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    In einem Sattel mit dem Tod
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    In einem Sattel mit dem Tod
    Von Björn Becher
    Frauen sind im Western-Genre oft nur Randfiguren, die als Love Interest für den Helden oder als Grund für seinen Rachefeldzug herhalten müssen. Sicher gibt es hin und wieder auch starke Frauenfiguren in Nebenrollen, wer erinnert sich nicht an Claudia Cardinale in Spiel mir das Lied vom Tod oder an Michele Mercier in „Friedhof ohne Kreuze“. Doch in keinem anderen Genre bleiben die Hauptparts so konsequent den Männern vorbehalten. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es aber dennoch: „Johnny Guitar“ mit einer herausragenden Joan Crawford ist sicherlich der bekannteste Vertreter. In der (für Westernverhältnisse) jüngeren Vergangenheit versuchten sich hingegen Angelina Jolie (wenig erfolgreich in dem TV-Western „True Women“, 1997) und Sharon Stone (ein bisschen erfolgreicher in Schneller als der Tod, 1995) als Cowgirls. Einer der wenigen sehenswerten Frauenwestern erscheint jetzt beim Dortmunder DVD-Label e-m-s, welches schon vor über einem Jahr den ebenfalls reizvollen „Petroleummiezen“ (mit Brigitte Bardot und Claudia Cardinale) veröffentlichte, erstmals ungekürzt in Deutschland: „In einem Sattel mit dem Tod“ bietet nicht nur eine großartige sexy Raquel Welch, sondern auch Spannung und harte Shootouts - also alles, was man sich von einem anständigen Western erhofft.

    Nach einem Überfall gelingt den Banditen-Brüdern Emmett (Ernest Borgnine), Frank (Jack Elam) und Rufus Clemens (Strother Martin) die Flucht. Sie machen Rast auf der Farm der schönen Hannie Caulder (Raquel Welch). Sie erschießen ihren Ehemann, vergewaltigen die Frau mehrfach und brennen die Farm nieder. Nackt im Staub zurückgelassen wird Hannie von dem Kopfgeldjäger Thomas Luther Price (Robert Culp) aufgelesen, der sich zunächst nur widerwillig der schutzlosen Dame annimmt. Er bringt ihr das Schießen bei und nimmt sie schließlich mit zu Waffenschmied Bailey (Christopher Lee), der ihr eine Pistole anfertigt. Denn Hannie hat nur ein Ziel: Rache!

    Raquel Welch, eines der größten Sexsymbole der 60er und 70er Jahre, die vor allem durch ihren durchgängig freizügigen Auftritt in „Eine Million Jahre vor unserer Zeit“ (1966) sowie Richard Fleischers Oscar-prämiertes Science-Fiction-Spektakel „Die phantastische Reise“ (1966) Berühmtheit erlangte, steht im Mittelpunkt des Geschehens. Der Film ist ganz klar auf seinen Star, der zu diesem Zeitpunkt auf seinem Karrierehöhepunkt angekommenen war (zwei Jahre später gewann Welch einen Golden Globe für „Die drei Musketiere“), zugeschnitten und präsentiert diesen in voller Pracht. Auch wenn das legendäre Postermotiv, auf dem Welch nur mit einem gerade Mal das Nötigste verdeckenden Poncho (Clint Eastwood lässt grüßen) und einem Pistolengurt bekleidet ist, im Film keine Entsprechung findet (dort trägt Welch nur zu Beginn einen Poncho, als sie später den Pistolengurt hat, trägt sie Hosen), kommen die optischen Reize der hübschen Darstellerin voll zur Geltung.

    „In einem Sattel mit dem Tod“ jetzt aber komplett auf die erotische Ausstrahlung der Hauptdarstellerin zu reduzieren, wäre verkehrt. Denn der Western bietet auch darüberhinaus genau das, was sich der gemeine Genre-Fan erhofft. Die atmosphärische und spannende Handlung wird im richtigen Erzähltempo und mit den nötigen Seitenschlenkern vorangetrieben. Dabei konzentriert sich die Story nicht nur auf die langsame Entwicklung von Hannie Caulder vom Vergewaltigungsopfer zur gnadenlosen Rächerin, auch die drei Banditen bleiben ständig präsent. Die werden nämlich von der Armee verfolgt, was Regisseur Burt Kennedy nicht nur die Möglichkeit gibt, ein paar zusätzliche Schießereien einzubauen, sondern auch die Spannung verschärft. Der Zuschauer wird dazu gebracht, den Banditen die Daumen zu drücken. Das Publikum will, dass die Brüder aus den Scharmützeln mit der Armee siegreich hervorgehen, nur damit die Heldin später ihre Rache nehmen kann.

    Regisseur Kennedy, dessen größter Erfolg die amüsante Westernkomödie „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ mit James Garner ist, orientiert sich stark am dreckigen Stil des Italo-Westerns. Vor allem die Actionszenen fallen betont blutig aus. Und auch die staubige und karge Landschaft erinnert an die italienischen Vorbilder. Ein paar visuelle Spielereien entwickeln zusätzlichen Reiz. So lässt Kennedy das erste Aufeinandertreffen zwischen Kopfgeldjäger Price und den drei Brüdern komplett in Super-Slow-Motion ablaufen.

    Der spannende britische (!) Western präsentiert neben Raquel Welch noch weitere Stars: Westernlegende Ernest Borgnine (The Wild Bunch, Poseidon Inferno) gibt den Anführer der Bösewichte, der sich mit seinen nicht gerade mit Intelligenz gesegneten Brüdern immer wieder auch kleine komische Scharmützel liefert. Mit Jack Elam (12 Uhr Mittags, Spiel mir das Lied vom Tod) und Strother Martin (Die vier Söhne der Katie Elder, Der Marshal) konnten für die Rollen der weiteren Brüder zwei der bekanntesten Westernnebendarsteller Hollywoods gewonnen werden. Der Kopfgeldjäger ist mit Robert Culp (Die Akte) treffend besetzt und die Figur leicht an Eastwoods namenlosen Rächer aus Sergio Leones Dollar-Trilogie angelehnt. Mit einem Hauch Selbstironie und viel Präsenz mimt schließlich Horror-Legende Christopher Lee (Herr der Ringe-Trilogie, Das Blut von Dracula) einen pazifistischen Waffenschmied.

    Fazit: „In einem Sattel mit dem Tod“ kreuzt das Rape-Revenge-Movie mit dem Italo-Western und schafft dabei einen spannenden und actionreichen Mix mit erstklassigen Darstellern. Regisseur Burt Kennedy gelingt es, Exploitation- und Dramaelemente stimmig zu kombinieren. Mit der grandiosen Raquel Welch steht zudem eine toughe Frontfrau zur Verfügung, deren Hannie Caulder fast nie um einen frechen Spruch verlegen ist.
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