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    Ghostbusters – Die Geisterjäger
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,5
    hervorragend
    Ghostbusters – Die Geisterjäger
    Von Martin Soyka
    Genre-Crossovers sind immer so eine Sache. Das kann meist gut gehen, wie bei Comedy und Action, oft aber auch nicht. Und zu letzterer Gattung zählen Hybriden aus Grusel und Comedy. Wenn man den Begriff der Gruselkomödie in den Mund nimmt, denkt man unwillkürlich an Gurken wie „Abbott und Costello treffen Frankenstein“ oder dererlei Unsinn. Gruselkomödien verlangen nach einer scharfen Gratwanderung. Sie sollen einerseits witzig sein, andererseits aber auch Angst einflößend. Dieses Problem kann man dadurch lösen, dass man einen Slasher-Film macht und ihn mit witzigen Anspielungen spickt (Scream). Man kann aber auch den anderen Weg gehen und den Film als Komödie planen und sie dann auf gruselig trimmen. Der Trick: Die gruseligen Aspekte dürfen ihrerseits nicht lächerlich wirken. Nur dann kann das Ganze funktionieren. Und genau das haben die Autoren und Darsteller Dan Aykroyd (Blues Brothers) und Harold Ramis („Und täglich grüßt das Murmeltier“) unter der Regie von Komödienspezialist Ivan Reitman in „Ghostbusters“ perfekt hingekriegt.



    „Sie sind gekommen, um die Welt zu retten.“ (Werbespruch)

    „Er schleimte mich voll.“ (Peter Venkman)



    So ein Pech. Da haben die Parapsychologie-Professoren Peter Venkman (Bill Murray), Ray Stantz (Dan Aykroyd) und Egon Spengler (Harold Ramis) endlich den Beweis für paranormale Aktivitäten in Form einer waschechten Geistererscheinung vor den Augen, da werden sie auch schon vom Campus der Uni geworfen. Na gut, die Forschungen der drei kann man nicht wirklich wissenschaftlich nennen, aber die jungen Leute lieben sie (oder so). Und nun? Venkman hat die Idee: professionelle Erforschung und Beseitigung paranormaler Aktivitäten. Die freie Wirtschaft ruft! Da heißt es, flugs das Elternhaus von Ray mit einer Hypothek belasten, eine alte Feuerwache als Firmensitz anmieten und für sich Werbung machen.



    Doch der erste zahlende Kunde lässt auf sich warten. Erst erscheint die verstörte Dana Barrett (Sigourney Weaver), die in ihrem Kühlschrank das Tor in eine fremde Welt vorgefunden hat. So richtig ernst kann die Frau unsere drei Helden zwar nicht nehmen, fühlt sich aber ihrerseits von den meisten der Geisterjäger ernst genommen – bis auf Peter, der sich sofort in sie verknallt und ihr das auch postwendend mitteilt. Während das Geschäft mit der Geisterjagd mit Macht anläuft, häufen sich die Merkwürdigkeiten in Danas Haus. Und just als die Geisterjäger wegen Betruges und Scharlatanerie im Gefängnis weilen, bricht die Katastrophe über New York herein.

    Eigentlich war die Rolle des Peter Venkman für den zwischenzeitlich verstorbenen John Belushi geschrieben worden, aber sein Ersatz Bill Murray füllt den Platz mehr als aus. Gerade seine Performance ist es, die die Gruselkomödie so unglaublich lustig macht. Er hat die besten Einzeiler und die größten Lacher. Aber auch Aykroyd hat sich Stakkato-Monologe in den Mund geschrieben, wie nur er sie von sich geben kann. Und wie der Charakter von Harold Ramis alle Widrigkeiten und Abstrusitäten mit stoischer Ruhe erträgt, ist ebenfalls von nicht zu unterschätzender Komik. Wie auch in anderen Team-Filmen (wie z. B. bei „Star Trek“) funktionieren Helden-Gruppen dann am Besten, wenn man die Eigenschaften eines idealtypischen Protagonisten auf sie verteilt, nämlich Hirn (Egon), Herz (Ray) und – comedymäßig abgewandelt – Mund (Ray). Die verbleibenden restlichen Körperteile gehören dann dem später hinzu stoßenden Vierten im Bunde, dem Afro-Amerikaner Winston (Ernie Hudson).

    Der geballte Witz der Hauptcharaktere trifft nun auf diverse paranormale Erscheinungen, die passend zur Entwicklung der Geschichte immer bedrohlicher werden. Das beginnt mit dem Geist einer alten Lady, der einfach nur bei der Lektüre nicht gestört werden will, über einen gefräßigen Schleimer (der übrigens John Belushi nachempfunden ist) bis hin zu fiesen Höllenhunden. Das genretypische große Monster am Schluss ist zwar nur aus Marshmellow-Schaumgummi und damit ironisch gebrochen, bleibt aber ob seiner Größe und Zerstörungskraft bedrohlich. Nicht umsonst wurden die Special Effects für einen Oscar nominiert, mögen sie auch den heute durch CGI verwöhnten Augen des Betrachters als etwas blutleer erscheinen.

    Wunderbar, wie sich unsere Helden einarbeiten müssen. Ray hat alle möglichen Spielzeuge gebastelt, um die Geister einzufangen und einzusperren, und die müssen am lebenden Objekt getestet werden. Nachdem die Frage, ob es tatsächlich Geister oder dergleichen gibt, für die Hauptfiguren und damit auch für den Zuschauer beantwortet worden ist, nehmen sie ihr neues Handwerkszeug (was nicht weniger unwahrscheinlich ist) mit erfrischendem Selbstverständnis in die Hand. Der erste echte Kunde, ein vornehmes Hotel, ist mit den Leistungen der drei nicht wirklich zufrieden, denn sie verursachen beim Einfangen des Schleimers ein größtmögliches und total unverhältnismäßiges Chaos. Diese ersten Erfolgserlebnisse weichen aber bald der Routine.

    Nett ironisch ist auch, dass ausgerechnet die Frau um Hilfe ersucht, die als Patentante aller toughen Filmheldinnen gilt, nämlich Sigourney Weaver („Alien I – IV“). Hatte sie sich noch vor nicht allzu langer Zeit mit H. R. Gigers Monstrositäten herumzuschlagen, benötigt sie jetzt von drei wenig hart wirkenden Ex-Professoren Hilfe. Klarer Fall, für so abgehobene Probleme ist die Dame einfach zu bodenständig. Aber nicht nur mit Geistern und Dämonen bekommen es die Ghostbusters zu tun, nein, auch mit dem größten Monster, das unser Dasein selbst hervorgebracht hat, nämlich der Bürokratie. Die wird personifiziert durch Walter Peck (William Atherton – Stirb langsam I und II“), der als paragrafenreitender Behördenfuzzi den Laden der Geisterjäger einfach dicht macht. Das Äquivalent der in Comedyfilmen typischen Torte ins Gesicht bekommt er zu spüren. Poetische Gerechtigkeit.

    Zu erwähnen bleibt noch der Soundtrack, der zwischen witzig-skurriler orchestraler Untermalung und 1980er-Jahre-Pop-Score schwankt. Auch der Titelsong von Ray Parker Jr. wurde Oscar-nominiert. „Ghostbusters“ war seinerzeit ein Monsterhit. Erstaunlich genug, dass das obligatorische Sequel fünf Jahre auf sich warten ließ.
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