Kritik:
Das trifft es wohl einmal mehr - Klaus Kinski hat Rollen gespielt, vornehmlich die in den billigen Spaghettiwestern, die er eh nur drehte, um Geld zu verdienen - seine besten Rollen aber lebte er buchstäblich mit jeder Faser, jedem Muskel, jeder Gefühlsregung - er WAR die Rolle! Und genau das zeichnet die Zusamenarbeit Herzogs mit Kinski einmal mehr aus - Kinski IST Nosferatu, beängstigend, minimalistisch in Szene gesetzt, intensiv wie selten zuvor. Kinski übertrifft mit seinen wenigen Minuten, die er im Film den Vampir spielt, Altmeister Christopher Lee in allen Vampirfilmen um Längen. Das Leid, das sich auf seinen Zügen spiegelt,wenn er, des Lebens müde,krumm und gebeugt vor sich hin schlurfend, bedauert, nicht sterben zu können, ist so beängstigend intensiv gespielt, dass man automatisch mitleidet - das Spiel Kinskis hat selten jemanden kaltgelassen, aber es war auch selten derart eindringlich wie in diesem Film. Alles andere, die grossartigen Aufnahmen der pestverseuchten Stadt oder des Totenschiffes im Hafen, die anderen Schauspieler, die Musik - all das ist der kostbare Rahmen, der das Bild von Kinski als Nosferatu noch aufwertend einrahmt. Ein unbedingt sehenswerter Film, erkennbar mit wenigen Mitteln umgesetzt, weit entfernt vom Mainstream und eine Perle deutscher Filmkunst sowie ein würdiges Andenken eines der grössten und aussergewöhnlichsten Schauspieler, die je hier gelebt und gewirkt haben.