Kritik:
Als ich vor zehn Jahren zum ersten Mal eine Reihe von Argento-Filmen sehen "musste" (Profondo Rosso, Suspiria, Inferno, Phenomena, etc....), konnte ich zunächst überhaupt nichts mit ihnen anfangen. Die Geschichten erschienen mir zu dünn, die Handlung weitestgehend langweilig. Für einen richtigen Horrorfilm habe ich mich zu wenig gefürchtet, und für Splatter war mir das alles nicht blutig genug. Und trotzdem konnte ich es nicht lassen: Wieder und wieder musste ich Argentofilme schauen, nur, um wieder enttäuscht zu werden... Vielen wird es gehen wie mir: Argento ist weit weg von Konventionen, von dem üblichen Filmverständnis, weit weg von einem guten Geschichtenerzähler (Und das war auch schon entgegen der landläufigen Meinung bei "Spiel mir das Lied vom Tod" so) - Argento ist Argento. Argento ist anders. Und um Argento zu mögen, muss man sich auf ihn einlassen. Was mir zunächst nicht gelingen wollte, habe ich dank "Inferno" und "Phenomena" dann doch noch geschafft...
Und wenn ich heute einen Argentofilm sehe, dann weiß ich: Erst Gehirn abschalten und dann einfach nur noch geniessen - den Film wie ein Traum verstehen, in die Bilder eintauchen und selber ein Teil von einem großen wunderschönen Gemälde werden. Vielleicht ist Argento wie "Sting"... man muss ihn mehrmals hören bzw. sehen, bis man ihn mag. Aber wenn man ihn mag, dann kann man nicht mehr anders, als ihn zu lieben.
"Suspiria" ist für mich kurz gesagt ein ganz grosser "Knaller". Die Bilder sind von überirdischer Schönheit und Romantik. Man kann kaum von einem Horrorfilm reden, denn die Atmosphäre ist so dicht und von zartem Schauder, dass man sich nichts anderes wünscht, als selber in diesem verfluchten Haus zu sein und die Hexe Suspiriorum bzw. Helena Markos zu jagen. Über Logik oder Motivation der Charaktere darf man hier nicht nachdenken - damit tut man sich selbst keinen Gefallen. Aber wenn man dazu bereit ist, so zahlt "Suspiria" dieses Opfer zehnfach zurück und wird zu einem atemberaubenden, unvergesslichen Filmerlebnis. Und wenn es dann zu dem großen Show-Down kommt, auf den Argento beinahe unerträglich lang warten lässt, so bekommt man einen Horror geliefert, der so alptraumhaft und furchtbar ist, dass man sich auf die Zunge beissen muss, um nicht laut aufzuschreien. Das Mittel ist einfach - und doch so genial umgesetzt. Die Hexe deutet auf die Tür, hinter der sich angeblich die Hölle befindet, die Türe öffnet sich und man möchte gar nicht erst wissen, was dahinter ist, aus Furcht, man könne das Grauen nicht ertragen. Und was dann aus der Türe kommt, übertrifft sogar alle Erwartungen an das Schreckliche. Und doch muss man immer wieder zurückspulen und es sich wieder und wieder anschauen. Denn so schlimm es ist, was da kommt - es ist wunderschön.
Das ist Argento. Argento ist anders.