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    My Big Fat Greek Wedding
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    My Big Fat Greek Wedding
    Von Carsten Baumgardt
    Trotz weltweiter Konjunkturflaute und stagnierendem Besucherinteresse setzt Hollywood immer noch auf ein einfaches Erfolgsrezept: Große Stars und Mega-Budgets sollen die Zuschauer in die Kinos locken. Dass dies nicht immer funktioniert, ist bekannt. Aber es geht auch anders. Ein, zwei Mal im Jahr gelingt es einer kleinen Independent-Produktion wie aus dem Nichts, den Nerv des Publikums zu treffen und damit groß abzukassieren. In dieser US-Saison gelang dieses Kunststück der amüsant-charmant harmlosen Culture-Clash-Komödie „My Big Fat Greek Wedding“, die bei einem Budget von fünf Millionen Dollar sensationelle 245 Millionen einspielte.

    Das unscheinbare Mauerblümchen Toula Portokalos (Nia Vardalos) hat es nicht einfach. Kaum jemand nimmt die Kellnerin wahr und ihre einst nach Chicago ausgewanderte Großfamilie macht sich bereits ernsthaft Sorgen, weil für die 30-Jährige immer noch kein Ehemann in Sicht ist. Grieche muss er sein, das ist klar, alles andere wäre für Familienoberhaupt Gus (Michael Constantine) eine Katastrophe. Als Toula ihrem Traummann Ian Miller (John Corbett) zum ersten Mal begegnet, stellt sie ihr Leben komplett um. Aus dem hässlichen Entlein wird ein akzeptabler Schwan, der sich vom Kellnerinnendasein abwendet und nach ein paar Computerkursen im Reisebüro der Tante anheuert. Dort trifft sie den Highschool-Lehrer Ian wieder und beide verlieben sich. Doch der smarte Ian ist kein Grieche. Vater Gus ist außer sich und verbietet den beiden, sich weiter zu treffen. Nach und nach gelingt es Ian, sich bei der griechischen Sippe beliebter zu machen. Wären da nicht noch seine erzkonservativen Eltern (Fiona Reid, Bruce Grey). Als Toula und Ian heiraten wollen, beginnt der wahre Zusammenprall der Kulturen...

    Dass es überhaupt zu diesem phänomenalen Box-Office-Erfolg kam, ist den Produzenten Tom Hanks („Road To Perdition“) und vor allem Ehefrau Rita Wilson („Schlaflos in Seattle“) zu verdanken. Die war nämlich derart begeistert von Nia Vardalos' Ein-Frau-Bühnenshow, dass sie die griechisch-stämmige Amerikanerin überredete, ihr Programm in ein Drehbuch umzuwandeln. TV-Veteranen Joel Zwick wurde die Regie übertragen. Doch was macht diese Romantikkomödie so ungemein erfolgreich? Denn neu ist diese Aschenputtel-Variante im griechisch-amerikanischen Stil natürlich nicht. Situationskomik und viel Charme ist die Antwort. Sämtliche Figuren sind sorgsam überzeichnet, um die kulturellen Unterschiede amüsant zu sezieren. Der vor Nationalstolz fast zerplatzende Portokalos-Patriarch Gus (köstlich: Michael Constantine), der sich nur langsam mit den spröden Millers („eine Familie wie ein trockener Toast“) anfreunden kann, nervt zum Beispiel jeden mit seinem Hobby, englische Wörter auf einen vermeintlichen griechischen Ursprung zurückzuführen. Und dass jemand, also der Vegetarier Ian, kein Fleisch mag, ist für eine griechische Hausfrau wie Mutter Maria Portokalos (Lainie Kazan) völlig undenkbar. Umso konsternierter sind Ians Country-Club-Eltern Fiona Reid und Bruce Grey als sich ein gemütliches Familiendinner in ein chaotisch-griechisches Garten-Happening mit Lammgrillen vor dem der Akropolis nachempfundenen Villa der Portokalos entpuppt - anschließende Ouzo-Exzesse inklusive.

    Aus diesem Aufeinandertreffen der verschiedenen Kulturen bezieht „My Big Fat Greek Wedding“ seinen Antrieb, seinen Reiz und seinen Witz. Das ausgezeichnete Ensemble tut sein übriges, um kurzweilige, spritzige Unterhaltung zu garantieren. Nia Vardalos ist sicherlich keine klassische Schönheit, aber durch ihren Charme zieht sie das Publikum auf ihre Seite. John Corbett („Weil es Dich gibt“) steht Vardalos in nichts nach und kann mit guten Sympathiewerten punkten. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern stimmt. In klassischer Screwball-Manier ist das Spiel der zur Hysterie neigenden Portokalos-Familie angelegt. Besonders Michael Constantine und Lainie Kazan überzeugen mit recht virtuoser Komik.

    Einen Haken hat der Film aber dennoch. Neues bietet aber auch „My Big Fat Greek Wedding“ nicht ansatzweise. Selbst die Handlung ist mehr als vorhersehbar, großartige Storywendungen finden erst gar nicht statt. Stattdessen konzentriert sich das Geschehen ganz auf die Stärken: Witz und Charme. Und das reicht zwar nicht zu einem überragenden Film, aber zu gut anderthalb Stunden netter, unbeschwerter Unterhaltung.
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