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3.5 - Gut
Freilich ist die Rückkehr der Jedi-Ritter kein schlechter Film. Er zeichnet sich nach wie vor durch die überragende Atmosphäre des Star-Wars-Universums, die Überspitzung des Kampfs zwischen Gut und Böse, die infantilen Sehnsucht nach der Macht und die Ausstrahlen des Darth-Vader-Charakters aus. Auch die Action-Szenen sind technisch zwar nicht mehr zeitgemäß, doch meistens originell inszeniert. Doch trüben daneben eine ganze Reihe von Drehbuchschwächen die Qualität des Saga-Abschlusses: Längen im Plot, fehlende neue Charaktere, eine Vorhersehbarkeit der Handlung und Schwächen in der inneren Logik nehmen dem Film Spannung und Charme.
Zunächst fällt auf, dass der Film einfach nicht genug zu erzählen hat, um die Dauer seiner Spielzeit dicht auszufüllen. Die Befreiung von Han Solo und die Vernichtung des Imperiums in einer Entscheidungsschlacht sind einfach zu wenig für zwei Stunden Spielzeit. Die ersten 30 Minuten auf Tatooine verlangern die Handlung auf einen scheinbar unbedeutenden Nebenskriegsschauplatz und lassen dem Film seine Zielstrebigkeit zu verlieren. Es leuchtet einfach nicht ein, weshalb sich die Helden, welche eigentlich beabsichtigen das ganze Universum zu befreien, sich nun über eine halbe Stunde mit irgendeinem Provinzbösewicht rumschlagen (der Ausbau von Jabba zum Überschurken des Universums war zu diesem Zeitpunkt nicht vorhersehbar). Als zweite Länge fällt das hin und her auf dem Endor-Mond negativ auf, welches sich bis zum Angriff auf den Schildgenerator ebenfalls etwa eine halbe Stunde hinzieht. Zu diesem Zeitpunkt ist bereits klar, worauf die Geschichte hinauslaufen wird: Das Kommando um Leia und Solo wird in den angekündigten Hinterhalt geraten, aber Schlussendlich trotzdem triumphieren und den Generator sprengen. Dieser zu erwartende Verlauf wird durch Gleiterverfolgungsjagten und Ewok-Szenen nur unnötig hinausgezögert und nimmt dem Film seinen Schwung.
Darüber hinaus leidet der Film unter zu wenig neu eingeführten Charakteren. Jabba the Hut ist bereits bekannt, neu sind allein der Imperator und Admiral Ackbar. Deshalb gewinnt das Star-Wars-Universum wenig Neues hinzu und wirkt zeitweise leer und leblos. Man hat teils das Gefühl, bereits jede wichtige Figur kennen gelernt zu haben, jede wichtige Figur einer ganzen Galaxie. Die Ewoks können das nicht ausgleichen, weil sie nur als gesichtslose Masse auftreten und keine verständliche Sprache sprechen. Besonders seltsam ist das von Solo geführte Rebellenkommando, welches einfach nur im Hintergrund irgendwie dabei ist, ohne ein Wort beizusteuern, den geringsten Einfluss auf die Handlung zu nehmen oder auch nur mal allein im Kameraausschnitt zustehen. Ein Sprechender Ewokkönig oder ein zweiter Kommandant dieses Rebellenkommandos, der auch mal einen Ratschlag geben darf, hätte weit mehr leben in den Film gebracht.
Den ganzen Film auf die Entscheidungsschlacht im Endorsystem zuzuschneiden ist nicht nur wegen der Inhaltsknappheit problematisch. Zudem ist natürlich klar, wie diese Schlacht ausgehen wird und damit auch der Ausgang jedes einzelnen Handlungsstrangs. Die Falle des Imperators kann schon deshalb nicht überraschen, weil sie lange zuvor angekündigt wird. Wie soll so Spannung aufgebaut werden? Wenn sich nun der ganze Film nur um diese eine Schlacht dreht, so könnte man wenigstens erwarten, dass sie mit den jeweiligen Strategien und Kräfteverhältnissen glaubwürdig konzipiert wurde. Denn das Star-Wars-Universum lebt von seiner inneren Logik und die Übermacht des bösen Imperiums erzeugt nur dann ein Gefühl der Bedrohung, wenn Kräfteverhältnisse nicht vor der Willkür des Drehbuchs verblassen. Auch hier enthält der Film zahlreiche Schwächen: Wieso riskiert die Rebellion beim Angriff auf den Todesstern ihre Großkampfschiffe, wenn sie doch keinen größeren Widerstand erwartet und ohnehin nur die kleinen Gleiter dazu in der Lage sind, bis zum Reaktor hineinzufliegen? Wieso greift die Rebellion den Schildgenerator auf Endor nicht mit ihrer Raumflotte aus dem Orbit an, sondern macht das Überleben ihrer ganzen Flotte von dem Zufälligen Erfolg eines kleinen Kommandos abhängig? Wieso können die primitiven Ewoks eine der „besten“ Truppen des Imperators mit Leichtigkeit besiegen, wieso degradiert der Film in diesem Gefecht die mächtige Imperiale Armee auf einmal zu einem Haufen Tölpeln? Wieso ist überhaupt nur ein kleiner Rebellentrupp bei diesem Generator und lässt das Kommando sogar bis in diesen vordringen, obgleich er für das Überleben des Imperiums und des Imperators selbst entscheidend ist? Wieso stellt sich Luke auf dem Endor-Mond freiwillig dem Imperium, wiewohl im doch klar sein muss, dass dieses darauf die Anwesenheit weiterer Rebellen vermuten muss und der Überraschungseffekt so verloren geht? Wie konnte die Rebellenflotte der vielfach überlegenen Sternenzerstörerflotte standhalten und diese scheinbar sogar vernichten? Wie will der Imperator Luke auf seine Seite ziehen, indem er dessen Hass auf sich selbst weckt? Dass Luke durch diesen Hass auf die Dunkle Seite der Macht gezogen wird, mag ja innerhalb der Star-Wars-Logik einleuchten, aber damit wird er doch noch längst nicht zu einem Gefolgsmann des Imperators. All das macht es schwer, mitzufiebern, sich mit den Protagonisten zu identifizieren und den Handlungsverlauf glaubhaft zu empfinden.
Star-Wars-Filme haben immer eine gewisse Grundqualität, welche sich aus der großartigen Universum und den zuverlässiger Weise immer hochwertig gedrehten Actionszenen zusammensetzt. Herausragend ist ein Star-Wars-Film, wenn er auf diesen Grundqualität noch einen drauf setzen kann. Die Rückkehr der Jedi-Ritter tut das Gegenteil und bleibt mit seinen Zahlreichen Drehbuchschwächen am unteren Niveau der Star-Wars-Filme hängen.
Hinzugefügt am 17.03.2009 um 22:12 Uhr
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