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Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith
Von Carsten Baumgardt
Die maßlose Verärgerung der hartgesottenen Fans ist nach „Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger“ besänftigt worden. Tief saß der Schock, dass Regisseur, Autor und Produzent George Lucas den Mythos in „Star Wars: Episode I - Die dunkle Bedrohung“ ruiniert hat und sich inhaltlich auf Kleinkinderniveau herabließ. Für „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith” sind die Erwartungen nun wieder gestiegen, die Prequel-Trilogie zu einem würdigen Abschluss zu bringen. Lucas bietet bombastisches, spektakuläres Popcorn-Sci-Fi-Actionkino moderner Prägung, setzt aber in einem Übermaß auf CGI-Technik, die den Film oft wie ein Videospiel wirken lässt. Dadurch kommt „Star Wars: Episode III“ viel Charme abhanden. Die Magie der Ur-Trilogie verliert sich im digitalen Sperrfeuer der Bits und Bytes, dennoch unterhält der Film auf kompletter Länge.

Die Klonkriege haben eine tiefe Kluft zwischen Kanzler Palpatine (Ian McDiarmid) und dem Jedi-Rat geschaffen. Ein Klima des gegenseitigen Misstrauens spaltet die Galaktische Republik. Mittendrin befindet sich der junge hochtalentierte, machthungrige Jedi Anakin Skywalker (Hayden Christensen), der zu einem Vertrauten des Kanzlers wird, nachdem er diesen gemeinsam mit seinem Meister Obi-Wan Kenobi (Ewan McGregor) aus den Fängen des bösen Generals Grievous gerettet hat. Bei dieser Konfrontation tötete Anakin den finsteren Sith Lord Count Dooku (Christopher Lee) ohne Gnade. Seine Frau Padme Amidala (Natalie Portman) berichtet ihm, dass sie ein Kind erwartet. Anakin ist derweil hin- und hergerissen und weiß nicht, wem er seine Loyalität schenken soll - dem Jedi-Rat oder Palpatine. Als er auf Druck des Kanzlers in den Rat berufen wird, verweigern die Mitglieder ihm die Ehren eines Jedi-Meisters. Außer sich vor Wut ist dies der Anfang vom Ende des Anakin Skywalker. Er hat böse Albträume, die ihn den Tod Padmes bei der Geburt des Kindes voraussehen lassen. Immer mehr zieht es den mächtigen Jedi auf die dunkle Seite der Macht...

Die wichtigste Aufgabe, die George Lucas zu erfüllen hatte, meistert er zufriedenstellend: Alle losen Enden und Fragen werden beantwortet. Im Fokus von „Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“ steht der Weg Anakin Skywalkers zur dunklen Seite der Macht. Wie es dazu kam und vor allem warum, wird vor einem plausiblen Hintergrund aufgeklärt. Der Film teilt sich recht krass in zwei Abschnitte. Im ersten reiht sich eine Schlacht an die nächste, ein Laserschwert-Duell an das andere. Das ist atemberaubend rasant, aber inhaltlich oberflächlich. Die Tiefe baut sich erst in der zweiten Hälfe auf, als Anakin Skywalker langsam vom Pfad der Tugend abkommt. Charakterlich ist „Episode III“ hier am interessantesten. Leider begrenzen die schauspielerischen Möglichkeiten von Hayden Christensen ein wenig die Entwicklung. Der Kanadier macht seine Sache aber solide. Der Ton ist im Gegensatz zum Kindertheater „Episode I“ und der romantisch angehauchten „Episode II“ deutlich düsterer, leider aber nicht dreckiger, da die CGI-Animationen viel Sterilität ausstrahlen.

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Seine Inszenierung gliedert Lucas an die Technik der vorangehenden Teile an. Nach der Einführung trennt er die Hauptpersonen, in diesem Falle Schüler Skywalker und Meister Kenobi, um sie an verschiedenen Fronten kämpfen zu lassen und später im großen Finale wieder zusammenzuführen. Das hat nicht ganz die Dramatik von „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, wo dieses Prinzip in Perfektion vorgeführt wurde, ist aber dank eines schnellen, guten Schnitts dennoch sehenswert. Ebenso beeindruckend ist die Vielfalt der Welten, die der Film hervorbringt. Selbst die Wookies, inklusive Chewbacca (Peter Mayhew), spielen eine kleine Rolle. Ihr Heimatplanet ähnelt allerdings frappierend unserem irdischen Thailand, so wie der Comer See seinen Weg in den „Angriff der Klonkrieger“ fand. Ansonsten wurde noch in Tunesien, der Schweiz, China und Italien sowie in Studios in Australien und England gedreht. Die Schlusssequenz als Obi-Wan den Säugling Luke Skywalker an Owen und Beru übergibt, wurde übrigens bereits während der Dreharbeiten zu „Episode II“ in Tunesien gefilmt, um den Schauspielern drei Jahre später die Reisestrapazen zu ersparen.

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Auf der technischen Ebene zeigt Lucas einerseits Außergewöhnliches, macht aber auf der anderen Seite einen großen Fehler, der „Episode III“ ein Stück weit von einem Meisterwerk wegführt. Sensationelle Panoramen sind famoses Augenfutter, das den Betrachter in Erstaunen versetzt. Die Raumschlacht zu Beginn ist auch Sound-technisch ein Genuss und die spektakulären Lichtschwert-Duelle sind von enormer Rasanz. Das Problem: Lucas übertreibt es mit der digitalen Herrlichkeit und schießt vor allem im Finale über das Ziel hinaus. Irgendwann wähnt sich auch der letzte Zuschauer in einem Videospiel und kann die Grenze zum Kinofilm kaum noch ziehen. Diese Verneigung vor den Zeichen der Zeit ist aber nicht der größte Kritikpunkt. Nicht gerade förderlich wirkt die Tatsache, dass sämtliche Schauspieleraufnahmen im Studio gedreht wurden. Schlimmer wirkt Lucas’ seltsamer Wahn, digitale Schauspieler zu erschaffen. Das ging mit Jar Jar Binks in „Episode I“ fürchterlich in die Hose und auch der in der ersten Hälfte als Erzbösewicht aufgebaute General Grievous ist eine ärgerliche Nullnummer, die jegliches Charisma vermissen lässt. Der Charme geht bei diesen staksigen Computeranimationen komplett verloren - das wollte Lucas nie erkennen. Als der zum Sith Lord Darth Sideous mutierte Kanzler Palpatine ins Zentrum des Bösen rückt, bekommt der Film wieder mehr emotionale Angriffsfläche. Ian McDiarmid spielt seinen Part ohne Schnörkel und offenbart seine Verschlagenheit erst nach und nach. Die weiteren menschlichen Hauptdarsteller lassen sich ebenso wenig zu Schulden kommen.

Auch wenn Ewan McGregor immer noch unterfordert ist und Natalie Portman nur als Blickfang dient, gibt es an den Leistungen nichts zu mäkeln. McGregor ist sogar so gut, wie in keinem der Teile zuvor und zeigt Profil. Die Love Story zwischen Anakin und Padme köchelt auf kleiner Flamme, weil Lucas erkannt hat, dass sie bei „Angriff der Klonkrieger“ schon für die Längen gesorgt hat. Der heimliche Star des Films ist wieder einmal ein anderer. Meister Yoda, der noch genug Kredit genießt, um seine Herkunft aus dem Computer verkraften zu können, dominiert auch Teil III mit seiner Weisheit und seinen filigranen Kampfkünsten. Hier keimt er manchmal ganz sanft auf, der Mythos „Star Wars“. Die Droiden C-3PO (Anthony Daniels) und R2-D2 (Kenny Baker), die als einzige in allen sechs Teilen dabei sind, verpassen dem Film eine gehörige Portion Charme, was angesichts der teils seelenlos wirkenden Materialschlacht dringend notwenig ist. Vor allem zu Beginn hat R2-D2 einige kultverdächtige Einlagen. George Lucas’ Cameoauftritt als blauhäutiger Baron Paranoida ist übrigens der erste überhaupt in einem „Star Wars“-Film.

„Die Rache der Sith“ ist keine offensichtliche Enttäuschung - lediglich im Detail verhindern Mängel ein Meisterwerk. Der Sci-Fi-Actioner bleibt im Rahmen der Erwartungen der Saga. An die alte Trilogie kann auch die 115 Millionen Dollar teure „Episode III“ nicht anknüpfen.
Positiv zu vermerken ist die Rückkehr zu mehr Härte. In keinem anderen Teil werden mehr Gliedmaßen abgetrennt - es geht rustikal zur Sache. Und auch absolute Brillanz kommt wenigstens einmal auf. Als sich Anakin Skywalker vor einem grandiosen Landschaftspanorama gedanklich auf die dunkle Seite der Macht schlägt, ist dies ein musikalisch eindrucksvoll untermauerter Gänsehautmoment, der leise begeistert. Dazu ist die opernhaft inszenierte finale Wandlung von Anakin zu Darth Vader eine tiefe Verbeugung vor den Erwartungen der Fans - hier macht Lucas alles richtig und beschließt seine Trilogie in Würde.

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