0 follower |
Seine 1 Kritik ansehen
|
0.5 - Null
Die NVA hat im nachhinein ganz sicher kein Wort des Lobes zuviel verdient, war nicht zuletzt sie eine der Hauptverursacher dessen, daß der DDR der "innere Rückhalt" fehlte, was letztlich zum Zusammenbruch des Führungsmonopoles der SED führte. Zu wenig entsprach ihre alltägliche Wirklichkeit dem Anspruch, eine Armee neuen Typus' zu sein (wie es die führende Partei von sich behauptete). Dennoch: Dieser Film zieht die NVA insgesamt in den Dreck, er verzerrt das Gesamtbild. Er ist als repräsentierender Ausschnitt aus dem durchschnittlichen Leben der NVA reichlich ungeeignet und beinhaltet auch SEHR VIELE historische Fehler, sowohl DDR-bezogene allgemeine als auch NVA-spezifische. Nur einige Beispiele: Es gab in der NVA nimmer eine Fidel-Castro-Kaserne. Namenspatronen waren grundsätzlich nicht mehr lebende Vertreter der nicht mehr ganz so jüngeren deutschen Geschichte (vorzugeweise preußische Militärs, Feldherren, Generäle). Die Sprache der Rekruten entspricht nicht der des DDR-Alltags, sondern ist typisch wessifiziert, sie stammt aus der heutigen Zeit mit den üblichen Fehlern. Dann waren die jungen DDR-Bürger längst nicht so anglophil und westorientert wie heutige Jugendliche und Jungerwachsene, werden aber so dargestellt. Zur Felddienstuniform wurden keine Schirmmützen getragen. Die zeitdienenden Unteroffiziere waren i.d.R. KEINE dienstgeilen, obrigkeitshörigen "perversen Schweine" {Zitat aus dem Film} ("Kapos"), sondern hatten mit den Soldaten gemein, daß sie eher Ihre Ruhe haben wollten und die Soldaten deshalb nach Möglichkeit in ebensolcher Ruhe ließen. Degradierungen von Unteroffizieren vor der versammelten Manschaft, somit auch vor den Soldaten und damit vor niederen Dienstgraden waren verboten. Es gab so etwas zwar trotzdem in Einzelfällen, aber es ist eben nicht typisch. Die Vorgesetzten werden als Sadisten dargestellt. Laufstrafe mit 'nem Reifen hinten dran kommt mir eher als verbotene Schikane vor, die - zumindest bei mir - die Nähe von Folter suggeriert. Nierigere Dienstgrade wurden nimmer mit "Genosse Soldat" angesprochen, sondern mit [Dienstgrad (z.B. Soldat]+[Name], erstmal aus Hierarchiegründen, zum anderen wegen des zu großen Verwechselungspotentials, wie es im Film auch einmal völlig überflüssig dargestellt wird. Uns so "geil", ständig die Ehrenbezeugung von sich zu geben und anderen gegenüber zu demonstrieren, wie es im Film schon an Lächerlichkeit grenzend übertrieben dargestellt wurde, waren selbst eingefleische Militaristen nicht.
Für einen Regisseur, der nicht nur in dem betreffenden Staat lebte, sondern auch in dessen Armee diente, der es also aus eigenem Erleben besser wissen und kennen müßte, ein reichliche Peinlichkeit. Schade!
Hinzugefügt am 10.01.2006 um 19:26 Uhr
Verstoß melden