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    James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    James Bond 007 - Stirb an einem anderen Tag
    Von Carsten Baumgardt

    2002. Das Jahr der Jubiläen für James Bond. Immerhin ist Ian Flemmings Geheimagent im Dienst ihrer Majestät 40 Jahre nach seiner Jagd auf "Dr. No“ zum 20. Mal unterwegs, um die Welt zu retten. Der Neuseeländer Lee Tamahori wurde mit der Aufgabe betraut, den ewig smarten 007 auf den neuesten Stand der Zeit zu bringen. Deshalb dürfen die Fans auch mit sanften Neuerungen rechnen, aber im Grunde bleibt James Bond der alte. Sicherlich wäre etwas weniger, mehr gewesen, denn „Stirb an einem anderen Tag“ bietet zwar knalliges Popcorn-Kino auf gutem Niveau, leidet aber zuweilen am selbst auferlegten Gigantismus.

    In Nordkorea wird 007 (Pierce Brosnan) übel reingelegt. Bei der geplanten Zerschlagung eines Diamantendeals wird Bond verrraten, von den Nordkoreaner gefangen genommen und anschließend gefoltert. Erst 14 Monate später kommt der Secret-Service-Agent im Austausch gegen den koreanischen Killer Zao (Rick Yune) kurz vor seiner Exekution frei. Doch das MI 6 hat keine Verwendung mehr für den ausgebrannten Doppelnull-Agenten, M (Judi Dench) setzt nicht mehr auf ihn. Das lässt sich Bond natürlich nicht bieten und versucht auf eigene Faust, den Verräter ausfindig zu machen. Erste Hinweise führen ihn mit dem exzentrischen Diamanten-Milliardär Gustav Graves (Toby Stephens) zusammen. Bei Nachforschungen in Kuba hat Bond bereits Bekanntschaft mit der undurchsichtigen NSA-Agentin Jinxs (Halle Berry) gemacht. Sie reist ebenfalls zur Präsentation von Graves neuer Satellitensonne, die der Hungersnot in der Dritten Welt ein Ende setzen soll. Nachdem Bonds Ermitlungen erste Ergebnisse zeigen, nimmt ihn das MI 6 wieder in Ehren auf. Allerdings schicken sie die als Graves Assistentin getarnte Agentin Miranda Frost (Rosamund Pike) als Unterstützung ins eisige Island.

    Den Fans die gewohnten - und geliebten – Zutaten geben und dabei ganz leise ein paar Innovationen einführen: Das war scheinbar die Aufgabe von Lee Tamahori („Die letzte Kriegerin“, "Im Netz der Spinne). Das beginnt schon mit dem legendären Vorspann, der erstmals auch Handlung – die Folterung in nordkoreanischen Knast – enthält. Dazu wird der typische Bond-Song-Stil durch hektisch-elektronisches Dancefloorgestampfe von Madonna, die auch eine kleine Nebenrolle spielt, ersetzt. Das ist gewöhnungsbedürftig und der Song zählt sicherlich zu den schlechteren der Reihe, aber im Kontext zu den Bildern passt es recht gut. Durch die Pein der Folter darf Bond auch einmal Verletzbarkeit zeigen und gar einige Szenen lang im Montecristo-Look und nassen Pyjama durch die exotischen Sets laufen. Ansonsten bleibt erst einmal alles beim Alten. Die Autos sind schnell, die Frauen umwerfend schön, die Bösewichte finsterer und machtbesessener denn je – und Bond ist eben Bond. Nie um einen Spruch verlegen. „Stirb an einem anderen Tag“ ist sogar weit ironischer als die ersten drei Brosnan-Filme ("GoldenEye, "Der Morgen stirbt nie", "Die Welt ist nicht genug"). Doch genau da schleichen sich erste Ungereimtheiten ein, denn die oft übertriebene Ironie mit zahllosen Selbstzitaten steht in krassem Gegensatz zu dem Rachefeldzug, den Bond eigentlich führt. Mal abgesehen davon, dass der unterschätze Timothy Dalton im wahrscheinlich ernstesten und härtesten Bond-Film, „Lizenz zum Töten“, diese Motivation besser transportierte.

    Im Jahr 2002 zählt nur noch Entertainment bis an die Schmerzgrenze. Die Stunts sind so rasant und spektakulär wie nie, doch auch hier wollen die Macher manchmal zu viel. Vieles ist einfach zu sehr over the top. Natürlich spielt Logik in einem Bond-Film keine Rolle, aber auf die Szene des auf einem Autodach surfenden 007 hätte man besser verzichtet. Das ist nicht nur tricktechnisch unzureichend gelöst, sondern wirkt in hohem Maße lächerlich. Ähnliches gilt für die Flugzeug-Sequenz, die sich über alle physikalischen Gesetze hinwegsetzt oder den hanebüchenen Super-Mega-Laser-Satelliten, der das militärische Kräfteverhältnis der Welt aus den Angeln heben soll. Technisch perfekt gestaltet sich allerdings der Rest der Action - ob Verfolgungsjagden per Luftkissenboot, Auto oder Hubschrauber. Selbst das zuletzt oft maßlos penetrante Product Placement ist etwas erträglicher.

    Brosnan hat längst seinen eigenen Stil gefunden, deshalb gibt er auch einen akzeptablen Bond ab. Nicht so gut wie Sean Connery, aber mit Roger Moore, Timothy Dalton (und George Lazenby) kann sich der Ire schon messen. Mit Oscarpreisträgerin Halle Berry („Monster’s Ball") hat Brosnan sogar eine fast gleichberechtigte Mitspielerin. Allerdings sieht Berry zwar umheimlich sexy aus, aber so recht will man ihr die Rolle der knallharten NSA-Agentin nicht abnehmen. Außerdem wird ihr ein ums andere Mal von Neuentdeckung Rosamund Pike als eisige Mrs. Frost die Schau gestohlen. Auf Seiten der Bösewichte geben Toby Stephens ("Besessen", "Space Cowboys") und der fies entstellte Rick Yune ("The Fast And The Furious") ordentliche Figuren ab, ohne an Klassiker der Reihe zu heranzureichen.

    Die Story, die natürlich nur ein Aufhänger für die rastlose Action ist, bietet wenig Spektakuläres. Außer einer kleinen Überraschung läuft alles nach altbekanntem Muster ab. Aber was soll’s. Das war schließlich noch nie anders und im Grunde erwartet das auch keiner.

    Was bleibt, ist nahezu perfekt gestyltes Action-Entertainment, das ganz dem Geist der heutigen Filmindustrie entspricht. Lee Tamahori hat versucht, den kleinsten gemeinsamen Nenner des Publikumsgeschmacks zu finden und eine Actionszene an die nächste gereiht. Das Problem dabei ist nur, dass „Stirb an einem anderen Tag“ dadurch etwas seelenlos wirkt, nur Schauwerte bietet, keine wirkliche Substanz aufweist. Aber das alles halt auf hohem Niveau. So werden die meisten zufrieden den Kinosaal verlassen und sich schon auf „Bond 21“ freuen. Zwar hat Bond seinen Möchtegern-Nachfolger "xXx - Triple X" nicht geschlagen, aber wenigstens muss sich der Brite hinter dem Rotzlöffel-Agent aus den USA nicht verstecken.

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