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    Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Star Trek 3: Auf der Suche nach Mr. Spock
    Von Martin Soyka

    Im 23. Jahrhundert… „Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ beginnt mit einem Rückblick auf die Geschehnisse in „Star Trek II“. Wir erinnern uns: Durch das Genesis-Projektil wurde ein neuer Himmelskörper geschaffen, der sogenannte Genesis-Planet. Um seine Kameraden vor der selbstmörderischen Rache von Khan zu schützen, opferte Spock (Leonard Nimoy) in einer hochdramatischen Sequenz sein Leben und wurde in einem zum Sarg umfunktionierten Torpedo auf Genesis zur (scheinbar) letzten Ruhe gebettet. Die schwer angeschlagene Enterprise dümpelt nun nach Hause zur Erde, damit Schiff und Crew ihre Wunden lecken können. Nun setzt die Handlung von „Star Trek III“ ein.

    Captain Kirk (William Shatner) und die übrige Kommandocrew trinken in seinem Appartement in San Francisco auf ihren verstorbenen Freund, als sie unerwartet Besuch bekommen. Die Respekt gebietende Gestalt ist Sarek, Spocks Vater (wobei sich die nicht näher erklärte Tatsache offenbart, dass mit fortschreitender Lebenszeit vulkanische Väter und Söhne gleich alt aussehen). Sarek wirft Kirk vor, seinen Sohn auf Genesis im Stich gelassen zu haben. Kirk versteht nicht, Spock war doch tot. Dann klärt sich das Missverständnis auf. Sarek nahm an, dass Spock vor seinem nahenden Tod seinen Geist mit Kirk verschmolzen und ihn so zum Hüter seiner Seele erhoben hatte. Doch zwischen Kirk und Spock war eine schützende Scheibe, so dass Spock Kirk nicht berühren konnte. Kirk und seine Mannen finden aber bald die Wahrheit heraus: Nicht Kirk, sondern Spocks Lieblingsstreitpartner „Pille“ (De Forrest Kelley) wurde - zunächst betäubt vom berühmten vulkanischen Nackengriff - zum Träger von Spocks Geist gemacht, ein dramaturgischer Kunstgriff, der schon im zweiten Teil kurz angedeutet worden war und nicht erst jetzt aus dem Hut gezogen wurde. Da Spocks Geist offenbar noch lebt, auch wenn es weder ihm noch seinem Gefäß dabei besonders gut geht, beschließen die alten Recken, ihrem Freund zu einer Reinkarnation vulkanischer Art zu verhelfen. Die Mission ist schnell klar: Man bringe Pille und Spocks Körper zum einem mystischen Berg auf Vulkan, damit die dortigen Priester einer Rückübertragung des Geistes durchführen können. Einziges Problem: Der Genesis-Planet ist mittlerweile zum Politikum geworden und für alle Schiffe, die keinen ausdrücklichen Forschungsauftrag haben, „Off-Limits“.

    Kirk versucht zunächst, die Sternenflotte im Guten dazu zu bewegen, ihm die Enterprise für seine Mission zu überlassen, erwartungsgemäß stößt sein Vorhaben allerdings auf wenig Gegenliebe. Also tut er das, was von dem alten Haudegen zu erwarten ist: Er beschließt, die Enterprise zu kapern, allen Widerständen zum Trotz. Die aus der Serie und den Filmen bekannte Kommandocrew um Sulu (George Takei), Checkov (Walter Koenig), Uhura (Nichelle Nichols) und Scotty (James Doohan) teilen sich auf, um jeweils ihren Beitrag zum Taterfolg zu bringen. „Pille“ wird kurzerhand aus der Klapsmühle befreit und die Enterprise aus dem Raumdock gestohlen. Die USS Excelsior, die mit einem neuen Wunderantrieb ausgestattet ist (Trans-Warp, eine Geschwindigkeit, die erst in Voyager-Zeiten kurzzeitig erreicht werden wird), nimmt zwar die Verfolgung auf, kommt aber nicht weit, da Scotty den komplizierten Antrieb kurzerhand sabotiert hat. Die Enterprise nimmt Kurs auf Genesis…

    „Star Trek II“ hatte zwar ein wesentlich geringeres Budget als Teil I, konnte aber deutlich mehr überzeugen. Man hatte erkannt, dass es Trekkies weniger um Science-Ficition ging - dort hatte in Teil 1 der Schwerpunkt gelegen -, sondern um die persönlichen Elemente der Geschichten. „Star Trek“ funktioniert dann am besten, wenn die Hauptfiguren zusammenspielen, miteinander streiten, ringen und gemeinsam schier unüberwindliche Hindernisse meistern. Dass ein weiterer Teil her musste, war in Anbetracht des zufrieden stellenden Einspielergebnisses des zweiten Teils bald beschlossene Sache. Wenn da nur nicht das Problem gewesen wäre, dass eine der drei Kernfiguren gestorben war.

    Aber „Star Trek“ wäre nicht „Star Trek“, wenn man nicht auch dafür eine Lösung wüsste. Spock als Figur zurückzuholen, machte da dramaturgisch weit weniger Schwierigkeiten als den Schauspieler Leonard Nimoy dazu zu überzeugen, die geliebt/gehasste Rolle erneut zu übernehmen. Erst als man ihm auch die Regie anbot und seine schauspielerische Beteiligung möglichst klein hielt, erklärte er sich dazu bereit. Das Produkt kann sich durchaus sehen lassen.

    „Star Trek“-Filme sind ein wenig wie die James-Bond-Reihe. Da mag es zwar hier und da mal was zu mäkeln geben, unterhalten wird man aber immer gut. Dieser Film macht da keinen Unterschied, auch wenn viele nicht müde werden zu behaupten, dass die „Star Trek“-Filme mit den geraden Nummern immer besser seien als die mit den ungeraden (eine Regel, die spätestens von Star Trek – Nemesis widerlegt wurde). „Star Trek“-Filme funktionieren gemeinhin am besten, wenn sie auf einer bereits erzählten Geschichte aufbauen, so geschehen in Teil 2 und in Teil 8, die auf Folgen der TV-Serien beruhen. Der Sinn ist klar: Mit einer großen Einführung der Figuren und Gegenspieler muss man sich nicht aufhalten, der erste Akt kann kurz gehalten werden und man kann von Anfang an Gas geben. Bei genauerem Hinsehen bauen auch „Star Trek III“ und „IV“ auf früheren Geschichten auf, zwar nicht aus dem TV, dafür aber aus dem Film-Franchise. Der Handlungsfaden aus Teil II wird nahtlos aufgenommen und (mehr oder weniger) sinnig fortgeführt. So wird aus den Teilen II bis IV praktisch eine Trilogie, deren Einzelfilme aber jeweils für sich verständlich und gut konsumierbar sind.

    Im direkten Vergleich der Teile II bis IV fällt Teil III etwas ab. Das liegt an verschiedenen Faktoren, die den Filmgenuss trüben. Das fängt beim Schurken an. Je besser der Schurke, desto besser der Film, wusste schon Hitchcock. Teil II hatte den großartigen und wunderbar überagierenden Ricardo Montalban. Teil III weist dafür nur eine Handvoll Klingonen auf, die zwar verschlagen, aber eben auch mächtig dämlich und so gar nicht gefährlich wirken. Streckenweise kann da schon fast Mitleid mit den Bösen aufkommen, die gegen die geballte Man-Power der Enterprise-Crew kaum Stiche bekommen. Christopher Lloyd tut als Oberbösewicht zwar sein Bestes, ein bedrohliches Szenario wie noch in Teil II will nicht aufkommen. Der Vorgänger funktionierte deshalb so prächtig, weil dort Kontrahenten gegeneinander antragen, die eine durch die Vergangenheit bestimmte persönliche Beziehung hatten. Diese emotionale Tiefe will sich hier nicht einstellen, die Schurken sind halt Klingonen und damit austauschbar. Teil II war darüber hinaus inszeniert wie ein Hochsee- oder Piratenfilm, was besonders durch die wunderbare Musik von James Horner unterstrichen wurde. Die Geschichte hätte von allen Sci-Fi-Elementen entkleidet auch im 18. Jahrhundert auf hoher See spielen können. Diese Chancen werden hier vergeben, es muss um mehr gehen als ein simples Duell zweier Fregatten. Zu kurz kommt außerdem die wichtigste Regel beim Team-Filmen: Zuerst bringt man sie zusammen, dann trennt man sie, schließlich bringt man sie wieder zusammen. Für „Star Trek“-Filme bedeutet das im Klartext, dass sich die Crew zunächst einer großen Bedrohung konfrontiert sich, verschiedene Teams mit verschiedenen Aufgaben gebildet werde müssen (die im Laufe des Films alle zu scheitern drohen), bis man mit vereinten Kräfte dann doch noch die Kurve kriegt. So funktioniert es in Teil II, in Teil IV, in Teil VI und Teil XIII (huch, alles gerade Nummern!), hier wird dieses dramaturgische Konzept aber ausschließlich für das Kapern der Enterprise eingesetzt. Das ist dann auch gleich der Teil des Films, der am besten funktioniert.

    Auch die Logik lässt zu wünschen übrig. Selbst wenn man die Ausgangsposition zu schlucken bereit ist (überragender vulkanischer Intellekt findet Platz in menschlichem Gehirn), bleiben Fragen offen, die nicht erklärt werden können. Wieso bewirkt der Genesis-Effekt eine Wiedergeburt des toten Spock? Warum bewirkt der Genesis-Torpedo, der an sich nur tote Himmelskörper in lebende verwandeln kann, die Geburt eines neuen Planeten vor vorher keiner war? Um welche Sonne kreist er, wo kommen die Tageszeiten her? Wieso altert nur Spock auf dem Planeten, Saavik und Marcus aber nicht? Wieso hat die Enterprise über 400 Mann Besatzung, wenn man sie doch offenbar auch mit einer Rumpf-Crew prächtig steuern kann? Warum beamen sich die Klingonen nicht direkt zu Marcus, Saavik und Spock, anstatt sie zu Fuß zu verfolgen? Wie bringt Kirk die Klingonen dazu, seine gesamte Mannschaft von Genesis auf ihr Schiff zu beamen, obwohl dort nur noch ein letzter (und ziemlich devoter) Klingone verblieben ist? Und wozu brauchen die verkopften Vulkanier eigentlich Priester?

    Sei´s drum. „Star Trek III“ hat auch Vorzüge. Hier wird nämlich der einzige wirkliche Fehler aus „Star Trek II“ vermieden. Dort hatte man nämlich schlicht vergessen, dass sich die Widersacher persönlich begegnen müssen. Das wird hier nachgeholt. Und da es sich in Teil II bewährt hatte, eine wichtige Person sterben zu lassen, wird dies hier gleich doppelt praktiziert: Kirks Sohn, dessen Existenz für das Franchise ohnehin eher hinderlich war, wird geopfert und die Enterprise selbst, schon immer für alle mehr als nur ein Schiff, muss dran glauben. Am meisten punktet der Film allerdings mit seinem Humor. Besonders die dummen Gesichter der arroganten Excelsior-Besatzung beim Zusammenbruch ihres Antriebs sind ein Highlight, an das sich jeder Trekker gern erinnert.

    Alles in allem also ein Film, den man im TV nicht mit Absicht einschaltet, an dem man beim Zappen aber dann doch hängen bleibt. Es gibt schlechteres, was man über einen Film sagen kann.

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