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    Bulletproof Monk - Der kugelsichere Mönch
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Bulletproof Monk - Der kugelsichere Mönch
    Von Jürgen Armbruster

    Bei „Bulletproof Monk“ dürfte schon der Blick auf die Besetzungsliste für die ersten fragenden Blicke sorgen. „American Pie"-Sidekick Seann William Scott und Hong Kong-Ikone Chow Yun-Fat gemeinsam vor der Kamera? Was ist von einem derartigen Film zu erwarten? Furiose Kampfeinlagen gepaart mit flotten Sprüchen in bester >„Rush Hour"-Manier? Weit gefehlt, denn von Paul Hunters Regieerstling sollte man besser überhaupt nichts erwarten.

    Das Elend beginnt schon bei der Story, die auf einer dreiteiligen Comic-Serie aus den späten 90er Jahren aufbaut und dermaßen mit ausgelutschten Klischees voll gestopft ist, dass einem beinahe schwarz vor Augen wird. Es existiert eine Schriftrolle – wohlgemerkt eine magische Schriftrolle – die der Sage nach der Schlüssel zu einer grenzenlosen Macht darstellt und in den falschen Händen das Ende der Welt wie wir sie kennen, bedeuten würde. Chow Yun-Fat mimt den namenlosen, tibetischen Mönch, dem die Obhut über jene Rolle anvertraut wurde. Logischerweise muss irgendein Erzbösewicht hinter der Rolle her sein. Genau an jener Stelle scheinen die Sicherungen der Herren Ethan Reiff und Cyrus Voris, ihres zeichens Drehbuchautoren, total durchgebrannt zu sein. Ihr Schurke ist kein größenwahnsinniger Multimillionär, keine internationale Terrororganisation – nein, dies hätte ihnen eine minimale Charakterentwicklung abgefordert. Sie hätten erklären müssen, warum jener Unheilbringer ach so böse ist. Als Kind zu heiß gebadet worden? Von den Eltern geschlagen? Zu lange keinen Sex mehr gehabt? Solchen Fragen wollte sie sich nicht stellen und verlegten kurzerhand den Beginn der Handlung ins Jahr 1943, da genügt es schließlich einen blonden Hünen in eine SS-Uniform zu stecken, um die sich konkurrierenden Rivalen mit unserem Mönch und dem arischen Struker (Karel Roden) gefunden zu haben.

    An diesem Punkt standen die Verantwortlichen vor dem nächsten Problem. Eigentlich sollte ihr „Bulletproof Monk“ im New York der Gegenwart angesiedelt sein. Doch auch auf dieses Malheuer war schnell eine Antwort gefunden. Ihr Ansatz ist es, dass der Wächter der Rolle nicht altert, was dazu führt, dass der gute Mönch nach sechzig Jahren noch vital wie eh und je und der ihn jagende Struker mittlerweile ein alter, an den Rollstuhle gefesselter Mann ist. Doch nun befindet sich unser Mönch in einem kleinen Dilemma. Alle sechzig Jahre ist das so genannte „Jahr des Schafes“. Nur in jenem Jahr kann die Rolle von einem Wächter auf den anderen übergehen. Sollte der Mönch keinen würdigen Nachfolger finden, der obendrein drei mystische Prophezeiungen zu erfüllen hat, so muss er diese Bürde für weitere sechzig Jahre auf sich nehmen. Die Suche nach einem solchen Auserwählten in unserem heutigen New York gestaltet sich verständlicherweise alles andere als einfach, noch dazu, wenn man wie der Mönch ständig auf der Flucht vor Strukers Schergen ist. Doch schlussendlich glaubt er, in dem Taschendieb Kar (Seann William Scott) den Richtigen gefunden zu haben. Dieser hat allerdings nur Augen für die hübsche Jade (Jaime King), die ihrerseits nicht das ist, was sie zu sein scheint.

    Offenbar ist es heutzutage zuviel verlangt, sich von einer einfach gestickten 08/15-Action-Komödie eine halbwegs originelle Geschichte zu erhoffen. Von dem her hält sich die Enttäuschung über die haarsträubende Storyline noch in Grenzen. Was jedoch endgültig den Vogel abschießt, ist die Leistung der Darsteller. Der ansonsten äußerst charismatische Chow Yun-Fat leistet hier einen schauspielerischen Offenbarungseid. Er beweißt, dass das komödiantische Fach alles andere als sein Metier ist. Die Glückskeks-Weisheiten, die er permanent von sich zu geben hat, sollen wohl lustig wirken, gehen nach kurzer Zeit jedoch schon mächtig auf die Nerven des geneigten Zuschauers. Ähnliches gilt für Action-Neuling Seann William Scott. Was er abliefert, ist weder Fisch noch Fleisch. Für einen Komiker zappelt er zuviel herum und für einen ernstzunehmenden Martial-Arts-Darsteller ist sein ständiges Gegrinse viel zu penetrant. Beiden gelingt es nicht im Geringsten, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen und den Film zu tragen. Unter diesen Umständen ist es der aus „Pearl Harbor" bekannten Jaime King ein leichtes, den beiden in jeder gemeinsamen Szenen gnadenlos die Schau zu stehlen, was insbesondere für den eigentlich als Charaktermimen etablierten Yun-Fat ein schallender Schlag ins Gesicht darstellen dürfte.

    Schwache Geschichte, schwache Darsteller – der letzte Strohhalm, an dem sich „Bulletproof Monk“ hätte aufrichten können, wären die Kampf-Einlagen gewesen. Doch auch hier zeigt der Daumen eindeutig nach unten. Bereits die Anfangssequenz, in der sich zwei tibetische Mönche auf einer Hängebrücke über einer tiefen Schlucht beharken, ist ein perfekts Beispiel für deren Qualität. Es ist leider nur all zu deutlich, dass die Charaktere nachträgliche in die vorab aufgenommenen Panorama-Aufnahmen eingefügt wurden. Dies wäre nicht so tragisch, wenn die dargebotene Choreographie noch halbwegs zu überzeugen wüsste, doch dies ist nicht ansatzweise der Fall. Die Darsteller sind extrem Ungelenk und deren Kampf auf den ersten Blick als Wire Works der schlechteren Sorte zu entlarven. Eine kleine Überraschung ist hingegen, dass Seann William Scott durch geschickte Schnittfolgen seinem Gegenüber Chow Yun-Fat in nichts nachsteht. Ob dies nun eine Auszeichnung für Scott oder ein Armutszeugnis für Yun-Fat ist sei dahingestellt.

    „Bulletproof Monk“ ist ein Film, der über knapp 100 Minuten ohne echte Highlights dahinplätschert. Nicht einmal die Drehorte sind echt. Was dem Zuschauer hier als New York vorgegaukelt wird, ist in Wirklichkeit aus Kostengründen in Kanada gedreht worden. In den USA ging der von Action-Veteran John Woo produzierte Streifen an den Kinokassen gnadenlos baden und spielte lediglich knapp über 20 Millionen Dollar ein. Eine gerechte und folgerichtige Abstrafung für einen der schlechtesten Filme des bisherigen Kinojahres.

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