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    The Rock - Fels der Entscheidung
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    The Rock - Fels der Entscheidung
    Von Martin Soyka
    „The Rock“ ist der erste einer Reihe von Filmen, die man als Nicolas Cages Action-Trilogie verstehen kann und die mit „Con Air“ und Nur noch 60 Sekunden ihren Fortgang nahm und alle aus der berühmt-berüchtigten Schmiede von Jerry Bruckheimer stammten. Doch so ganz stimmt das nicht, denn der Film gehört nicht wirklich Cage. Nein, ein anderer stiehlt ihm die Show…

    „Der Tag fängt ja ganz schön beschissen an!“, findet Stanley Goodspeed (Nicolas Cage), als sich der defensive FBI-Chemiker hinter dem Steuer eines requirierten Ferraris wiederfindet und einen entflohenen Häftling einzufangen sucht. Aber eine Wahl hat er nicht. San Francisco droht Opfer eines Giftgasanschlags zu werden und zu allem Überfluss ist seine schwangere Verlobte nicht davon abzubringen, gerade jetzt in die Stadt zu kommen. Ein offenbar durchgeknallter General (Ed Harris) hat die Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht der Stadt ebenso in seinen Besitz gebracht wie eine Reihe von Raketen mit tödlichem VX-Nervengas. Die einzige Chance des FBI: eine Infiltration der Insel, die als ausbruchssicher gilt. Bedeutet das zwangsläufig auch, dass sie einbruchssicher ist? FBI-Direktor Womack (James Spencer) glaubt nicht daran. Zu seinem Leidwesen gibt es nur einen einzigen Mann, dem vor vielen Jahren die Flucht aus dem damals noch in Betrieb befindlichen Gefängnis gelungen und der noch am Leben ist. Und auf dessen Hilfe ist er angewiesen. Doch John Patrick Mason (Sean Connery) ist alles andere als gut auf Womack zu sprechen. Der hatte ihn nämlich ohne gerichtliches Verfahren als britischen Spion (!) festgenommen und jahrzehntelang eingesperrt. „Ich war länger in Haft als Nelson Mandela. Wollt ihr mich jetzt zum Präsidenten machen?“ Masons Sarkasmus ist nachvollziehbar. Er erklärt sich schließlich zur Hilfe bereit, aber nur zu seinen Bedingungen. Und da man ihn weitgehend in Unkenntnis über die Bedrohungslage lässt, ist es nur allzu verständlich, dass Mason die erste Gelegenheit zur Flucht nutzt. Doch das ist nur der Anfang, denn der Auftrag, der Goodspeed, Mason und ein komplettes Geiselbefreiungsteam unter Wasser auf die Insel führt, entpuppt sich als regelrechtes Himmelfahrtskommando…

    Wer gedacht hätte, dass Sean Connery nach „Sag niemals nie“ nie wieder einen britischen Agenten spielen würde, muss sich getäuscht sehen. Nur sieht seine Rolle hier ganz anders aus als gewohnt. Gefangen genommen, rechtswidrig weggesperrt, aber gleichwohl ungebrochen sehen wir einen zerzausten Connery (mit fieser Grunge-Perücke) vor uns, dessen Erscheinung an einen alten, gefangenen Löwen erinnert. Doch kaum hat er sich nach seiner außerplanmäßigen Entlassung restauriert, ordentlich abgeschrubbt und einen Anzug angezogen, gehört der Film ihm. Gegen seine Präsenz hat keiner der anderen Darsteller eine Chance. Nicolas Cage, John Spencer, David Morse und Ed Harris kriegen gegen den großen, alten harten Mann keinen Stich. Da macht es auch nichts, dass seine Rolle nicht völlig auf Connery zu passen scheint, vor allem seine Blumenkinder-Anflüge sind alles andere als plausibel.

    Dem steht ein zaudernder, aber letztlich entschlossener und moralisch integerer Nicolas Cage gegenüber, dem die undankbare Aufgabe zufällt, Mason unter Kontrolle zu halten. Sein Problem ist, dass Mason ihm in so ziemlich allem, was jetzt hilfreich sein könnte, überlegen ist. Erst als Goodspeed Mason über die wahre Lage aufklärt (auch Mason hat einen geliebten Menschen in der Stadt), überlegt er es sich anders. Und dann schreiten beide zur Tat, unbeirrt und gegen alle Widrigkeiten ankämpfend, wobei sich eine Schwäche des Drehbuchs herausstellt, denn es wird nicht wirklich plausibel, wofür Goodspeeds Fachwissen hier eigentlich benötigt wird.

    Auch der von Ed Harris gespielte General Hummel wird als Figur nicht wirklich plausibel. Einerseits ist er finster entschlossen, seinen Dienstherrn um einen Millionenbetrag zu erpressen – wenn auch aus rein sozialen Gründen, versteht sich -, andererseits schreckt er wie selbstverständlich von dem Einsatz der Raketen zurück, weil er dadurch Unschuldige töten könnte. Dass seine Mannschaft vor kurzem das gesamte Geiselbefreiungsteam weggemäht hat, passt da nicht wirklich hinein.

    Das alles macht aber nichts, denn der Film will kein hochintelligenter und perfekt konstruierter Thriller sein, sondern nur krachend-knalliges Popcorn-Kino. Und das gelingt ihm. Hervorzuheben sind die erlesene Fotografie und die exquisite Bombast-Musik von Hans Zimmer. Das Tempo ist hoch, die Dialoge witzig, die Action krawallig und die Kämpfe brutal-packend. Es knallt, rumst und pfeift die ganze Zeit und zwischendurch bleibt immer noch Zeit für einen Joke. Insbesondere das Zusammenspiel der grundverschiedenen Charaktere Mason und Goodspeed kann amüsieren. Mason wirkt dabei wie der verschollen geglaubte fiese Bruder von James Bond, befreit von Moral und obrigkeitlicher Hörigkeit. Cage spielt mit Goodspeed sein gutes Gewissen, das ihm in der jahrzehntelangen Haft offenbar abhanden gekommen ist. Die beiden sind aufeinander angewiesen, wenn sie das an Stirb langsam erinnernde Katz-und-Maus-Spiel überleben wollen. Sozusagen „Die Hard“ auf Buddy Movie getrimmt.

    „The Rock“ ist nach „Bad Boys“ Michael Bays zweite große Regiearbeit. Und rückblickend ist es nicht übertrieben, den Film als einen seiner bisher besten zu bezeichnen. Das mag auch daran gelegen haben, dass sich der alte Knochen Connery von dem jungen Regisseur nicht hat die Butter von Brot nehmen lassen, so jedenfalls entsprechende Gerüchte. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ebenso wie die weitere Karriere von Michael Bay, der mittlerweile zu den Erfolgreichsten gezählt werden muss, auch wenn ihn viele als Anti-Christ des Kinos „verehren“. „The Rock“ war abgesehen von Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen der letzte große Action-Film von Connery und durchaus nicht sein Schlechtester.
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