Mein Konto
    The Return
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    The Return
    Von Christoph Petersen

    Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Das Horrorgenre lässt sich grob in zwei Bereiche einteilen. Zum einen gibt es den Slasher, in dem irgendwelche handfesten Killer hinter den kreischenden Teenies herhecheln – typische Vertreter sind die Scream-Trilogie, Texas Chainsaw Massacre, See No Evil oder Unbekannter Anrufer. Und dann gibt es noch die psychologischen/mystischen Horrorfilme, in denen der Schwarze Mann keine reale Gestalt, sondern vielmehr eine imaginäre oder übersinnliche Kraft ist, Der Fluch, Reeker, The Nun oder Pulse würde man in diese Kategorie einordnen. Asif Kapadias Horror-Thriller „The Return“ ist nun gerade deshalb interessant, weil er diese beiden Subgenres miteinander kombiniert. Hauptfigur Joanna hat Tagträume, in denen ihr ein Mann in jeder dunklen Ecke auflauert – bis zur Auflösung weiß der Zuschauer nicht, ob die Traumgestalt nun real oder nur ein Geist aus Joannas Vergangenheit ist. Wegen seiner Schlichtheit und Geradlinigkeit ist der Film so zwar keinesfalls für den ausufernden Partykinoabend geeignet, aber für Genreinteressierte, die sich auch schon für eine vorsichtige Variation der altbekannten Muster begeistern können, ist „The Return“ aber dennoch auf jeden Fall sehenswert.

    Seit einem Autounfall, an dem sie als junges Mädchen beteiligt war, wird Joanna (Sarah Michelle Gellar) von Psychose-ähnlichen Visionen geplagt, in denen sie von einem großen Mann mit schweren Stiefeln gejagt wird. Irgendwann hat sie es dann einfach nicht mehr ausgehalten und ist vor ihrer Vergangenheit geflüchtet. Doch nun kehrt sie beruflich in ihre Heimat Texas zurück. Hier muss Joanna sich nicht nur mit ihrem Stalker-Ex-Freund Kurt (Adam Scott, Aviator, Mord und Margaritas) und ihrem Vater (Sam Shepard, Don´t Come Knocking, Bandidas) herumschlagen, auch Anzahl und Intensität ihrer Anfälle nehmen wieder zu. Zufällig trifft sie den geheimnisvoll, aber auch gefährlich wirkenden Terry Stahl (Peter O´Brien), der ihr zumindest ein wenig Halt gibt. Nach und nach wird Joanna klar, dass ihre Visionen in irgendeiner Weise mit dem schrecklichen Mord an Stahls Frau Michelle (Kate Beahan, The Wicker Man, Flightplan) zusammenhängen. Bald wird Joanna dem Schwarzen Mann ihrer Träume auch in der Realität gegenüberstehen…

    Ein 08/15-Teeniegemetzel konnte man von Regisseur Asif Kapadia, der mit seinem Langfilmerstling - dem britisch-indischen Abenteuerdrama „The Warrior“ - neben zahlreichen anderen Preisen auch zwei BAFTA Awards (britische Oscars) einheimsen konnte, wohl kaum erwarten. Und so präsentieren sich große Teile von „The Return“ auch eher als ambitioniertes Drama denn als einfacher Horrorschocker. Für Kapadia ist es ganz offensichtlich wichtiger, Joannas Angst zu ergründen, als dem Zuschauer solche zu machen. Blut fließt hier nur vereinzelt und auch dann nur tröpfchenweise, vielmehr dominiert der Horror des Alltäglichen das Geschehen: Da man nie weiß, wann Joannas Anfälle wieder einsetzen, und diese dann auch nicht von allzu langer Hand musikalisch angekündigt werden, ist zwar nervenzerfetzende Spannung absolute Mangelware, aber eine durchgehend subtile ist dafür in wirklich jeder Szene vorhanden.

    Mutig ist auch die Uneindeutigkeit, mit der sich Kapadia vielen seiner Charaktere nähert. Bis zur Auflösung weiß man als Zuschauer nicht, welche Figuren nun mit dem mysteriösen Puzzle in Verbindung stehen und welche nur dazu da sind, Joannas psychischen Probleme mit auszugestalten. Besonders die Rolle von Ex-Freund Kurt sprengt dabei übliche Horrordramaturgien, weil er bis zum Schluss nicht in irgendein klassisches Schema einsortiert wird. Auch in Bezug auf die Story lässt Kapadia sein Publikum lange im Unklaren – wohin Joanna ihre Reise außer nach Texas noch führen wird, ist für den Zuschauer genauso unabsehbar wie für sie selbst. Dazu passt auch die sehr atmosphärische Inszenierung, die gemeinsam mit dem ungewöhnlichen dramaturgischen Aufbau für einen eigenartigen Schwebezustand sorgt, der Joannas surrealen Anfälle perfekt unterstreicht.

    Die Rolle der Joanna, die zwischen ängstlichem kleinen Mädchen und selbstbewusster Powerfrau schwankt, ist für einen Horrorfilm von angenehmer Komplexität. Und Sarah Michelle Gellar (Scooby Doo, Scream 2, Southland Tales) wird dieser nicht einfachen Aufgabe, auch wenn sie nicht ganz an die Qualitäten von Jennifer Connelly herankommt, die in Dark Water eine ähnliche Figur gespielt hat, absolut gerecht – verglichen mit ihrem eindimensionalen Auftritt in Der Fluch ein schauspielerischer Quantensprung. Etwas anders liegt der Fall bei ihrem Gegenüber Peter O´Brian. Ihm nimmt man zwar den rauen Texaner mit zwielichtiger Vergangenheit ab, aber den einfühlsamen Sympathen – no way! „The Return“ ist ein schlichter, komplett unspektakulärer Horrorfilm, der seine Berechtigung aus der starken Hauptfigur und der atmosphärischen Inszenierung zieht. Ob man den zwar gelungenen, aber halt konsequent geradlinigen – keine überraschenden Storytwists, keine echten Terrorpassagen, keine allzu lauten Effekte – Film aber unbedingt auf der großen Leinwand sehen muss, ist allerdings noch eine ganz andere Frage.

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top