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Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Leben oder so ähnlich
Von Jürgen Armbruster
2003 könnte das Jahr der romantischen Komödien werden. Nach „My Big Fat Greek Wedding" und „Ein Chef zum Verlieben" steht schon der nächste Titel in den Startlöchern: „Leben oder so ähnlich“ („Life Or Something Like It“). Handelt es sich dabei nur um einen Trittbrettfahrer, der auch ein Stück vom großen Kuchen abhaben möchte? Glücklicherweise nicht. Stephen Herek liefert hier einen äußerst herzerwärmenden Film ab, dem es gelingt, aus der grauen Masse hervor zu stechen.

„Leben oder so ähnlich“ beginnt für einen Titel diese Genres äußerst unkonventionell mit dem Tod der Protagonistin Lanie Karrigan (Angelina Jolie) auf offener Straße und der aus dem Off gestellten Frage, was man an seinem Leben ändern würde, wenn man wüsste, dass man nur noch eine Woche zu Leben habe. Doch bleiben wir der Einfachkeit halber in der chronologisch korrekten Folge der Dinge. Lanie hatte als Kind kein leichtes Leben, sie war mollig, unbeliebt und mit sich selbst nicht zufrieden. Heute ist sie eine attraktive Frau Mitte zwanzig, Starreporterin bei einem lokalen Nachrichtensender in Seattle, Verlobte des Baseballstars Cal Cooper (Christian Kane) und kurz vor dem Sprung zu einem bundesweit ausstrahlendem Fernsehkanal. Eben die klassische Geschichte von der Raupe, die zum Schmetterling wurde. Doch was eigentlich schon für einen abendfüllenden Film reichen würde, ist hier nur Prolog. Die eigentliche Handlung des Films beginnt erst, als sie gemeinsam mit ihrem Kameramann Pete (Edward Burns) auf der Suche nach einer Story für die nächsten Abendnachrichten ist, welche in einem Obdachlosen, der sich selbst „Prophet Jack“ (Tony Shalhoub) nennt und angeblich in die Zukunft blicken kann, gefunden wird. Während des Interviews macht er vier Vorhersagen: Das an diesem Abend stattfindende Footballspiel werde 19:13 enden (ein äußerst ungewöhnliches Ergebnis), am nächsten Morgen werde es wider aller Wettervorhersagen hageln, Lanie bekomme den neuen Job nicht und sie werde in genau einer Woche sterben. Zunächst nimmt Lanie diese Prophezeiungen nicht ernst, doch als sich die ersten beiden erfüllen, beginnt ihre Suche nach dem Sinn des Lebens, die sie, wie könnte es auch anders sein, trotz diverser Hindernisse in die Arme von Pete führt.

Verantwortlich für das Drehbuch zeichnete Dana Stevens, die Autorin der amerikanischen Version von "Stadt der Engel". Die im Film gestellten Fragen, ob der Mensch selbst Kontrolle über sein eigenes Schicksal hat oder ob sich die wahre Liebe mit dem beruflichen Erfolg vereinbaren lässt, sind zwar nicht neu, aber originell und amüsant in Szene ersetzt. Die beiden Hauptcharaktere könnten gar nicht gegensätzlicher angelegt sein. Auf der einen Seite die ehrgeizige Lanie, auf der anderen Pete, dem der Spaß am Leben über alles geht. Diese Konstellation ist der Ausgangspunkt für teils brüllend komische und messerscharfe Wortgefechte in bester Screwball-Manier. Wer schon immer wissen wollte, was Pfefferminzbonbons und die Liebe gemeinsam haben, ist hier genau richtig. Der Film lebt von jenen Dialogen und bietet erfreulicherweise reichlich davon.

Doch was wäre ein gutes Drehbuch ohne Hauptdarsteller, die in der Lage sind, dieses auf die Leinwand zu transportieren? Und genau hier gelang mit Angelina Jolie ein absoluter Glücksgriff. Die Leinwandpräsenz der Oscargewinnerin aus dem Jahr 2000 (beste weibliche Nebenrolle in „Durchgeknallt“) ist enorm. Beispiel gefällig? In einer Szene verwandelt sie eine Live-Reportage über den momentan stattfinden Busfahrerstreik in eine Rockveranstaltung, in der die Menge lauthals den Stones-Klassiker „Satisfaction“ grölt. Selbstverständlich war da der ein oder andere Schluck Alkohol mit im Spiel. Hört sich kitschig an, ist es im Prinzip auch, doch bei Angelina Jolie („Lara Croft: Tomb Raider") stellt man keine Fragen. Man lehnt sich zurück und genießt! Dank ihr ist diese Sequenz ein absoluter Schenkelklopfer. Ihr gelingt der Spagat zwischen Stärke und Verletzlichkeit perfekt. Bei einer so dominanten Hauptdarstellerin besteht natürlich die Gefahr, dass alle anderen in ihrem Schatten verblassen, doch Edward Burns gelingt es ihr die Stirn zu. Vom Spiel dieser beiden Akteure lebt der Film. Die Chemie stimmt einfach. Die Rolle des Propheten Jack wurde ebenfalls exzellent gecastet und an Tony Shalhoub vergeben, der jedem als außerirrdischer Waffendealer Jeebs aus „Men in Black“ (beide Teile) bekannt sein dürfte und auch schon in „Galaxy Quest“ sein komödiantisches Talent zur Schau tragen durfte.

Ohne Schwächen bleibt „Leben oder so ähnlich“ allerdings nicht. Das wohl von den Genre-Konventionen verlangte Happy-End wirkt überflüssig und deplaziert. Leider fehlt Herek hier der Mut, den zu Beginn des Films eingeschlagenen Weg konsequent bis zum Ende durchzuziehen. Von der originellen Anfangssequenz bleibt dank der letzten zwei Minuten nichts mehr übrig. Hier wäre weniger mehr gewesen. Der zweite Kritikpunkt ist, dass Lanies traumatische Kindheit allenfalls angekratzt wird. Im gestörten Verhältnis zur ihrer Familie, insbesondere ihrer Schwester, steckt einiges an Potenzial, das schlicht und einfach links liegen gelassen und somit verschenkt wird.

Doch über diese Schwächen sieht man großzügig hinweg. „Leben oder so ähnlich“ ist einer der besseren Beiträge zum momentanen Romantik-Boom und im direkten Vergleich zu „Ein Chef zum Verlieben" knapper Punktsieger. Am Ende stellt sich nur eine Frage: „Wer zum Teufel sind Grant und Bullock?“
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