Reconstruction
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      4 - Sehr gut

    "Reconstruction" ist ganz starkes dänisches Kino. Der Film in seiner Gesamtheit ist eigentlich nur als eine Art Kunstwerk zu betrachten. Leute, die nicht gerne nachdenken wollen und lieber einen einfach gestrickten Plot sehen wollen, werden mit diesen Film nichts anfangen können. Man sollte versuchen seine Aufmerksamkeit ganz auf das Geschene zu lenken und sich einfach von den genialen Bildern, überzeugenden Schauspielern, intensiven Score einlassen und akzeptieren, dass man vielleicht nicht alles verstehen kann.

    Hinzugefügt am 23.06.2011 um 00:49 Uhr
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      4 - Sehr gut

    Den geneigten Zuschauer vermag der Film von Beginn an zu fesseln und in den Bann zu ziehen, auch wenn nicht alles verständlich ist. Denn der Film keine Zumutung, es gibt genügend Handlungsstränge, denen sich problemlos folgen lässt. Die Spannung wird bis zuletzt gehalten, auch wenn manche Geschehnisse rätselhaft bleiben und nur als surreal zu verstehen sind. Anders als bei "Stay" oder ähnlichen Filmen löst sich also am Ende nicht alles auf. Aber gerade weil das so ist, muss man nicht permanent mitknobeln und Hinweise sammeln, sondern kann den Film auf sich wirken lassen. Der Schlüssel zu dem, oder zumindest einem Verständnis des Films dürfte in der Person des allmächtigen Erzählers liegen, der mit seinen Figuren spielen kann, zugleich aber auch selbst am Geschehen teilnimmt. Dieser Autor nimmt zwei Allgemeinplätze in Punkto Liebesbeziehungen wortwörtlich und exerziert sie konsequent (und radikaler als dies in der Realität möglich ist) durch: 1. Wenn du liebst, veränderst du dich, wirst ein neuer Mensch. 2. Wenn du an deiner Liebe zweifelst, verlierst du den geliebten Menschen, er verschwindet aus deinem Leben. Die Wahrheit beider Aussagen muss die Hauptperson Alex in surreal übersteigerter Form erleben - und der Zuschauer leidet mit. Doch warum? "Es ist nur ein Film, es ist alles konstruiert, aber trotzdem tut es weh." Damit wird der Zuschauer gleich zu Beginn konfrontiert und mit dieser Reflexion der Identifikation regt der Film dazu an, auch über das eigene Leben, die eigenen Beziehungen nachzudenken. Insgesamt ein 'anderer' Film der gelungenen und stimmigen Sorte, wenn auch mehr gefilmte Literatur als Popcornkino.

    Hinzugefügt am 18.10.2009 um 19:17 Uhr
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      5 - Spitzenklasse

    Eins vornweg: Ich sah mir Reconstruction nicht auf großer Leinwand an, und trotzdem entfaltete sich mir ein großartiger, symbolhafter Experimentalfilm, bildgewaltig und poetisch. Vielleicht muss man emotional in dieser Stimmung sein, um gefangen sein zu können von diesem Projekt. Aber probiert dies selbst aus. Jedenfalls ist dieser Kurzfilm über das Glück, den Verlust und die Dramatik der Liebe in seiner Bedeutung und Vielschichtigkeit intensiver als viele 2 h-Filme. Und er wirkt noch lange nach, das könnt ihr mir glauben. Die Bildsprache ist elegant und poetisch. An manchen Stellen wirkt er etwas zu ambitioniert, jedoch begibt er sich nie in die Gefahr in melodramatischen Kitsch zu verfallen! Die Rollen sind hervorragend besetzt; die Schauspieler liefern eine starke Leistung ab. Die Beziehung von Alex zu Simone/ Aimee wird in sehr erotisch hingehauchten Bildern erzählt, die sich daraus entspinnenden Verflechtungen sind geheimnisvoll und tragisch zugleich. Die von Sehnsucht, Mut und Zweifeln getragenen Entscheidungen entfesseln eine weitreichende Veränderung im Leben von Alex. Die Rolle von August ist die dritte wichtige Hauptperson in diesem Stück, er ist die moralische Instanz und das Schicksal zugleich. Oder auch nicht? Interpretiert bitte selbst. Wir als Zuschauer können anfänglich die Protagonisten (oberflächlich) moralisch bewerten und interpretieren. Doch zusehends geht es nur noch um dich selbst und du hinterfragst dein eigenes Wesen, deine Überzeugungen, ja, dein Leben mitsamt seinen Entscheidungen. Und genau hier liegt die starke Wirkung des Films und sicherlich auch das Ziel des Regisseurs: Reconstruction ist die Therapiecouch für uns selbst! Er behandelt unsere grundlegenden Fragen und Ängste. Schließlich sind unsere Meinungen über die Filmfiguren Antworten, die uns selbst betreffen und erkennen lassen. Sie sind ein Spiegelbild von uns und wer sich auf die Entwicklungen der Hauptpersonen einlässt, dem wird womöglich in einem ruhigen Augenblick bewusst, wo er/ sie steht und wie aufrichtig sein/ ihr Leben ist. Essentielle Fragen werden vielleicht beantwortet. Wie weit bin ich bereit zu gehen für meine Liebe? Wie weit gebe ich mich selbst dabei auf? Bin ich bereit, wegen eines kleinen Abenteuers all mein gemeinsames Glück mit meinem Partner aufzugeben? Wer und was ist das Wichtigste im Leben? Viel zu oft spielen wir Menschen leichtfertig mit den Gefühlen von denjenigen, die uns am nächsten stehen. Wir verletzen uns gegenseitig, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Doch was wäre, wenn unsere Entscheidungen an diesem Punkt zwischenmenschlicher Beziehungen sofortige Auswirkungen hätten? In dieser Situation verliert Alex nicht nur seine Freundin, die ihn liebt! Genau genommen verliert er als Sinnbild einer imaginären Strafe auch seinen gesamten Freundeskreis. Doch dies ist nur eine der möglichen Deutungen von Schlüsselszenen mit denen der Film aufwartet. Klar, die Symbolhaftigkeit des Films ist stark und konzeptionell, und vielleicht nicht nach jedem Geschmack. Zurück bleibt die wehmütige Gewissheit, wie sehr auch unser Geschick von äußeren Einflüssen abhängt. Oft können wir nur auf bestehende Verhältnisse reagieren. Doch dem Teil, den wir kontrollieren und nach eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen formen können, sollten wir auch volle Aufmerksamkeit schenken. Denn dies garantiert uns ein Maß an Sicherheit, unser kurzes Dasein unter dem endlosen Sternenhimmel so aufrichtig und wertvoll zu führen, ohne allzu große Verluste hinnehmen zu müssen.

    Hinzugefügt am 07.09.2006 um 13:50 Uhr
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