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xXx - Triple X
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
xXx - Triple X
Von Carsten Baumgardt
Lange Zeit dümpelte die Karriere von Regisseur Rob Cohen („Daylight“) im Niemandsland Hollywoods vor sich her. Mit dem Fantasy-Abenteuer „Dragonheart“ gelang dem soliden Handwerker zwar ein mittelprächtiger Hit, doch erst der Adrenalin-Treiber The Fast And The Furious (Teil zwei läuft im Sommer 2003 an) sollten ihn und seinen Star Vin Diesel in die ersten Reihe katapultieren. Was lag da näher, als die Erfolgsteam für eine weitere Produktion gleicher Gangart zusammenzutrommeln. Für den Action-Thriller „xXx - Triple X“ hatte er nun sogar ein Big Budget zur Verfügung, sodass sich der Regisseur nach Belieben austoben konnte. Das Ergebnis ist beachtlich - zwar vollkommen sinnfrei und trashig, aber augenzwinkernde Unterhaltung auf gutem Niveau ist trotzdem garantiert.

Der anarchische Extremsportler und Underground-Legende Xander „xXx“ Cage (Diesel) hat es ein wenig zu weit getrieben. Steht er doch mit dem Gesetz nicht zum ersten Mal in Konflikt. Zum Glück für ihn wurde NSA-Agent Gibbons (Samuel L. Jackson) auf den adrenalinbesessenen Verrückten aufmerksam. Er schlägt einen Deal vor. Wenn Cage für die NSA auf Verbrecherjagd geht, löscht er dessen beachtliches Vorstrafenregister. xXx willigt ein und findet sich kurze Zeit später zu seinem ersten Einsatz auf den Kokainplantagen Kolumbiens wieder. Nachdem sich Xander als Naturtalent herausstellt, wird er nach Prag beordert, um dort eine paramilitärische Untergrund-Organisation zu infiltrieren. Was zunächst als überschaubarer Einsatz gegen hochprofessionelle Autoschieber beginnt, entwickelt sich zu einem Kampf um die Rettung der freien Welt. Der Verbrecherring produziert im Geheimen biologische Waffen, mit denen eine neue Weltordnung erzwungen werden soll. Und Skrupel sind für die finsteren Osteuropäer ein Fremdwort. Unterstützung erhält xXx von seinem Prager Polizei-Kontaktmann (Richy Müller) und der undurchsichtigen Yelena (Asia Argento), die aus dem Syndikat aussteigen will...

Mit dem Action-Tornado „xXx - Triple X” variiert Cohen sein Erfolgsrezept nur ein wenig, erhöht aber gleichzeitig noch einmal kräftig die Schlagzahl. Dank eines 80-Millionen-Dollar-Budgets darf Diesel die große Action-Nummer abziehen und so ziemlich alles in die Luft jagen, was ihm in den Weg kommt. Im Detail unterscheidet sich diese James-Bond-Variante für die Funsport-Generation wesentlich vom Geheimagenten im Dienst des britischen Secret Service. Sind die Manieren von 007 stets korrekt, muss Triple X vollkommen ohne auskommen. Der tatooübersäte Muskelprotz pfeift auf alle Konventionen und gehorcht nur sich selbst.

In Sachen Action bietet Cohen nahezu das Maximum des derzeit Möglichen. Von wahnwitzigen Auto- und Flugzeug-Stunts über Motorrad- und Snowboard-Action bis hin zur finalen Bootverfolgungsjagd auf der Prager Moldau. Es kracht, knallt, zischt und donnert an allen Ecken und Enden. Das alles ist so dermaßen over the top, dass die Übertreibungen einem gewissen Charme nicht entbehren. Denn bitterernst nimmt sich xXx nicht - der lakonische Antiheld ist mit einer guten Portion trockenem Humor ausgestattet. Auch der Running Gag des Films, der einen Superwaffen-Fanatiker - quasi der „Q“ der National Security Agency - immer wieder ins Spiel bringt, sorgt für erfrischende Ironie. Ohne die üblichen Klischees kommt ein moderner Actionfilm natürlich nicht aus. Die osteuropäischen Gangster (Kennzeichen: Monsterkotletten) sind krass überzeichnet und mit dem üblichen widerwärtigen Charakter ausgestattet, aber wenigstens muss sich der deutschsprachige Raum diesmal nicht über Neonazis als Bösewichte wie in Phil Alden Robinsons Der Anschlag ärgern. Dafür bekommt der Osten halt auf die Mütze. Das verhilft immerhin Richy Müller (Die innere Sicherheit) zu einer gar nicht so unbedeutenden Rolle. Als Prager Einsatzleiter hinterlässt der Deutsche einen passablen Eindruck, während die Metal-Combo Rammstein bei einem Konzertauftritt in Szene gesetzt wird.

Stunttechnisch kann „xXx“ ein Feuerwerk abbrennen. Von einem donnernd-dröhnenden Soundtrack (siehe CD-Rezension), der Musik von Nelly, Eve, N.E.R.D., Hatebreed, Flaw und Orbital bis hin zu Mozarts Don Giovanni zusammenrührt, wird die Handlung, die wenigstens ein paar kleine Überraschungen bereithält, vorangepeitscht. Darstellerisch wird nicht allzu viel gefordert, die Stuntmen müssen bei „xXx“ die schwerste Arbeit verrichten.

Bei dem Erfolg, den der Film in den USA hatte, steht es bereits fest, dass „Triple X“ mit Sicherheit fortgesetzt wird. Bleibt nur zu hoffen, dass der charismatische Vin Diesel diesmal nicht so raffgierig ist wie zuletzt. Für „The Fast And The Furious 2“ verlangte er schlicht zuviel Geld - mehr als 10 Millionen Dollar. Nun findet der zweite Aufguss des PS-Spektakels ohne ihn statt - und ohne Regisseur Rob Cohen - ebenso wie die Sequelgurke xXx2: The Next Level, die wieder ohne Cohen und Diesel absoff...
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