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5 - Spitzenklasse
Irland 1920. Der junge Arzt Damien O`Donovan ist im Begriff Irland zu verlassen, um in einem englischen Krankenhaus eine Arbeitsstelle anzutreten.
Vor seiner Abreise wird Damien Zeuge der Greueltaten der Black and Tans, wirft seine Pläne über Bord und schliesst sich der Irish Republican Army an, um für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Landes zu kämpfen. Sehr zur Freude seines idealistischen Bruders.
Doch die Umbrüche nach dem 6. Dezember 1921 und dem umstrittenen anglo-irischen Vertrag bringen eine tragische Wende mit sich. Während Damien weiterhin für ein gänzlich unabhängiges Irland kämpft, schließt sich sein Bruder der Armee des neuen Freistaates an. Aus Brüdern werden Rivalen.
Regisseur Ken Loach erzählt die Geschichte eines großen politischen Konfliktes, welcher bis in unsere Tage nachwirkt. Eines Konfliktes, welcher Parallelen zu politischen Unruhen aus längst vergangenen Zeiten, zu aktuellen Situationen und Situationen, die auch in ferner Zukunft nicht unwahrscheinlich erscheinen, aufweist. Eine der deutlichsten Parallelen erscheint im Zusammenhang mit dem Irakkonflikt und der britischen Beteiligung.
Ken Loach sieht seinen Film allerdings erstrangig als Ermutigung, Loyalitätskonflikte horizontal über nationale Grenzen hinweg zu sehen. Eine Ermutigung, Verantwortung zu tragen, aus Fehlern zu lernen und soziale Pflichten bewußt anzunehmen.
"The Wind That Shakes The Barley" ist somit hochgradig relevantes, aktuelles, aber auch zurecht kontroverses und umstrittenes Kino.
Denn Ken Loach verzichtet zu einem großen Teil auf eine differenzierte Darstellung des irisch britischen Konfliktes. Vor allem die Antriebe der englischen Soldaten erhalten keine plausiblen und vielschichtigen Hintergründe. Der einzige Aspekt, den Loach herausarbeitet, ist die Gewalt, mit der englische Soldaten den Irländern begegnen. Schmerzhaft direkt führt er dies seinen Zuschauern vor Augen und findet darin eine der Rechtfertigungen für das Aufbegehren der IRA.
Aber darin liegt auch ein Funken Wahrheit und eine Besonderheit des Filmes. Denn Loach macht dem Publikum begreiflich, auf welcher Seite sein Herz schlägt. Sein engagierter Ansatz ist ein sozialer, linker Ansatz. Und so fragwürdig das auch sein mag, ist es doch eine mutige, sehr persönliche Stellungnahme. Und genau das bereichert "The Wind That Shakes The Barley" um einen leidenschaftlichen, subjektiven Blickwinkel fernab der üblichen politisch korrekten Herangehensweise. Das Werk ist in diesem Fall stark mit den Ambitionen und Ansichten seines Schöpfers verbunden, der seine künstlerischen Freiheiten nutzt. Es bietet eine interessante, weil gewagte und diskussionswürdige Einsicht.
Und wie auch immer der Zuschauer mit diesem Werk und seinen Tendenzen umgehen wird, wird er doch nicht drum herum kommen, über Loachs Anliegen und Themen kritisch nachzudenken. In welcher Weise auch immer.
Trotz allem ist Loach aber weit davon entfernt, die irischen Freiheitskämpfer als Helden und Sympathieträger zu inszinieren. Vielmehr durchleuchtet er sehr komplex die internen Konflikte und zeigt am Ende, daß es in einem solchen Drama nur Verlierer und keine Gewinner geben kann. Der Bürgerkrieg endet in unvermeidlichen, menschlichen Tragödien und erntet allen voran vergiftete Früchte.
So düster dieses Resultat, so düster ist auch Ken Loachs Film geraten. Wahrscheinlich sogar das düsterste seiner Werke. Die gescheiterten Seelen, welche Loach seinen Charakteren einverleibt, haben keine Zukunft und keine Liebe, wohin sie sich flüchten könnten. Und auch dem Zuschauer scheinen sich kaum wärmende Zufluchtsmöglichkeiten zu bieten.
Diese inszenatorische und inhaltliche Konsequenz machen den Film insgesamt nicht einfach. Ganz im Gegenteil lastet eine bedrückende Schwere auf ihm. Aber anders und besser hätte man ein solches Thema nicht aufgreifen können. Und eben das macht die eindringliche Dramatik des Filmes aus.
Ken Loach schafft eine zutiefst bewegende, pessimistische und dichte Atmosphäre. Dazu bedient er sich nur sehr selten klassischer filmischer und dramaturgischer Mittel. Vielmehr reduziert er diese, um einen prägnanten, sozialen Realismus zu erreichen.
Lediglich in den beeindruckenden Bildern irischer Landschaften sind leichte Stilisierungen erkennbar. Aber diese sind sehr dezent und erfüllen auch einen Zweck. Denn sie versinnbildlichen die Schönheit des Landes, für das seine Männer überzeugt und kompromisslos kämpfen.
In den Landschaften scheint sich auch Ken Loachs poetische Metapher der vom Wind gespalteten Gerste wiederzuspiegeln. Sie steht für die jungen Männer, die sich in den Kriegswirren verlieren, gespalten und getrieben werden.
Insgesamt ist ihm damit ein teilweise unbequemer, aber auch meisterhaft vorgetragener, nachhaltig wirkender und beeindruckend ambitionierter Film gelungen.
Politisches Kino, das nicht unterhalten, sondern vielmehr sein Publikum herausfordern möchte.
Somit scheint es nur logisch, daß "The Wind That Shakes The Barley" in Cannes mit der goldenen Palme ausgezeichnet wurde. - Das aber auch wohl verdient!
Hinzugefügt am 15.01.2007 um 19:04 Uhr
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