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3 - Nicht schlecht
Ein kleines Café auf Coney Island, New York, eine Zufallsbegegnung und ein Blaubeerkuchen. So lässt der in Hongkong groß gewordene Regisseur Wong Kar Wai seinen neuen Film beginnen. Der Chinese ist Stammgast auf europäischen Filmfestivals und erntete insbesondere für seine Filme „In The Mood for Love“ und „Happy Together“ viel Lob sowie eine Reihe von Filmpreisen. Sein neuestes Werk „Meine Blaubeernächte“ ist ein weiteres Beispiel für die Experimentierfreunde und das Innovationsvermögen des Mannes aus Schanghai. In den Hauptrollen zu sehen: die Sängerin Norah Jones und der Brite Jude Law.
Elizabeth, souverän gespielt von Norah Jones, lernt den sympathischen Jeremy in dessen Café kennen, isst Kuchen mit ihm, verschwindet dann aber ebenso schnell wieder von der Bildfläche, wie sie das Café betreten hat. Und es ist wie immer in der Liebe: Kaum hat man sich getrennt, weiß man erst, was einem fehlt… Jeremy jedenfalls ist klar: Er muss diese wunderbare Frau wiedersehen! Lose bleiben die beiden in Kontakt, während Elizabeth ziellos durch die USA reist und dabei eine Reihe von Zufallsbekanntschaften macht, zum Beispiel mit dem von der Britin Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) gespielten Sargnagel des deprimierten Arnie. Der Polizeibeamte, der etwas zu viel trinkt, wird von der Entnervten nämlich ziemlich rüde abserviert. Zerbrochene Träume, zerbrochene Seelen, davon handelt dieser Film.
„Wenn man tot ist, bleiben nur die Erinnerungen, die man bei andern hinterlassen hat“, ist einer von vielen fast lyrisch anmutenden Sätzen, die dem avantgardistischen Film des Chinesen ein besonderes Gepräge geben und nachdenklich stimmen. Einen starken Auftritt hat auch die gebürtige Jerusalemerin Natalie Portman als abgebrühte Zockerin, die mit Elizabeth durch die Gegend gondelt. Ziellos wie seine Hauptfigur, wie fast alle seine Figuren wirkt auch Wongs Film, der an Wim Wenders’ ähnlich spontan, das heißt ohne einengendes Drehbuch-Korsett entstandenes Werk „Paris, Texas“ erinnert, nicht zuletzt durch die starke Rolle, die der Filmmusik zukommt. Schon Wenders ließ nämlich den genialen Gitarristen Ry Cooder über Drehbuchschwächen hinwegklampfen. Wong Kar Wai ist ein Bild-Besessener. Von sich selbst sagt er, dass er eigentlich nur einen einzigen langen Film dreht, und die "Blaubeernächte" sind gewissermaßen ein Ausschnitt daraus. Das Drehbuch sieht er als knet- und formbare Substanz, was sich in einer mitunter recht willkürlichen Handlungsführung niederschlägt. Doch Freunde finessenreicher Filmkunst wird die ästhetisch-sinnliche Note dieser melancholischen Gefühls-Odyssee gleichwohl erfreuen. Sie verdankt sich einigem Aufwand und noch mehr Akribie: Die finale Kuss-Szene zwischen Norah Jones und Jude Law etwa nahm sage und schreibe drei Drehtage in Anspruch!
(Eine Gastkritik von film-o-meter.de)
Hinzugefügt am 24.01.2008 um 19:20 Uhr
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