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    Und wieder 48 Stunden
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Und wieder 48 Stunden
    Von Gregor Torinus
    Nachdem Walter Hill 1982 mit der Action-Komödie „nur 48 Stunden" seinen bis heute größten Hit landete und seinem Hauptdarsteller Eddie Murphy damit den Durchbruch bescherte, war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung in Auftrag gegeben wurde. Damals war man freilich noch etwas gemütlicher unterwegs als im Franchise-besessenen Hollywood dieser Tage und so dauerte es immerhin acht Jahre, bis 1990 mit „Und wieder 48 Stunden" wieder heftig drauflosgeplappert wurde. Erneut spielen Nick Nolte und Eddy Murphy dabei das durch widrige Umstände zur Zusammenarbeit gezwungene ungleiche Cop-Gangster-Gespann. Und erneut führt der Kult-Regisseur Walter Hill („The Driver") Regie. Statt das schräge Duo aber wirklich in ein neues Abenteuer zu stürzen, wurde auffällig viel Raubbau am Erstling. Tatsächlich orientiert sich Hill derart stark am Vorgänger, dass böse Zungen gar eher von einem verkappten Remake statt von einer handfesten Fortsetzung sprechen. Harmlosen Spaß macht das auch beim zweiten Durchgang noch, wenngleich das munter lodernde Feuer des ersten Teils hier fehlt.

    In San Franciso baut der geheimnisvolle Unterweltboss „The Iceman" ein neues Drogenkartell auf. Zu seinen Handlangern gehören auch zwei Motorradrocker. Einer von ihnen ist Richard Ganz (Andrew Divoff), dessen Bruder vom Kleinganoven Reggie Hammond (Eddy Murphy) erschossen wurde. Als der Boss auch noch ein Kopfgeld auf den bald entlassenen Hammond aussetzt, brauchen die Rocker keine weiteren Gründe, die Fährte der alten Quasselstrippe aufzunehmen. Derweil erfährt auch der alte Hase Cop Jack Cates (Nick Nolte) bei seinen „Iceman"-Ermittlungen von der Gefahr, in der Reggie schwebt – und versucht, ihn für eine erneute Zusammenarbeit zu gewinnen. Als jener mit dem Gefängnisbus in Richtung Freiheit losfährt, ist bereits ein Zwei-Mann-Todesschwadron auf seiner Spur...

    Was dann folgt ist eine fulminante Actionsequenz, welche einen der Höhepunkte von „Und wieder 48 Stunden" markiert. Hier bietet Walter Hill all sein Können auf und zeigt, weshalb er als der neben Sam Peckinpah („Convoy", 1978) wohl wichtigster Begründer des modernen Actionfilms gilt. Was zu seiner Zeit noch als neu und aufregend galt, mag heute zwar eher klassisch aussehen – das jedoch durch und durch im positiven Sinne. Statt auf die damals langsam geläufiger werdenden Computer-Spezialeffekte setzt Hill auf echte, grobe Stuntmanpower und jede Menge praktische Effektarbeit. Statt wilder Schnittgewitter liefert er ausgeklügelte Action-Choreographien und einen schnörkellosen Spannungsbogen. Immer wieder gibt es hier Augenblicke, in denen Hills trickreiche Inszenierung durchaus nicht nur den ausgekochten Actionfan, sondern auch den breit interessierten Cinephilen in seinen Bann schlagen kann.

    Auch das ungleiche Gespann aus dem abgeklärten Badass Nick Nolte und der quirligen Labertasche Eddy Murphy gefällt erneut. Noltes Cop Cates bringt wieder so manch trockenen Spruch, während Murphys Hammond so selbstbewusst wie unaufhörlich quatscht. Im Vergleich zum ersten Teil sieht das allerdings schon viel mehr nach professioneller Routine denn nach hungrigem Schauspiel aus. Die langweiligen Nebenfiguren bieten da keinen Ausgleich. Bereits der erste Teil glänzte in dieser Hinsicht nicht gerade, in „Und wieder 48 Stunden" werden Noltes und Murphys Stichpunktgeber aber gleich zu reinen Pappkameraden degradiert.

    Mitsamt den Figuren werden auch die ohnehin triviale Handlung und ganze Einstellungen des Vorgängers so steif recycelt, dass auch selbst die witzigsten Murphy-Momente einen leicht schalen Beigeschmack bekommen. In der Geschichte des Actionkinos sind die beginnenden 90er eben eine ganz andere, weniger stilprägende Zeit als die frühen 80er. Was vor der Jahrtausendwende in seiner allgemeinen Nüchternheit vielleicht modern wirkte, erweist sich hier im Rückblick als steril und bar jedes lebendigen Zeitkolorits. Dabei war die so lebendige wie spezielle 80er-Atmosphäre noch einer der großen Pluspunkte des 198ers. Und wenn schon so unverhohlen wieder aufgekocht wird, sollten es doch wenigstens auch die offensichtlichsten Qualitäten des Originals in die Fortsetzung schaffen!

    Fazit: Walter Hills „Und wieder 48 Stunden" ist eine fähig inszenierte, dabei aber auch inhaltlich weitestgehend redundante Action-Komödie, die durch die beiden grandiosen Hauptdarsteller Nick Nolte und Eddy Murphy über das Genre-Mittelmaß hinweggetragen wird.
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