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Blow
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Blow
Von Carsten Baumgardt
Die wahre Geschichte vom Aufstieg und Fall des Kokainhändlers George Jung schildert Ted Demmes Drogen-Drama „Blow“.

Ein Schlüsselerlebnis prägt Georges Jugend. Sein Vater Fred (Ray Liotta) schuftet ein Leben lang im eigenen, kleinen Handwerksgeschäft, um Frau (Rachel Griffiths) und Kind (Jesse James) über Wasser zu halten. Doch irgendwann reicht der größte Einsatz nicht mehr – Betrieb und Familie sind pleite. Da wusste George, dass sein Leben niemals so verlaufen sollte. Als Erwachsener setzt er sich mit seinem Kumpel Tuna (Ethan Suplee) nach Kalifornien ab und beginnt eine Karriere als Marihuana-Schmuggler. Freundin Barbara (Franka Potente) und der Händler Derek (Paul Rubens) helfen, den Markt Ende der 60er Jahre zu erschließen. Als George zum ersten Mal verhaftet wird und Barbara an den Folgen einer Krebserkrankung stirbt, ist sein sorgloses Leben zunächst beendet. Durch seinen Knastkumpanen Diego (Jordi Molla) kann George Verbindungen zum legendären kolumbianischen Drogenbaron Pablo Escobar (Cliff Curtis) knüpfen und kommt groß ins Geschäft. Innerhalb kürzester Zeit verdient er 60 Millionen Dollar, heiratet die Kolumbianerin Mirtha (Penélope Cruz), die schon bald Nachwuchs erwartet. Doch das Glück sollte nicht allzu lange halten...

Im Gegensatz zu „Traffic“, Steven Soderberghs mosaikhafte, detailbesessene Auseinandersetzung mit dem Thema Drogen, konzentriert sich Ted Demmes Drama, das im Erzählstil stark an Paul Thomas Andersons explosives Meisterwerk „Boogie Nights“ erinnert, ganz auf die Person des George Jung und hakt seine Lebensstationen über mehrere Dekaden nach und nach ab. Atmosphärisch absolut glaubhaft, unterstützt durch eine feine Optik und einen Rock n’ Roll-lastigen Soundtrack, bietet „Blow“ (Insiderbegriff für Kokain) einen spannenden Blick in die schillernden Abgründe der Unterwelt. Johnny Depp, der nebenbei die scheußlichsten Frisuren der jüngeren Filmgeschichte (er)tragen muss, agiert zurückhaltend -mit minimalistischer Mimik. Das Problem dabei: Georges Motivation, sein Antrieb wird -außer der Liebe zu seiner Tochter - nie ganz deutlich. „Blow“ fehlt es an emotionaler Tiefe. Deshalb fällt es dem Zuschauer auch schwer, Mitleid für die Hauptfigur zu empfinden, ihr Schicksal lässt den Betrachter mehr oder weniger kalt. Franka Potente gibt bei ihrem US-Debüt eine abgeklärte, solide Vorstellung ohne aber die Chance zu haben, großartig zu glänzen. Das darf aber - wieder einmal - Ray Liotta, der in diesem Jahr ein hervorragendes Comeback feiert. Erst durfte er in „Hannibal“ gut aussehen, dann stahl er mit seinem furiosen Auftritt in „Heartbreakers“ allen die Show. Und das alles, nachdem er jahrelang in den Niederungen des B- und C-Films verschwunden war. In „Blow“ überzeugt Liotta als Georges willensstarker Vater, der seinen Sohn trotz allem nie aufgibt.

Ted Demme („Lebenslänglich“) gelingt ein guter Film, muss sich aber vorwerfen lassen, nicht das volle Potenzial von Geschichte und Darstellern ausnutzt zu haben. So hat Pedro-Almodóvar-Star Penélope Cruz („Alles über meine Mutter“) die undankbarste Aufgabe und darf den ganzen Film nur als zickige Furie (Georges Frau) bestreiten.
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