Kritik:
Der Film „Robots“ erzählt eine Geschichte vom Erwachsenwerden im Allgemeinen und dem
Glauben an die Erfüllung von Kindheitsträumen im Besonderen: Rodney Copperbottom,
dessen Kleinstadt-Leben vom „Zusammenbau“ durch die Eltern bis zur Jugend zunächst in
schneller Folge von kurzen Sequenzen dargestellt wird, verlässt nun die Kleinstadt um in der
entfernten Metropole „Robot City“ das Idol seines kühnen Erfindergeistes zu treffen: Mr.
Bigweld leitet als größter Erfinder seiner Zeit einen Mega-Konzern für Robotertechnik, der
stets dem Grundsatz „Jeder kann glänzen, egal aus welchem Material er gemacht ist“ folgt.
Doch der inzwischen resignierende Mr. Bigweld wird zunehmend vom profitgierigen Ratchet
verdrängt, der in Robot City mit monströsen Maschinen Jagd auf Roboter-Altmodelle macht,
um die eingeschmolzenen Rohstoffe als silbrig glänzende „Upgrades“ wiederzuvermarkten
und fortan keine Roboter-Ersatzteile mehr zu produzieren. Eine echte Herausforderung für
Rodney und seine neu gewonnenen Freunde …
Das Produktionsteam um Regisseur und Oscar-Preisträger Chris Wedge zaubert hier ein
spektakuläres und mitreißendes Abenteuer auf die Leinwand. Die von Blue Sky verwendete
Animationstechnik ist herausragend, die Modellierung der Figuren ist gelungen und die
Charaktere glaubhaft. Produzent und Produktionsdesigner William Joyce konnte hier seine
Erfahrungen aus „Toy Story“ (1995) und „Das große Krabbeln“ (1998) mit einbringen und
erschuf Robot City als Stadt, in der sich das Leben gleich auf mehreren Ebenen abspielt. Alles
wurde mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet und so kann man selbst bei den auf
Nebenschauplätzen agierenden Robotern noch kleine Rostspuren oder abblätternde Farbe
erkennen. Obwohl diese kreierte Welt ausschließlich von Robotern bevölkert wird, führt die
vielseitige Story den Protagonisten Rodney („Ersatzteilesohn eines Geschirrspülers“) durch
viele Facetten menschlicher Gefühle: Resignation, Enttäuschung und Wut aber auch
Entschlossenheit, Mut und Freundschaft sind seine ständigen Begleiter.
Die deutschen Synchronstimmen stehen denen aus dem englischen Original (Robin Williams,
Halle Berry, Mel Brooks, Jay Leno, …) an Popularität und künstlerischem Können in nichts
nach: Hans-Werner Olm verleiht Madam Gasket, der Mutter von Ratchet (Oliver Kalkofe),
etwas Boshaftes; der geübten Stimme von Wolfgang Völz gelingt die Darstellung des
meisterlichen Mr. Bigweld mühelos und Michael „Bully“ Herbig brilliert als Fender,
Handicap-Altmodell und Anführer der Rusties, die mit Rodney (Phillip Moog) Seite an Seite
gegen Ratchets neue Geschäftsidee („Warum Dir treu sein, Du kannst schon heute neu sein“)
vorgehen. Und Tim der Wachmann alias Schlagersänger „Ben“ sorgt für die besten Gags in
diesem Film. Sarah Connor gab nicht nur der einfühlsamen Robotresse Cappy ihre Stimme,
sondern steuerte auch den Hit „From Zero to Hero“ bei. Neben weiteren Songs wie z.B. „Tell
Me What You Already Did“ von Adam Schlesinger stammt die Originalmusik von John
Powell, der bereits für andere Vertreter des Genres, u.a. “Chicken Run – Hennen rennen und
“Shrek 1 & 2, komponierte. Egal ob wilde Verfolgungsjagden, Ballet-Tanz auf
umherrollenden Bleikugeln, Moonwalk & Breakdance, Wrestling-Einlagen, emotionale
Passagen oder die Kreation einer neuen Musikrichtung aus Jazz & Funk („Junk“): Die
abwechslungsreichen Klangwelten passen sich optimal in Story und Animation ein und
runden das Gesamtwerk ab.
Chris Wedge und Co-Regisseur Carlos Saldanha unterbrachen die bereits angelaufenen
Vorbereitungen zur Produktion von „Robots“, um einen Trickfilm über ein wolliges Mammut,
einen Tiger mit Säbelzähnen und ein Faultier zu drehen, der in grauer Vorzeit angesiedelt
war: „Ice Age“ wurde 2002 für den Oscar nominiert und brachte wohl den Anreiz dafür, mit
„Robots“ in diesem Jahr die begehrte Trophäe auch zu bekommen; ein Wunsch, dessen
Erfüllung angesichts des Ergebnisses ihrer Arbeit mehr als gerechtfertigt ist.
Volle Punktzahl für die außergewöhnliche Umsetzung einer scheinbar zeitlosen Geschichte,
die bei näherem Hinsehen auch Kritik an dem Jugendwahn und dem vorbehaltlosen Konsum
von Markenartikeln in unserer Gesellschaft übt.