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5 - Spitzenklasse
Ballade vom mütterlichen Gangster - Der südafrikanische Film “Tsotsi setzt seine Hoffnung auf kindliches Mitgefühl.
Am Anfang steht das pure Grauen. Eine ausgemergelte Frau liegt auf einer verschlissenen Matratze. Sie stirbt an Aids. Ihre im Todeskampf geweiteten Augen richten sich auf den sechsjährigen Sohn David. Flehend streckt sie ihre Hand aus, um das Kind zu sich zu rufen. Ihr betrunkener Mann stellt sich dazwischen: Du wirst ihn anstecken! Der Haushund kommt hinzu. Mit einem Tritt bricht ihm der Mann das Rückgrat. David flieht. Die Szene wird zum Trauma seines Lebens.
Wir sind in der Township von Johannesburg. Die 3,3 Millionenstadt gehört zu den gefährlichsten Orten der Welt. Dort gibt es mehr Morde als tödliche Autounfälle. Aus dem kleinen David ist der Gangster Tsotsi geworden. Ein schöner junger Mann, doch von Gefühlen keine Spur. Wer ihn nach seiner Vergangenheit fragt, bekommt seine rücksichtslose Faust zu spüren. Gnadenlos sticht er in der U - Bahn einen Geschäftsmann ab. Er demütigt einen Behinderten, weil er an die Schwäche seiner Kindheit nicht erinnert werden will. Heimlich jedoch kehrt er immer wieder zu den Betonröhren am Rande der Stadt zurück, die ihm einst als Wohnung dienten und jetzt anderen Kindern ein Zuhause sind.
Der Regisseur Gavin Hood hat mit vielen Townshipkindern Filme über ihr Leben gedreht und den Roman Tsotsi des Autors Athol Fugard aus den sechziger Jahren mit seinen Erfahrungen verknüpft. Wenn Gavin Hood über seine Arbeit redet, versucht er mit geradezu verzweifelter Prophetie für den Glauben an die Mitmenschlichkeit zu werben. Man könnte seinen Film als kitschige Legende ansehen, sagt er beschwörend, aber er sei eine Möglichkeit.
Nun, sehen wir uns den Silberstreif am Horizont des Schicksals von Tsotsi an: Er überfallt eine reiche schwarze Frau, schiesst sie zum Krüppel, stiehlt ihren Wagen - und entdeckt darin ein Baby! Seine eigene Kindheit wacht auf und das Urkindchenschema der Menschheitsgeschichte. Wie der junge Mann versucht, die vollgemachten Windeln des Babys zu säubern und das schreiende Balg zu beruhigen - das gehört zu den fröhlichen Szenen des Films. Letztlich muss eine gerade Mutter gewordene Nachbarin aushelfen, die das Kind stillt. Aber - Tsotsi will Vater und Mutter zugleich sein! Die Erlösung von seinem Kindheitstrauma! Auch er war einmal schwach und wollte geliebt werden.
Doch die Last der Verantwortung, die der junge Mann so leichtfertig übernommen hat, wird für ihn zu schwer. Der Einbruch in die Villa der Familie des Kindes bringt die Wende. Tsotsi erblickt staunend das Kinderzimmer: Ein Paradies, grösser als seine Hütte. Er erkennt, dass ihn von der Welt der neuen schwarzen Reichen Welten trennen. Doch der Abschied von dem Kind wird zu einer Qual. Mit Tränen in den Augen übergibt Tsotsi das Baby dem Vater, in Schach gehalten von Polizeiwaffen, angefleht von der Mutter. Eine Szene der Versöhnung in einem Jammertal. Vielleicht trügerisch, vielleicht aber auch Ausblick auf eine neue Zeit.
Hinzugefügt am 05.06.2006 um 15:49 Uhr
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