Zur Kritik
- Home
- Kino
- TV
- DVD
- Stars
- Trailer
- Mobil
- Specials |
- Nachrichten |
- Community |
- Services

- Kinoprogramm
- Trailer & Clips
- Cast & Crew
- Kritiken
- FILMSTARTS-Kritik
- Pressespiegel
- User-Kritiken
- Bilder
- DVD
- Wissenswertes
Von Carsten Baumgardt
Was tun, wenn der Lebenstraum auf die bitterste erdenkliche Art und Weise brutal zerplatzt ist? Al Gore, Fast-Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, machte das, womit keiner gerechnet hat: Er besann sich auf seine Wurzeln als Umweltaktivist und ging mit einer multimedialen Show auf Tour, zog von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, um seine Öko-Botschaft zu verbreiten. Die Menschheit sitzt auf einer Zeitbombe, die nächste Klimakatastrophe steht unmittelbar bevor. Wird in den nächsten zehn Jahren nichts unternommen, kollabiert das Weltklima, so Gores Fazit. TV-Regisseur Davis Guggenheim („24“, „Alias“, „Deadwood“) bringt das Anliegen des ehemaligen Vize-Präsidenten in der Dokumentation „Eine unbequeme Wahrheit“ auf die große Leinwand, um einer breiteren Masse Gores bewundernswerten Feldzug näher zu bringen. Auch wenn der ur-amerikanische Stil der Herangehensweise zuweilen nervt, sollte sich jeder verpflichtet fühlen, diesen Film anzuschauen.
Die Thesen, die Al Gore in seiner Präsentation unter das Volk bringt, sind für das gute alte Europa größtenteils nichts bahnbrechend Neues, aber in den USA - dem Land, das bis heute das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hat und als größter Energieverbraucher der Welt gilt - stoßen seine Botschaften auf enormes Erstaunen, weil sie für viele schlichtweg neu sind. So ist Gores Show, die er ohne großen Wirbel mehr als 1.000 Mal präsentiert hat, auch zu hundert Prozent auf die amerikanische Volksseele ausgerichtet. Daran kommt auch Regisseur Guggenheim nicht vorbei. Mit einer Mischung aus harten Fakten, Witz und Charme tritt Gore seine Aufgabe als Mahner mit riesiger Leidenschaft an. In einem oft humoristischen Grundton serviert er dramatische wissenschaftliche Daten, kombiniert diese mit Cartoons, Schaubildern und Grafiken, um jedem den Zugang zu erlauben. Aber Gores Botschaft ist einfach zu wichtig, als dass ein Herunterbrechen auf ein niedriges Level stilistisch ernsthaft zu kritisieren wäre.
Guggenheim hat das Potenzial von Gores famoser Personality-Show sofort erkannt, doch ihm war ebenso bewusst, dass für eine Kino-trächtige Dokumentation in großem Stil mehr nötig ist, als das schnöde Abfilmen der Präsentation. Und so wird „Eine unbequeme Wahrheit“ ganz nebenbei zur einer Light-Biographie von Al Gore, den das Drehteam rund um den Erdball begleitete. Der Demokrat gibt Einblick in seine Gedankenwelt, schildert seine Herkunft und seine Ziele. Drei Ereignisse dokumentieren die Eckpunkte in Gores Leben: ein Autounfall, der seinem kleinen Sohn beinahe das Leben kostete, der Tod seiner Schwester, die an Lungenkrebs starb und die historische, umstrittene Wahlniederlage im Jahr 2000 gegen George W. Bush. Diese zusätzliche Ebene der unaufdringlichen Charakterzeichnung bringt die Dokumentation spürbar voran.
Gore ist ein Medien-erfahrender Vollprofi, das ist in jeder Sekunde von „Eine unbequeme Wahrheit“ allgegenwärtig, doch das nahe liegende Verfallen in Politiker-Manierismen fällt selten auf, auch, wenn es nicht vollständig zu verhindern ist. Dennoch ist seine Warnung parteiunabhängig und tendenziell eher amerikaunfreundlich. Mit dem bloßen Aufzeigen der Missstände ist es aber nicht getan, Gore fordert jeden Filmbesucher explizit zum Handeln auf, dieser ur-amerikanische Pragmatismus ist selbst für die kühlen Europäer ein Stück weit erstrebenswert. Der Analyse und Erkenntnis folgt das direkte Reagieren.
Das ausgesprochen Sympathische an Gores Aktionismus ist die bescheidene Taktik, seine Botschaft zur Not persönlich anzubringen, egal ob in überfüllten Turnhallen oder schicken Kongresssälen, der Mann spricht auch vor 100 Leuten, wenn er denkt, etwas zu bewirken. Das beinhaltet natürlich auch eine gewisse Naivität, die seinem Vortrag manchmal nicht abzusprechen ist, aber eine Kritik hieran ist nicht relevant und entspräche nur europäischer Arroganz. Vielmehr sollte jeder froh sein, dass in der einflussreichsten Nation der Welt noch jemand aufsteht, dessen Wort Gewicht hat und der Menschen offensichtlich erreicht, wie die exzellenten Einspielzahlen aus den USA beweisen.
Eine bittersüße Frage drängt sich unabhängig von „Eine unbequeme Wahrheit“ förmlich auf: Was wäre passiert, wenn der kompromisslose Umweltschützer Al Gore 2000 bei der Mauschelei-umwitterten Präsidentenwahl gewonnen hätte? Es ist nicht schwierig, sich auszurechnen, dass die USA dann heute wohl kaum die aktuell meistgehasste Nation auf Erden geworden wäre und eine weit umsichtigere Umweltpolitik betrieben hätte, als die Bush-Adminstration, die Gores Warnungen nicht einmal ernst nimmt...
Anhang (Infos: Verleiher UIP)
Biographie Al Gore:
Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore ist Vorsitzender von Generation Investment Management, einem Londoner Unternehmen, das sich auf ökologisch orientierte Investitionen spezialisiert. Er ist zudem Vorsitzender von Current TV, einem unabhängigen Kabel- und Satellitenprogramm für junge Leute, dessen Programm eine Mischung aus Zuschauerbeiträgen und professionellem Journalismus bietet.
Al Gore ist Mitglied im Vorstand von Apple Computer, Inc. sowie Senior Advisor von Google, Inc. Als Gastprofessor unterrichtet Al Gore an der Middle Tennessee State University in Murfreesboro, Tennessee.
Al Gore wurde 1976 zum ersten Mal ins amerikanische Repräsentantenhaus gewählt und war dort vier Wahlperioden lang als Abgeordneter tätig. 1984 und 1990 wurde er in den US Senat gewählt. Am 20. Januar 1993 wurde er als 45ster Vize-Präsident der USA vereidigt. Al Gore arbeitete als führendes Mitglied im ökonomischen Beraterstab von Präsident Bill Clinton. In seiner politischen Karriere war er Präsident des Senats, Kabinettsmitglied, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats und leitete zahlreiche Gremien der Regierung.
Unter der Clinton-Gore-Regierung engagierte sich Al Gore maßgeblich für den globalen Umweltschutz und veröffentlichte 1992 den Bestseller „Wege zum Gleichgewicht. Ein Marshallplan für die Erde” (Earth in the Balance: Ecology and the Human Sprit).
Al Gore lebt mit seiner Frau Tipper in Nashville, Tennessee.
Gores Fakten über die globale Erwärmung:
Was ist die globale Erwärmung?
Erstaunliche wissenschaftliche Fakten über die globale Erwärmung
Erwartete Folgen durch den Temperaturanstieg
Was getan werden kann?
Weitere Informationen
Von Joss Whedon
Mit Robert Downey Jr., Chris Evans
Action
Von James Cameron
Mit Leonardo DiCaprio, Kate Winslet
Drama
Von Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg
Mit Jason Biggs, Alyson Hannigan
Komödie
Sichert

