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Conan - Der Barbar
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Conan - Der Barbar
Von Martin Soyka
Wenn der geneigte Filmfreund den Namen John Milius hört, dann zuckt er wahrscheinlich unwillkürlich bei dem Gedanken an den unsäglichen anti-kommunistischen Durchhaltefilm „Die Rote Flut“ von 1984 zusammen, den der Regisseur zu verantworten hat und der ihn für alle Zeiten als politischen Rechtsaußen kennzeichnen wird. Dennoch enthält die Filmografie des Vielgeschmähten auch eine stattliche Anzahl von Perlen, die über ähnliche Zweifel mehr oder weniger erhaben sind. So wirkte Milius unter anderem an „Dirty Harry II“, „1941 – Wo bitte geht´s nach Hollywood?“ und Der weiße Hai mit und führte Regie in dem goldenen Sean-Connery-Klassiker „Der Wind und der Löwe“. Seinen größten Erfolg feierte Milius allerdings im Jahr 1982, als er mit dem Fantasy-Trash „Conan, der Barbar“ eine alte Groschenheft-Serie auf die Leinwand brachte und ganz nebenbei einem bis dahin nur einem Insiderkreis bekannten österreichischen Muskelmann zu Starruhm verhalf….

Irgendwann am Ende der Bronzezeit (oder so ähnlich) in einem fiktiven Land, möglicherweise in Asien. Der kleine Conan muss mit ansehen, wie der Fiesling Thulsa Doom (wie fast alle mit fieser Perücke: James Earl Jones) seine Eltern und das ganze restliche Dorf niedergemetzelt. Conan wird in die Sklaverei verkauft und muss viele Jahre in einer Mühle unglaubliche Frondienste verrichten. Während alle anderen Mitgefangenen nach und nach verschwinden – zweifellos vor Erschöpfung gestorben –, beißt sich Conan durch und wächst zu einem Berg von Mann heran. Endlich wird Conan (Arnold Schwarzenegger) weiterverkauft und verdient für seinen neuen Herrn Geld als Schaukämpfer. Unterrichtet in Schwertkampf und Philosophie (!) kann sich Conan jetzt so richtig ausleben. Schließlich wird er in die Freiheit entlassen. Der Zufall will es, dass Conan die Spur des Schlächters Thulsa Doom wieder findet, der mittlerweile eine mysteriöse Schlangensekte führt. Zusammen mit neu gefundenen Gefährten macht sich Conan auf, ein Gericht zu bereiten, das am Besten kalt gegessen wird: Rache…

Die Motive des Films entstammen dem Werk des Fantasy-Autors Robert E. Howard, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und im Alter von 30 Jahren Selbstmord beging. Neben „Conan“ hatte Howard noch andere letztlich vergessene Helden erdacht. Die Drehbuchautoren John Milius und Oliver Stone (JFK, Platoon) bedienten sich recht freizügig bei Howards Gesamtwerk und bastelten daraus eine hübsch durchgeknallte Geschichte mit Hexen, Zauberern und zu rettenden Prinzessinnen zusammen. Der vom Altmeister Dino de Laurentiis (Hannibal, Roter Drache) produzierte Film belastet sich nicht mit Kleinigkeiten. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert. Sieg oder Tod heißt die Losung. Folgerichtig wird deutlich mehr gesäbelt als gesabbelt. Viel zu schauspielern hat Schwarzenegger daher nicht. Den gesamten Text, den der Grobmime zum Besten gibt, kann man problemlos auf zwei Seiten Papier unterbringen, die ersten 20 Minuten ist er praktisch stumm. Nur in The Terminator spricht Schwarzenegger noch weniger. Aber Typen wie Conan haben einfach nicht viel zu sagen, sie sprechen durch ihre Schwerter. Nicht zuletzt deshalb ist der Gott, dem Conan dient, Crom, der Gott des Stahls.

Muss ja auch nicht sein, wenn der Film auch ohne großes Gelaber seine Geschichte an den Mann bringt. Tolle Landschaften (gefilmt in Spanien), großartige Bombast-Musik (immer wieder für so etwas gut: Basil Poledouris) und packende Action lassen über so manche Unebenheit hinwegsehen. Das Ganze wird garniert mit schnuckeligen Prinzessinnen, Zauberinnen und Kämpferinnen und der einen oder anderen gepflegten Orgie. Wer wohlwollend ist, kann den Film sogar als galligen Kommentar auf Sekten und ihre Führer verstehen, wodurch der Streifen fast schon ein wenig Anspruch erhält. Einwenden lässt sich allenfalls, dass dem Action-Spektakel mehr Tempo gut getan hätte und dass die Tricks aus heutiger Sicht eher tuffig daherkommen, so zum Beispiel Valerias (Sandahl Bergman) Kampf mit den Geistern der Winde um Conans Seele. Und mögen auch zuweilen Köpfe durch die Gegend rollen, die Schwertkampf-Action würde heute wesentlich knalliger inszeniert werden. Der Spaß wird dadurch aber nicht wirklich getrübt.

Denn getragen wird der trashige Spaß durch den Hauptdarsteller, der die Idealbesetzung des Kämpfers aus grauer Vorzeit verkörpert. Es gibt keinen anderen, der die Rolle derart mit Leben erfüllen könnte wie Schwarzenegger. Ein großer Schauspieler ist an ihm nicht verloren gegangen, dafür hat er aber etwas, was alle anderen Mitbewerber nicht vorweisen können und was nicht erlernbar ist: Leinwandpräsenz. Wenn Conan zu sehen ist, beherrscht er die Leinwand. Muskulös - und gerade nicht zu muskulös – nimmt seine Erscheinung gefangen. In seiner Welt wirkt Schwarzeneggers Conan plausibel, gerade weil der Film seine Figuren ernst nimmt. Wohltuend ist auch, dass er weder ein Held im engeren Sinne ist, noch wirklich clever. Das überlässt er seinen Mitstreitern. Conan verlässt sich lieber auf seine Kraft und sein Schwert, denn von seinem Vater hat er gelernt, dass er nur seiner Waffe vertrauen darf. Und sogar die (in Schwarzeneggers Filmschaffen praktisch einzige) Liebesgeschichte um Valeria funktioniert, weil sie glaubhaft als Conans perfektes weibliches Gegenstück erscheint. Schließlich muss sich der Kämpfer mit einer Handvoll schmalbrüstiger Gestalten einer ganzen Armee stellen. Wo andere verzweifelt ihren Herrgott um Hilfe anflehen würden, betet Conan zu Crom: Hilf mir oder scher dich zum Teufel. Das verdient Respekt.

„Conan, der Barbar“ erinnert an die Sandalenfilme der 1950er und 1960er Jahre, wie sie vor allem aus Italien und Spanien kamen. Der Film wurde ein internationaler Hit und rief eine unüberschaubare Zahl von meist unterirdischen Nachahmern auf den Plan. Selbst das kurz darauf gedrehte Sequel und das Spin-Off „Red Sonia“ (nach einem heute vergessenen Marvel-Comic) konnten nicht überzeugen, weil nicht mit dem nötigen Ernst zur Sache gegangen worden war. Auch die gleichnamige kurzlebige Fernsehserie mit Ralf Möller wurde kein wirklicher Erfolg. Auch wenn Möller ein echter Pfundskerl ist: Muskeln allein reichen nun einmal nicht. Dafür verdichten sich Gerüchte um ein Reboot der Serie. Mal sehen, ob dieses Mal was dran ist.

Besinnen wir uns aber lieber auf das Original. Für eine gesellige Runde unter echten Kerlen mit ordentlich Bier und Spaß am Edeltrash ist diese Schlachtplatte rundweg geeignet.
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