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Elephant ist ein Film, der den Zuschauer trotz seiner Trockenheit nicht kalt lässt. Wir verfolgen einen langweiligen Schulalltag und nehmen für jeweils kurze Zeit am Weg einzelner Schüler teil. Die Charaktere sind zwar flach, doch die Überzeichnung der Schüler als Typen (bulimische Mädchenclique, die Verschlossene, der Gehänselte, das Traumpaar, der Sunnyboy, der Sensible/Kreative) macht sie austauschbar und erreicht somit genau das Ziel: Das Szenario könnte überall stattfinden. Elephant ist durch die ungewöhnliche Kameraperspektive sehr ansprechend. Wir beobachten die Wege der Schüler durch das Schulgebäude und um das Schulgebäude herum und sehen dabei stets ihren Hinterkopf. Sie sind gesichtslos, charakterlos - so wie die Täter ihre Opfer sehen. Ihnen ist egal, wen sie erschießen; jeder Schüler, der gerannt kommt ist recht. Einen großen Teil der Zeit, in der wir den jeweiligen Schülern folgen und über die Schulter gucken, gehen sie monotone Gänge entlang. Dies wird zurecht als langweilig empfunden. Es passiert in dieser Zeit einfach nichts. Es spannt den Zuschauer auf die Folter. Doch die Erfüllung des Wunsches, diese Monotonie zu durchbrechen, kann keine Genugtuung bringen. Denn als etwas passiert, wünscht man sich die ruhigen, belanglosen Gänge der Schüler durch das Gebäude zurück. Der Film ist eine einzige Qual. Er ist die Negierung von Unterhaltung. Elephant liefert Anhaltspunkte für eine ansatzweise Erklärung eines Amoklaufs. Einer der Amokläufer wird von seinen Mitschülern ausgeschlossen und gemobbt. Zu diesem Zeitpunkt wird jedoch keiner der Zuschauer in Alarmbereitschaft versetzt worden sein. Die Szene ist zu gewöhnlich, denn es gibt in jeder Schule Schüler die geärgert werden. Der Freund des Gemobbten spielt ein Ego-Shooter-Spiel. Dieses ist jedoch nicht besonders brutal und erscheint deshalb als wenig bedeutsam. Doch die Sterilität und Banalität des Spiels könnte der Schlüssel zur Psyche der Amokläufer sein. Es sind nicht die großen Gefühle, die sie antreiben, sondern eine Abstumpfung. Sie scheinen nicht angespannt zu sein, als sie in die Schule fahren. Das Bewusstsein, dass sie Menschenleben auslöschen - mit all den Geschichten die hinter den Körpern stehen - scheint bei ihnen abhanden gekommen zu sein. Dies ist die Sprache des Films. Es gibt keine Geschichte hinter den Charakteren. Es werden keine pathetischen letzten Momente inszeniert. Stattdessen wiederholen sich einfache Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln. Eine Potenzierung des Alltags bevor er durchbrochen wird. Wir sehen die Schulwelt durch die müden Augen der Täter. Sie sehen keine Menschen sondern Typen, Figuren, Zielscheiben. Sie sind Dickhäuter.
Hinzugefügt am 06.12.2010 um 22:47 Uhr Verstoß melden
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