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    The Courier
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    The Courier
    Von Philipp Schleinig
    Etliche Preise konnte Regisseur Hany Abu-Assad im Lauf seiner elfjährigen Karriere schon einheimsen – für Filme, in denen er sich in dokumentarischer oder in dramatischer Art und Weise mit dem Nahost-Konflikt auseinandersetzt. Für sein bekanntestes Werk „Paradise Now" wurde der Filmemacher palästinensischer Abstammung sowohl mit dem Europäischen Filmpreis für das Beste Drehbuch, als auch 2006 mit dem Golden Globe in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet. Nach diesem Erfolg verschlug es Abu-Assad nach Los Angeles und er versuchte, in Hollywood Fuß zu fassen. Nach zwei angekündigten, aber nicht realisierten Projekten folgte 2011 endlich der erste englischsprachige Spielfilm des Regisseurs, der Action-Thriller „The Courier", für den er immerhin Stars wie Jeffrey Dean Morgan („Watchmen"), Mickey Rourke („The Wrestler") und Til Schweiger („Keinohrhasen") verpflichten konnte. Allerdings fällt Abu-Assads Inszenierung dieser Charismatiker arg konventionell aus, die Action- und Kampfszenen setzt er auch nur halbherzig um und schließlich verrennt er sich in einem abstrusen Finale.

    Der Kurier (Jeffrey Dean Morgan) verfolgt ein einfaches Geschäftsprinzip: Pünktliche Auslieferung und keine Fragen. Dass es sich bei seiner Fracht nicht um simple Gebrauchsgegenstände handelt, wird schnell klar, als ein zwielichtiger FBI-Agent (Til Schweiger) ihn bittet, einen Koffer an den gefürchteten Unterweltboss Evil Sivle (Mickey Rourke) auszuliefern. Da dieser Gerüchten zufolge von den Toten wiederauferstanden sein soll und von ihm wie von einem Phantom gesprochen wird, muss der Kurier den mysteriösen Gangster erst einmal ausfindig machen. Dabei erhält der namenlose Bote unerwartete Unterstützung von der jungen Asiatin Anna (Josie Ho), die ihm sein Freund Stitch (Mark Margolis) an die Seite stellt. Doch je näher sie Evil Sivle kommen, desto gnadenloser jagen ihnen auch zwei schattige Handlanger (Lili Taylor, Miguel Ferrer) des Unterweltfürsten hinterher...

    Die Story um diesen geheimnisvollen Kurier, dessen Vergangenheit sich trotz einiger kurzer Erinnerungseinschübe kaum erahnen lässt, dürfte Genrefreunden bekannt vorkommen. Das unübersehbare Vorbild ist natürlich „The Transporter" aus der Action-Schmiede von Luc Besson. In dem Überraschungserfolg, der bereits zwei Fortsetzungen nach sich zog, spielt Jason Statham („Crank") ganz wie Jeffrey Dean Morgan einen Kurierfahrer, der illegale Frachten schnellstmöglich an ein gewünschtes Ziel transportiert. Es gibt zahlreiche weitere Parallelen zwischen „The Courier" und diesem Vorbild: So arbeiten beide Zusteller äußerst präzise und behalten die bis zum Abgabetermin verbleibende Zeit auf einer Uhr am Handgelenk ganz genau im Blick, beide brechen bei Bedarf aber auch ihre eigens aufgestellten strengen Berufsregeln und finden sich dann in Verfolgungsjagden und Schusswechseln mit skrupellosen Verbrechern wieder. Dass „The Courier" auch noch ganz wie der „Transporter" im ersten Teil eine Asiatin als weiblichen Sidekick bekommt, ist dann vielleicht doch etwas zu viel des Guten.

    Die zahlreichen Ähnlichkeiten fordern einen direkten Vergleich mit „The Transporter" geradezu heraus und dabei schneidet „The Courier" erwartungsgemäß nicht besonders gut ab. Und wenn sich Abbu-Assad mit einem überraschenden Finale doch noch emanzipieren will, dann wirkt das Ganze völlig an den Haaren herbeigezogen. Aber auch vorher schon folgt das Geschehen nur selten einer inneren Logik. Der Regisseur und seine beiden Debüt-Drehbuchautoren Pete Dris und Brannon Coombs geben wenig auf einen schlüssigen Zusammenhang. Wenn der Titelheld etwa einen Piloten für den Flug nach St. Louis benötigt, dann zaubern sie prompt und ohne sinnstiftende Umschweife Anna aus dem Hut. Dass der Fahrer und die Fliegerin bald eine Affäre beginnen, folgt nach dieser rein schematischen Logik fast schon zwangsläufig, entsprechend wird auch keinerlei Mühe darauf verwendet, das Verhältnis stimmig in die Story einzuweben.

    Es ist im Genrekino keineswegs ehrenrührig, Konventionen zu folgen und bekannte Bausteine zu verwenden. Aber Abu-Assad inszeniert das oft Gesehene wie die besagte Affäre so bruchstückhaft und oberflächlich, dass die Geduld seines Publikums auf eine harte Probe gestellt wird. Auch „The Transporter" war ja kein besonders innovativer Film – klar begeistern konnten dort aber immerhin die wilden Verfolgungsjagden und fetzigen Kampfszenen. „The Courier" ist auch diesbezüglich viel schlichter gestrickt: Verfolgungsszenen sind hier zumeist auf ein simples Wegrennen reduziert, wobei nicht einmal die noch vom Hurrikan Katrina gezeichnete Landschaft New Orleans nennenswert einbezogen wird. Wenn dann die beiden Folterknechte von Evil Sivle plötzlich in biologischen Termini über den Schmerz und den Körper philosophieren, fragt man sich irritiert, was hier eigentlich gespielt wird. Worauf Hany Abu-Abbas damit genau hinauswill, bleibt unklar, aber eines steht fest: „The Courier" ist bis zum Ende ein seltsam inkohärenter Film.

    Fazit: „The Courier" hat gute Darsteller und mit New Orleans eine interessante Kulisse, jede Menge irritierende Drehbuch-Entscheidungen und ein unsinniges Finale machen aus dem Hany Abu-Assads erster Hollywood-Regiearbeit allerdings eine Enttäuschung.
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