0 follower |
Seine 1 Kritik ansehen
|
5 - Spitzenklasse
Eine Weihnachtsgeschichte, zur Zeit als der Colt noch locker und das Gesetz noch auf einem hohen Roß saß. Mit einer kleinen Änderung: das Ganze spielt im tiefsten Outback in Australien. Es begab sich zu der Zeit, als zwei Outlawbrüder in die Hände der Justiz fielen. Für den aus England importierten Gesetzeshüter, ist Australien die Hölle - und eigentlich alles um ihn herum sowieso. Der fehlende dritte Bruder der Gesetzlosensippe ist es, der ihm Kopfzerbrechen bereitet. Und da sich bislang jeder eine Abfuhr abholte, bei dem Versuch Buder Nummer 3 habhaft zu werden, vernimmt der mittlere Bruder (Guy "Memento" Pearce) folgenden Deal vom Gesetzeshüter: "Bring mir den Kopf (im übertragenen Sinne) deines ältern Bruders und der Jüngste wird leben. Du hast Zeit bis Heiligabend!" Und so reitet er - gegen die Zeit, gegen seine Überzeugung, gegen seinen Widerwillen... Ein wunderbarer melancholischer Western, voller Bilder aus dem australischen Niemansland, untermalt von einem wunderbar schwermütigen Soundtrack aus der Feder von Nick Cave. Es ist schon eine wirkliche Schande, daß dieses Werk nie über deutsche Leinwände flimmern durfte - denn der Streifen schreit mit seinen bestechend schön ausgeleuchteten Bildern förmlich nach der großen Leinwand! Und Ray Winstone (King Arthur/ Departed) als Gesetzeshüter mit Prinzipien ist ein Titan in diesem Film. Wie er seine Ohnmacht und Verzweiflung in diesem Niemansland - sowohl gesetzlich, moralisch und vegitativ- versucht im Zaum zu halten - und sei es nur, um seiner zerbrechlich wirkenden Ehefrau (Samantha Morton - ebenfalls zum Niederknien ) ein Fels zu sein, daß hat schon Klasse. Danny Huston - als Obervampir mit ganz ganz schrecklichen Speisemanieren in "30 Days of Night" in Kürze schrecklich unterfordert - bietet als Oberoutlaw mit Kultur UND wilder Rohheit gleichermaßen eine Bereicherung auf der Liste sehenswerter Bösewichte. Die Sequenz, wenn der Jüngste der Outlaw-Sippe vor der angetretenden Dorfgemeinde ausgepeitscht wird, schafft in ihrer Intensität - und Mitleidslosigkeit seitens der Zuschauer dieses Spektakels - mühelos, daß einem dabei die Luft wegbleibt. Und John Hurt als britischer Kopfgeldjäger dessen Intellekt in einem Spagat zwischen Intoleranz, Rassismus und Feingeistigkeit für die schönen Dinge des Lebens mäandert - obwohl man sich als Zuschauer vor allen Dingen ein langanhaltendes Schaumbad für ihn wünscht, weil man ihn förmlich riechen kann (Urrgs!) - ist das letzte Sahnehäubchen in der illustren Darstellerriege. Der Film ist all das für mich, was ich in dem mehrfach ausgezeichneten und hochgelobten "Erbarmungslos" vergeblich gesucht habe: Groß, Erbarmungslos (!), getragen von der Liebe zu seinen Charakteren und würdevoll. Kurz: Großartig! Und bietet sich an, zusammen mit "Ist das Leben nicht schön" und "Scrooged - Die Geister die ich rief" ein wunderbares Weihnachtstriple abzugeben. Versuchts mal - und zwar genau in dieser Reihenfolge. Frohes Fest!
Hinzugefügt am 28.10.2007 um 00:36 Uhr
Verstoß melden