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    Russian Ark - Eine einzigartige Zeitreise durch die Eremitage
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    Anonymer User
    3,0
    Veröffentlicht am 6. August 2020
    In RUSSIAN ARK leitet ein Erzähler in den Film. Orientierungslos, gefangen in dieser Geschichte und unwissend was Zeit und Raum anbelangt, sympathisiert er sofort mit dem Zuschauer, dem es ähnlich geht (sofern dieser nicht Filmbeschreibung gelesen hat).
    Der Erzähler findet schnell in Marquis de Custine einen Partner, der in ähnlicher Situation ist und beginnt mit ihm unsichtbar durch die Säle der Eremitage zu huschen, wo sie im One Shot die letzten 300 Jahre russische Geschichte erleben. Währenddessen denkt der Erzähler über den Sinn dieses Abenteuers nach, fragt sich ob das ganze für ihn vielleicht inszeniert wird oder er gar in einem Traum gefangen ist -und tatsächlich ist dieser Film auch ein Traum, ein feuchter Traum eines jeden Kunstgeschichte Studenten.

    Diese interessante und gewagte Form der Erzählung funktioniert aber nur bedingt. Wirkt der Erzähler anfangs noch wie eine Schlaftablette, wandelt er sich im Film nur geringfügig in Richtung eines introvertierten Reiseleiters, der mit de Custine in den Gemäldegalerien die Malerei europäischer Künstler analysiert und über wichtige Figuren der russischen Geschichte philosophiert, man spürt wie stark deshalb der Film damit zu kämpfen hat nicht in eine Dokumentation abzudriften.
    Die historischen Darstellungen selbst werden oft nur angeschnitten und nicht vertieft, teilweise müssen am Ende einer Szene der Erzähler oder de Custine dem Zuschauer das eben Erlebte erklären. Das stört wenig, trotzdem verlangt der Film unabhängig davon wenigstens geringfügige Kenntnisse der russischen Geschichte um der Story folgen zu können und um sich von der Dramaturgie mitreißen zu lassen.

    Während des Rundgangs im opulenten Gebäudekomplex werden peripher Fragen nach Zeit, Kunst, Ästhetik und kultureller Identität aufgeworfen und Tourismus, Nationalismus und das Kunstverständnis der modernen Gesellschaft kritisiert -genau in diesen Momenten merkt man, was RUSSIAN ARK im Kern eigentlich immer noch ist: Ein typisch europäischer Art House Film.
    Das kann einem gefallen oder auch nicht, nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die Chemie zwischen den beiden stillen Begleitern mehr als fragwürdig ist. So verlässt de Custine den Erzähler anfangs, weil dieser ihn zu „neugierig“ ist, als de Custine doch dann wieder angekrochen kommt, ist er es, der unbedacht und gegen den Willen des Erzählers versucht andere Leute anzusprechen. Die beiden stehen ständig miteinander im Konflikt, was nicht unbedingt verwerflich ist, ist doch Konflikt die Grundlage eines jeden Spannungsbogens, nur ist der Konflikt zwischen Erzähler und de Custine nicht die Art Konflikt, die der Zuschauer sehen will, sondern einfach nur ermüdend.

    Die Schwächen im Drehbuch sind wohl darauf zu führen, dass sich die Crew mehr Gedanken um die technische Umsetzung gemacht hat, als eine kohärente Geschichte zu entwickeln. Aber das kann man dem Film nicht vorwerfen, denn die 90 Minuten lange Einstellung ist vollends gelungen und zu Recht das Aushängeschild des Films. Der One Shot bereichert die Geschichte gekonnt (rettet sie gar fast) und fühlt sich vollkommen natürlich an, wobei sich die Technik zum Glück wie bei anderem Filmen dieser Art nie in den Vordergrund drängt, wie es beispielsweise bei 1917 der Fall ist.

    RUSSIAN ARK alleinig wegen des technischen Aspektes zu schauen, lohnt sich definitiv, wird die Technik hier doch so gekonnt und liebevoll eingearbeitet wie es unter den One Shot Filmen bisher nur Victoria geschafft hat, doch muss man damit auch eine dünne und zähe Geschichte in Kauf nehmen, die einem kaum begeistern wird sofern man nicht außerordentlich historisch oder künstlerisch interessiert ist.

    6,5/10
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