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    Bruce allmächtig
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Bruce allmächtig
    Von Jürgen Armbruster
    Würde man es nicht besser wissen, könnte man Jim Carrey fast für zwei verschiedene Personen halten. Auf der einen Seite der Vollblutkomiker, der mit filmischen Junk Food à la „Dumm und Dümmer", der „Ace Ventura“-Reihe oder „Die Maske“ zum Star wurde, auf der anderen Seite der ernstzunehmende Charakterdarsteller aus oft verkannten Meisterwerken wie „The Truman Show" oder „Der Mondmann“. Kaum ein Darsteller Hollywoods beherrscht ein so breites Repertoire wie er, was ihn zu einem der gefragtesten Mimen unserer Zeit macht. Nachdem sein letzter Film „The Majestic" an den Kinokassen gewaltig baden ging, gönnte sich der Star eine zweijährige schöpferische Pause, was er sich bei einem Gehalt von 20 Millionen Dollar pro Film durchaus leisten kann. Nun meldet er sich wieder zurück. In der von Tom Shadyac inszenierten Komödie „Bruce allmächtig" versucht sich der ehemalige Stand-Up-Comidian auf seine alten Stärken besinnen, und zeitgleich die moralische Keule zu schwingen.

    Bruce Nolan ist unglücklich. Doch warum? Gute Frage! Kein Glück in der Liebe? Nein, denn er darf jeden Morgen neben der zauberhaften, ihn über alles liebenden Grace (Jennifer Aniston) aufwachen. Keine vernünftige Wohnung? Nun, eigentlich hat er sein Appartement sogar ziemlich schön eingerichtet. Arbeitslos? Auch nicht. Im Gegenteil. Er ist Außenreporter eines lokalen Nachrichtensenders im schönen amerikanischen Städtchen Buffalo. Doch eben da liegt für Bruce der Hase im Pfeffer. Er ist es leid, nicht ernstzunehmende Reportagen über den größten Keks der Stadt oder das älteste Schiff an den Niagara-Wasserfällen zu drehen. Er möchte seriöse Nachrichten machen und ins Nachrichtenstudio an die Seite von Starreporterin Susan Ortega (Catherine Bell). Doch das Schicksal meint es nicht gut mit Bruce. Während einer Live-Schaltung muss er vor laufender Kamera erfahren, dass nicht er, sondern sein größter Rivale Evan Baxter (Steve Carell) den Job bekommen hat. Da dies nicht die letzte Hiobsbotschaft für Bruce an diesem Tag ist, dreht er irgendwann völlig durch und fordert Gott (verkörpert von Morgan Freeman) auf, endlich seinen Job richtig zu machen. Dieser lässt sich das nicht zwei Mal sagen und stattet Bruce mit allmächtigen Kräften aus. Seine Aufgabe: Zeigen, dass er den besseren Gott abgibt.

    „Bruce allmächtig“ lässt sich ganz klar in drei Abschnitte unterteilen. Im ersten Teil – nennen wir ihn Prolog – werden zunächst die Charaktere eingeführt und die Geschichte ins Rollen gebracht. Hier herrscht eindeutig das Motto „Schadenfreude ist die beste Freude“ vor. Zwar trifft dieses alte Sprichwort nur bedingt zu, aber trotzdem bietet der Film bis dahin einige sehr nette Szenen. Höhepunkt ist Bruce’ Begegnung mit Gott. Der Hauptteil ist eindeutig der interessanteste und lustigste Teil des Films. Wenn wir ehrlich sind, hat sich schon jeder von uns Gedanken darüber gemacht, was wir mit einer göttlichen Macht alles anstellen würden. Es liegt auf der Hand, dass Bruce alles andere als eine Mutter Theresa ist. Da wartet auf einmal ein Sportwagen der Luxusklasse vor der Haustür, dem schleimigen Straßenganoven krabbelt ein Affe aus dem Rektum und der Freundin wird eine üppigere Oberweite verpasst. Sind diese Einfälle originell? Kommen sie unerwartet? Die Antwort ist ein klares „Nein“, doch gerade hier liegt der Reiz. Bruce macht all das, was wir uns auch wünschen würden, aber nicht auszusprechen wagen. Was dann allerdings im letzten Drittel folgt, hinterlässt einen faden Beigeschmack und ist nur selten lustig. Bruce stellt fest, dass Gott zu sein alles andere als eine leichte Aufgabe ist. Er lernt, dass man nicht jeden Wunsch aus jedem Gebet erfüllen kann, da es ansonsten beispielsweise tausende von Lottogewinnern auf einen Tag gibt, und dass selbst eine göttliche Macht niemanden - genauer gesagt Grace – zwingen kann ihn zu lieben. Aus Bruce, dem Gott, wird leider der heftigst mit der Moralkeule um sich schlagende Apostel Bruce. Und die Moral von der Geschicht’: Gott weiß, was gut ist und du nicht… Unterm Strich bietet das Drehbuch der Herren Steve Koren, Mark O'Keefe und Steve Oedekerk eine nette Geschichte, die jedoch am allzu familienfreundlichen Ende krankt.

    Nach „Der Dummschwätzer“ und dem ersten „Ace Ventura“-Streifen ist „Bruce Almighty“ bereits die dritte Zusammenarbeit zwischen Jim Carrey und Tom Shadyac. Shadyac hat daher ausreichend Erfahrung, um genau zu wissen, was er zu tun hat: Einfach die Kamera auf Carrey halten. Der Rest ist ein Selbstläufer. Auch wenn dies sicherlich nicht Carreys schauspielerisch anspruchsvollste Rolle ist, so ist es doch eine Augenweide, ihm bei seinem Spiel zu beobachten. Seine Grimassen, seine Körpersprache… In jeder Einstellung ist seine Vergangenheit als Bühnenunterhalter deutlich zu erkennen. Die Kamera liebt ihn, er liebt die Kamera. Dies ist das simple Rezept hinter seinem Erfolg. Schauspielerisches Highlight ist neben Jim Carrey ganz klar Morgan Freeman („Der Anschlag", „Dreamcatcher"). Die Frage, wie man Gott darstellt, dürfte den Verantwortlichen im Vorfeld heftige Kopfschmerzen bereitet haben. Ihre Lösung, einfach einen mittlerweile 66-jährigen, farbigen Charakterdarsteller in einen weißen Anzug und Lackschuhe stecken, ist so dreist wie genial. Freeman spielt mit einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit fernab jedwedem Over Acting. Die Szenen mit ihm und Carrey sind einfach herrlich. Völlig unterfordert bleibt hingegen „Friends“-Sternchen und Pitt-Gattin Jennifer Aniston. Ihre Szenen sind leider viel zu selten und verlangen ihr zu wenig ab. Eines wird jedoch deutlich: Sie muss sich nach Einstellung der Kultserie „Friends“ (derzeit wird die letzte Staffel gedreht) keine Sorgen um ihre Karriere machen. Zweites Eye Candy neben Frau Aniston ist die aus der TV-Serie „J.A.G – Im Auftrag der Ehre“ bekannte Catherine Bell. Sie hat zwar nichts weiter zu tun, als gut auszusehen, aber das macht sie ohne Abstriche fabelhaft.

    „Bruce allmächtig“ ist sicherlich kein Film, der in irgendeinem Bereich neue Maßstäbe setzt. Ebenso wenig bleibt er ohne Schwächen. Er ist ganz einfach eine solide in Szene gesetzte 08/15-Komödie, mit starken Darstellern und einigen drehbuchbedingten Ausreißern nach unten. Das Klientel ist klar definiert: Alle, die einfach für knapp 100 Minuten abschalten und sich nett unterhalten lassen wollen, sind hier genau richtig. Und wie das US-Einspiel von über 170 Millionen Dollar beweißt, wollen dies viele. „Bruce allmächtig“ ist die erste Sommerkomödie dieses Jahres und als nettes Filmchen zwischen Freibad und Biergarten durchaus zu empfehlen.
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