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Red Heat
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Red Heat
Von Martin Soyka
Ende der 1980er Jahre schickte sich Arnold Schwarzenegger an, der populärste Filmstar der Welt zu werden. Conan - Der Barbar hatte ihn bekannt gemacht, der legendäre Terminator ihm Superstar-Format verschafft. Auch die Nachfolgewerke Running Man und Predator schlugen sich an der Kinokasse gut. Durch Walter Hills „Red Heat“ vergrößerte Schwarzenegger seinen Wirkungskreis erneut und nahm sanft Kurs in Richtung Komödie. Was aber nicht heißen soll, dass der Action-Thriller beschaulich ist. Mitnichten, auch hier geht es gehörig zur Sache…

Die Sowjetunion in ihren letzten Zügen: Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) ist der härteste Hund bei der Moskauer Miliz. Der linientreue und kampferprobte Polizist hat das Auge des Gesetzes auf den georgischen Drogendealer Viktor Rosta (Ed O’Ross) geworfen, der Kokain ins sozialistische Vaterland verschiebt. Die Festnahme scheint eine Formsache zu sein, doch Rosta kann entkommen und tötet auf der Flucht den Kollegen und besten Freund Dankos. Einige Monate später bekommt Danko eine zweite Chance. Rosta wurde in Chicago wegen eines Rotlichtverstoßes festgenommen und sitzt dort ein. Danko soll den Mörder nach Hause bringen, aber möglichst ohne den Klassenfeind von dem aufkommenden Drogenproblem in der Heimat wissen zu lassen. Als Aufpasser für den russischen Fremdkörper werden die Polizisten Art Ridzik (James Belushi) und dessen Partner Gallagher (Richard Bright) abkommandiert. Die sowjetische Desinformation der amerikanischen Behörden hat fatale Folgen: Als Danko mit dem Gefangenen am Flughafen angekommen ist, wird dieser durch lokale Ghetto-Gangster freigeschossen. Ridziks Partner wird getötet. Das Department hält es daraufhin für eine gute Idee, den Russen und das Großmaul Ridzik auf die Jagd nach dem erneut Geflüchteten zu schicken….

Buddy-Movies sind für Filmschaffende eine verlockende Sache, denn sie funktionieren nach einem bestimmten Rezept, bei dem man nicht viel falsch machen kann. Man nehme zwei möglichst typverschiedene Stars und lasse sie aufeinanderprallen. Besonders gut macht sich dabei die Kombination „harter Hund gegen komischer Kauz“. Dann versetze man die beiden in eine passende Rahmenhandlung, vorzugsweise aus dem Bereich Krimi oder Road-Movie, und lasse die Spiele beginnen. Wenn der Verfasser des Drehbuches auf Zack ist, kann etwas wirklich Unterhaltsames dabei herauskommen, siehe zum Beispiel „Nur 48 Stunden“ oder Midnight Run.

So oder so ähnlich mag sich das Produzenten-, Regie- und Drehbuchlegende Walter Hill gedacht haben, als er die Story für „Red Heat“ entwickelte. Der Peckinpah-Schüler hatte bereits mehrere Super-Hits geschrieben und/oder Regie geführt, darunter Getaway und Eddie Murphys Leinwanddebüt in „Nur 48 Stunden“. Wenn es um harte Männer und Frauen in harten Geschichten ging, war Hill Hollywoods erster Mann, ein moderner Don Siegel. Was lag also näher, als die Story eines seiner größten Hits zu nehmen, nämlich von „Nur 48 Stunden“, und die Charaktere auszutauschen. Aus dem ursprünglich von Nick Nolte gespielten maulfaulen Bullen wurde Schwarzeneggers Charakter, aus dem hyperaktiven Eddie Murphy der großmäulige James Belushi. Dies wird garniert mit den für solche Geschichten typischen Nebendarstellern Ed O’Ross und Peter Boyle. Als Augenfutter kam noch die wie immer intensiv spielende Gina Gershon (Bound, Insider) dazu, die die amerikanische Teilzeitehefrau des Schurken gibt.

Doch so ganz hinhauen will das Produkt dann doch nicht. Zu konstruiert wirkt die Geschichte um Drogen, Schließfachschlüssel und halbe Hundert-Dollar-Scheine. Vieles erscheint an den Haaren herbeigezogen und wenig plausibel. Danko soll ein harter, verschlossener und linientreuer Hund sein, verkommt unter Schwarzenegger aber fast zur Karikatur. Er stapft mit unbewegter Mine und lächerlicher Igel-Frisur durch den Plot und referiert ständig über die Errungenschaften des modernen Sozialismus. Dennoch demonstriert er postwendend seine letztlich menschenverachtende Haltung, indem er Probleme schnell mit Faust oder Feuerwaffe regelt. Das Foltern von Zeugen und die Beschneidung von Beschuldigtenrechten werden als effiziente Sowjetmethoden gepriesen. Sein Charakter bleibt dabei so eindimensional wie der Ridziks. Letzterer entwickelt sich ebenso wenig weiter, so dass die Annäherung der beiden am Tresen eines Coffeeshops nicht wirklich plausibel rüberkommt.

Das Problem um die Einseitigkeit der Charaktere wäre aber gar nicht so schlimm, wenn die Chemie zwischen den Schauspielern funktionieren würde. Tut sie aber irgendwie nicht. Außerdem darf Belushis Charakter praktisch nichts zur Ergreifung des Täters beitragen. Er wird zum Stichwortgeber degradiert und darf sich nicht bewähren. Immer wenn es hart auf hart kommt, ist er dazu verdammt, entweder als Geisel zu fungieren oder schlicht zurückzutreten, weil ihm das „eine Nummer zu russisch“ sei. Auch seine Komik funktioniert nicht, sondern nervt eher, weil kaum einer seiner Sprüche zünden will. Insofern erinnert er an einen traurigen Clown, einen „Weltmeister im Scheißebauen“, wie er von seinem Vorgesetzten genannt wird.

Die Hauptfiguren agieren nicht auf der Höhe ihres Könnens. Ridzik lässt seinen Partner am Flughafen mit Danko und dem Bösewicht allein, um sich eine Zeitung zu kaufen, und kommt deshalb zu spät zum Shoot-out. Danko setzt nach einer Schießerei im Krankenhaus die flüchtende Ehefrau des Schurken fest, lässt sie aber ohne plausiblen Grund ziehen. Später gestattet er, dass sie ihren Mann ausspioniert, obwohl ihm völlig klar ist, dass dies ihrer Gesundheit nicht bekommen wird. Das alles sind saublöde Fehler, die Profis nicht machen würden.

Die Eindimensionalität der Hauptfiguren findet ihre Entsprechung bei den Nebencharakteren. Der bis ins Mark verkommene Viktor Rosta wird von Ed O´Ross gewohnt sinister und mit knarziger Stimme verkörpert, kommt aber über ein Abziehbild eines Kriminellen nicht hinaus. Seine Sidekicks sind entweder Afroamerikaner mit rasierten Schädeln und mahlenden Kieferknochen oder an russische Balletttänzer erinnernde Transvestiten (!). Auch der junge Laurence Fishburne kommt nicht über einen Stichwortgeber hinaus. Und Gina Gershons Figur ist, obwohl stark gespielt und lecker anzusehen, für die Geschichte letztlich unerheblich.

Aber es gibt auch Gutes zu vermelden, das vieles überdeckt. Der Look des Films ist aufwändig, Originalschauplatz war unter anderem auch Moskau. In der Tat war „Red Heat“ der erste amerikanische Film, für den in der Sowjetunion gedreht werden durfte, womit natürlich ordentlich Werbung gemacht wurde. Die Anfangsszenen des Films, die in Moskau spielen, wurden aber nicht dort fotografiert, lediglich die nur wenige Sekunden lange Schlusseinstellung auf dem Roten Platz schaffte es bis in den Film, ansonsten dienten Budapest und Wien als Moskau-Schauplatz. Die Schießereien und Prügeleien sind spannend und aufregend choreographiert. Die sehr gute Kameraführung hilft ebenfalls. In Erinnerung bleibt auch die vorzügliche Musik von James Horner, die allerdings bei den Verfolgungsjagden für heutige Ohren ein wenig zu stark nach dem damals trendigen Synthie-Pop klingt. Und wenn Schwarzenegger zuschlägt, macht allein das Zuhören Vergnügen, denn derart übertriebene Prügel-Geräusche, die klinken, als würde man pfundschwere Steaks auf die Tischplatte nageln, sind heutzutage undenkbar.

Alles in allem kann „Red Heat“ als Bier-und-Chips-Männer-Film ohne großen Anspruch durchgehen. Wenn man sich mit seiner Freundin einen netten Abend machen will, sollte man aber lieber erst mal in Verhandlungen eintreten.
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