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Die Geistervilla
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Die Geistervilla
Von Morton Gudmonsdottir
Die Idee klang so schlecht wie trashig. Disney wollte seine Themenpark-Attraktion „Pirates Of The Caribbean“ auf der großen Leinwand verfilmen. Das kuriose Ergebnis, „Fluch der Karibik“: Ein unglaublich launiger Abenteuerfilm, der weltweit zum Blockbuster avancierte und die Kritiker dieser Fast-Food-Vermarktung erst mal mit offenen Mündern verstummen ließ. Doch genau diese Nörgler sind plötzlich wieder gefragt. An Ideenarmut kaum zu überbieten, versuchte Disney, das vermeintliche Erfolgskonzept sofort erneut einzusetzen. Mit fatalen Folgen: Ron Minkoffs Verfilmung der Disney-Attraktion „The Haunted Mansion“ ist so gruselig wie eine Fahrt mit der Geisterbahn auf dem Ratzeburger Rummelplatz. „Die Geistervilla“ ist völlig uninspiriert, die Handlung so belanglos wie der ganze Film und zudem tricktechnisch nicht auf dem neuesten Stand.

Als der Immobilienmakler Jim Evers (Eddie Murphy) mit seiner Familie bei einem Wochenendausflug in einem unheimlichen alten Haus landet, macht er widerwillig Bekanntschaft mit einigen unwillkommenen Mitbewohnern, von denen nicht alle mehr am Leben sind. Mit Hilfe der Wahrsagerin Madame Leota (Jennifer Tilly) und drei verrückten Geistern (u. a. Terence Stamp) stellen sich Jim, seine Frau (Marsha Thomason) und ihre Kids (Marc John Jeffries, Aree Davids) der Aufgabe, doppelten Böden, finsteren Geheimgängen, verzauberten Räumen und lebendigen Gemälden zu trotzen. Denn nur so lässt sich ein jahrhundertealter Fluch brechen, bevor die alte Wanduhr endgültig 13 schlägt.

Quasselstrippe Eddie Murphy ist mit seinen 42 Lenzen in die Jahre gekommen. Mit seinen Hits „Dr. Doolittle 1+2“ und „Der Kindergarten Daddy“ verdiente er sich sein Gnadenbrot. Doch täuschen diese Kassenerfolge nicht über die zunehmende Belanglosigkeit seiner Projekte hinweg. Zudem darf er sich die unrühmliche Ehre auf die Fahnen schreiben, mit „The Adventures Of Pluto Nash“ (Budget: 100 Mio Dollar, US-Einspiel: 3 Mio Dollar) den größten Flop der Filmgeschichte als Hauptfigur getragen zu haben. In Deutschland kam das Sci-Fi-Desaster nicht einmal mehr in die Kinos, Murphy distanzierte sich von dem Werk und verweigerte jegliche Pressearbeit für den Filmstart. Nun also „Die Geistervilla“. Nahtlos setzt er damit seinen Kurs fort. Die Grusel-Mär von Rob Minkoff („Stuart Little“) ist als harmlose Unterhaltung für die ganze Familie gedacht. Allerdings langweiligen sich Zuschauer, die dem Kindesalter entwachsen sind, nach Kräften. Der Mummenschanz entbehrt jeder Inspiration und bedient so ziemlich jedes Klischee des Genres. Wehende Vorhänge, unentdeckte Geheimgänge, Zentnerlasten von Spinnweben, knarrende Türen und fahles Dauerlicht... Wäre das Ganze wenigstens ansatzweise gruselig, hätte „Die Geistervilla“ zumindest ein solider Spaß werden können. Doch auch das ist nicht der Fall.

Auch tricktechnisch ist „Die Geistervilla“ nicht auf der Höhe der Zeit. Diesen CGI-Wahn betrieben zwar auch „Der Herr der Ringe“ (brillant), „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ (übertrieben), aber in diesem Disney-Vehikel nerven die computeranimierten Einstellungen auf Dauer, weil sie allzu deutlich von den realen Szenen zu unterscheiden sind. Lediglich die superbe Ausstattung von John Myhre und die Masken von Rick Baker sind über jeden Zweifel erhaben. Das ist zusammengenommen aber zu wenig, um dem Film das Prädikat „unterhaltsam“ anheften zu können. Zudem hat Drehbuchautor David Berenbaum („Buddy – Der Weihnachtself“) keine überraschenden Einfälle parat, die das Interesse an „Die Geistervilla“ wach halten könnten.

Schauspielerisch bietet das Kinder-Klamauk ebenfalls wenig Erheiterndes. Eddie Murphy fährt seine Quasseltour zwar merklich zurück, verfällt dafür aber ins ebenso nervende Grimassieren. Altmeister Terence Stamp darf dafür Chargieren, was das Zeug her gibt - auch keine dankbare Aufgabe für einen Mimen seines Kalibers. Der Rest geht mit dem faden Skript in der Bedeutungslosigkeit unter. Etwas beunruhigend ist die Tatsache, dass „Die Geistervilla“ in den USA durchaus erfolgreich war und gut 70 Millionen Dollar einspielte. Somit werden die Oberen bei Disney nicht unzufrieden sein. Das Kassenkonzept ging erst mal auf, leider bleiben die Zuschauer dabei auf der Strecke. Denn nun steht zu befürchten, dass Disney den eingeschlagenen Weg der Themenpark-Adaptionen fortsetzen wird. Schließlich ist das Sequel zu „Fluch der Karibik“ bereits beschlossene Sache. Aber wenigstens von diesem Film haben wir keinen Schiffbruch à la „Die Geistervilla“ zu befürchten. Welcome to Disneyland... Mehr Fluch als Segen…
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