streifendienst versehen und trotzdem jede Woche Kollegen beerdigen müssen. Abhilfe soll hier ein neuer Polizeiroboter schaffen, der unter Führung des Vize-Präsidenten von OCP, Dick Jones (Ronny Cox), entwickelt wurde. Dummerweise stehen bei dem eigentlich für den militärischen Sektor geplanten Kampfroboter ED 209 Feuerkraft und künstliche Intelligenz in einem krassen Gegensatz. Am Ende der Präsentation hat ED 209 eine Fehlfunktion und ein Mitglied der Chefetage von OCP muss dies mit dem Leben bezahlen.

Das junge Vorstandmitglied Bob Morton (Miguel Ferrer) sieht seine Chance gekommen, die Karriereleiter noch weiter hinaufzusteigen und schlägt als Alternative sein RoboCop-Programm vor. Dieses sieht den Bau eines Polizei-Cyborgs vor, eines Polizisten, der teils Mensch und teils Maschine ist. Bob Morton hat schon vorgesorgt und die besten Polizisten der Stadt in das Revier mit der höchsten Verlustrate versetzt, um eine fähige Leiche zu bekommen. Leidtragender dieser Taktik ist der Polizist Alex Murphy (Peter Weller), der bei seinem ersten Einsatz im neuen Revier direkt an Clarence Boddicker (Kurtwood Smith) gerät, den Gangsterkönig von Detroit. Murphys neue Kollegin Anne Lewis (Nancy Allen) kann nur ohnmächtig mit anschauen wie dieser auf brutalste Art und Weise von Bodecker und seiner Gang exekutiert wird. Einige Tage danach präsentiert Bob Morton der staunenden Öffentlichkeit voller Stolz seinen neuen Superpolizisten, den RoboCop. Die ersten Einsätze auf dem Krisenrevier sind ein voller Erfolg, aber obwohl er fast gänzlich aus Metall besteht, erkennt Anne Lewis sehr bald, wer da von den Toten auferstanden ist. RoboCop selber kann sich nicht an seine menschliche Vergangenheit erinnern, die vollkommen von OCP gelöscht wurde, aber mit Hilfe von Lewis fängt er an, gegen seine Programmierung auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen.

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„RoboCop“ hatte eigentlich alle Voraussetzungen für einen typischen B-Film. Ein Titel, der so dämlich klingt, dass man schon vor dem Lesen des Drehbuchs die Flucht ergreifen möchte und eine Handlung, die eigentlich auch auf einen Bierdeckel gepasst hätte: Mann wird getötet, kommt als Roboter wieder und rächt sich an seinen Feinden. Da verwundert es nicht, dass erst einmal zahlreiche Regisseure das Drehbuch dankend ablehnten. Auch Regisseur Paul Verhoeven schmiss es nach eigener Aussage direkt entsetzt auf den Boden und meinte, dass er so einen Dreck nicht filmen werde. Erst seine Frau, die sich das weggeworfene Script durchgelesen hatte, konnte ihm vom künstlerischen Potential des Films überzeugen. Unter Verhoevens Regie wurde „RoboCop“ dann ein so erfolgreicher Film, dass der Regisseur als nächstes das Angebot bekam, mit Arnold Schwarzenegger „Total Recall“ zu drehen und Verhoeven etablierte sich als Action-Spezialist in Hollywood.

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Seine Leistung in „RoboCop“ besteht darin, was er aus der konventionellen Action-Geschichte herausholt. Verhoevens bereichert die Story um einen ironischen Blick auf die amerikanische Gesellschaft. In immer wieder in den Film eingebauten Werbespots persifliert er den amerikanischen Kapitalismus der Zukunft und dessen Auswüchse. Da wird für das neueste Familienspiel „NUKEM“ geworben, bei dem es Ziel ist, die anderen Mitspieler in einem Atompilz verglühen zu lassen. Oder ein nett grinsender Mediziner versucht in bester TV-Shop-Manier seine Sportherzen für jedermann anzupreisen. Im Fernsehen der Zukunft ist der größte Erfolg die „Bixby Show“, in der scheinbar nichts anderes vorkommt als flache Zoten und große Oberweiten. Und die Waffengewalt in den Städten ist so groß geworden, dass Polizisten nur noch in kugelsicheren Autos und Kevlar-Westen nebst Helm auf die Straße gehen.

Hier zeigt sich eine visionäre Kraft Verhoevens, vor der man den Hut ziehen kann. Viele Sachen, die er in den 80ern noch als Persiflage anlegt, sind auf dem besten Wege, Wirklichkeit zu werden. Wenn man sich Teile des heutigen Fernsehprogramms antut, dann würde die Bixby-Show ein durchaus akzeptables Sendeformat darstellen. Kevlar-Westen waren zur Zeit der Entstehung des Films noch dem Militär vorbehalten, doch betrachtet man die Polizisten der Zukunft in Verhoevens Film, so kann man kaum noch Unterschiede zu den heutigen Anti-Terror-Einsatzkommandos feststellen. Und wenn die Privatisierung staatlicher Unternehmen weiter voranschreitet, dann ist auch die Vorstellung einer Polizei, die von einem privaten Konzern bezahlt wird, durchaus nicht mehr abwegig.

In dieses Horror-Szenario einer Gesellschaft bettet Verhoeven seine Geschichte des tragischen Helden Murphy (Peter Weller), der als RoboCop wieder zurück ins Leben geholt wird. Hier zeigt sich eine weitere Stärke des Films, die ihn von herkömmlichen Action-Filmen abhebt. Die Figur des Alex Murphy ist kein platter Action-Held, vielmehr gelingt es dem Regisseur, die Tragik des RoboCops herauszustellen. Die Maschine RoboCop erkennt, das sie früher ein Mensch war, aber in ihrer neuen Gestalt auf fast alles verzichten muss, was dass Menschsein ausmacht. In seinem Inneren findet ein stetiger Kampf seiner menschlichen Seele gegen seine mechanische Programmierung statt, aus welcher der menschliche Geist schließlich als Sieger hervorgeht. Respektlos inszeniert Verhoeven dabei nach eigener Aussage RoboCop als eine Art amerikanischen Jesus. Murphy wird von Boddicker (Kurtwood Smith) und seiner Gang „gekreuzigt“, aufersteht als RoboCop und hält aber nicht mehr die andere Wange hin, sondern tilgt das Böse aus der Welt. Eine schwarz-humorige Sicht Verhoevens auf eine amerikanische Religiosität, die gerade heutzutage wieder gewisse Parallelen zur US-amerikanischen „Kreuzzug“-Politik aufweist.

Diese philosophischen, sozialen und religiösen Themen hat Verhoeven gekonnt nebenbei in den Film einfließen lassen, der in erster Linie das bleibt, was der Zuschauer auch erwartet: pure Action-Unterhaltung und knallharte Science-Fiction. Verhoevens Film musste vor seiner Veröffentlichung aufgrund der extremen Brutalität mehrfach nachgeschnitten werden. Eine falsche Entscheidung, denn die Ironie des Films wird dadurch oftmals untergraben. So als ED 209 ein Vorstandsmitglied zu einem blutigen Klumpen zusammenschießt und Bob Morton (Miguel Ferrer) danach einen Arzt ruft. Dies ist natürlich eine von Verhoeven gewollte, ironische Überhöhung der Brutalität, die aber in der geschnittenen Fassung nicht zum Tragen kommt. So gehen im Gegensatz zur Originalfassung einige Spitzen verloren. Auf der heute erhältlichen DVD gibt es aber auch den Director´s Cut von Verhoeven, der man den Vorzug geben sollte. Bei aller Brutalität hat er aber zusammen mit seinen Kameramännern Sol Negrin und Jost Vacano virtuose Bilder inszeniert. Wenn RoboCop, untermalt durch eine exzellente, epische Filmmusik von Basil Poledouris eine Drogenhölle aushebt und sich ein wildes Feuergefecht mit einer Unmenge an Schurken liefert, dann denkt der Zuschauer, dass Verhoeven sein Leben lang nichts anderes als Action-Filme gemacht hat und zieht nicht in Erwägung, dass dies sein erster Ausflug in dieses Genre ist.

Die Schauspielerriege des Films ist heute eher unbekannt, Superstars wie Schwarzenegger oder Sharon Stone konnte sich Verhoeven noch nicht leisten, aber dafür spielt die ganze Besetzung wie aus einem Guss. Besonders die Bösewichte sind großartig besetzt und nicht umsonst gilt die Regel: Je besser der Bösewicht, umso desto der Film. „RoboCop“ bietet gleich ein halbes Dutzend zwielichtiger, aber wunderbarer Charaktere. Ronny Cox („Total Recall“) spielt einen eiskalten Dick Jones, der die Schattenseiten des Kapitalismus verkörpert; ein Wirtschaftsboss, der für seine Ziele über Leichen geht - frei nach dem Motto: „Ein gutes Geschäft lässt sich aus allem machen.“ Als dessen Mann fürs Grobe glänzt Kurtwood Smith (Der Club der toten Dichter) in der Rolle des Clarence Boddicker, eines widerlichen, aber sehr charismatischen Killers, dem man den Spaß an seinem Job ansieht. Gegen diese beiden wirkt Miguel Ferrer (Traffic) als karrieregeiler Yuppie Bob Morton schon fast wie ein Waisenknabe. Dabei ist er derjenige, der Murphy zu dem macht, was er ist. Aber irgendwie ist dem Zuschauer dieser arrogante Egoist auch sympathisch in seiner kindlichen Begeisterung über das vermeintlich seelenlose „Monster“, welches er in Form des RoboCop erschaffen hat. Peter Weller gelingt als RoboCop wohl die größte Leistung. Denn obwohl er die meiste Zeit aufgrund seines Kostüms kaum zu sehen ist, so schafft er es doch durch Gestik und akzentuiert eingesetzte Mimik, dem Cyborg ein zusehends menschlicheres und sympathischeres Wesen zu geben. Diese vier Charaktere stellen aber nur eine beispielhafte Auswahl dar, die guten schauspielerischen Leistungen setzen sich bis in die Nebenrollen fort.

Zu bemängeln gibt es wenig bei „RoboCop“. Da wäre zum einen die damals zwar sehr spektakuläre, aber im Zeitalter der Digitalisierung natürlich manchmal etwas altmodisch wirkende Tricktechnik. Die im Stop-Motion-Verfahren gedrehten Bewegungen des ED 209 muten heute stellenweise doch etwas hölzern an. Zum anderen erfindet „RoboCop“ das Science-Fiction Genre nicht neu. Die Grund-Geschichte ist solide, aber nicht raffiniert. Die Figuren sind größtenteils klischeehaft, eine charakterliche Entwicklung macht im Grunde nur Alex Murphy durch, die anderen Protagonisten sind gut oder böse, dazwischen gibt es nichts. Aber was aus diesen Grundvoraussetzungen von Verhoeven gemacht wurde, das ist großartig. Es macht die Qualität des Films aus, dass sich der Zuschauer beim Sehen wenig Gedanken um die erwähnten Mängel macht, sondern gebannt der Handlung folgt. Dies macht „RoboCop“ zu etwas Besonderem. Man muss sich nur einmal den späteren, von Roland Emmerich mit einer ähnlichen Thematik inszenierten „Universal Soldier“ angucken, um zu verstehen, wie sehr man eine solche Geschichte auch gegen die Wand fahren kann.

Paul Verhoevens „RoboCop“ hat seinen Platz in der Hall of Fame des Science-Fiction-Films sicher. Ein blöder Titel, aber ein verdammt guter Film!
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