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    Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Lara Croft Tomb Raider: Die Wiege des Lebens
    Von Carsten Baumgardt
    Vor zwei Jahren enttäuschte Simon West („Con Air“) die weltweite Fangemeinde der vollbusigen Videospielheldin Lara Croft mit seiner Adaption des Action-Abenteuers. An der Kinokasse schlug sich das nicht sonderlich negativ nieder. „Lara Croft: Tomb Raider“ spielte weltweit 280 Millionen Dollar ein und avancierte zur erfolgreichsten Videospiel-Verfilmung aller Zeiten. Für Teil zwei, „Lara Croft Tomb Raider - Die Wiege des Lebens“ wurde West konsequenterweise ersetzt. Action-Spezialist Jan de Bont („Speed“, „Twister“) sollte der müden Story auf die Sprünge helfen. Das Ergebnis seiner Bemühungen ist deutlich sichtbar, Teil zwei ist besser als das Original: ein solides Action-Abenteuer, das sich dennoch in keiner Weise mit dem großen Vorbild „Indiana Jones“ messen kann. Vor allem der perfekt besetzten Hauptdarstellerin Angelina Jolie ist es zu verdanken, dass „Lara Croft Tomb Raider 2 - Die Wiege des Lebens“ trotz Schwächen über weite Strecken wenigstens als trashige Action-Unterhaltung zu gefallen weiß.

    Die englische Archäologin Lara Croft (Angelina Jolie) führt der Weg nach Griechenland. Durch ein Erdbeben wird eine sagenumwobene Kultstätte in den Tiefen des Ozeans freigelegt. Mit einem einheimischen Tauchteam entdeckt Lara den versunkenen Lunatempel, in dem sie die aus Mythen bekannte, berühmt-berüchtigte Büchse der Pandora bergen will. Doch das Artefakt, das bei Öffnung unvorstellbares Übel über die Welt bringen soll, ist nicht im Tempel. Dafür aber eine Kugel, die den Weg zur Büchse weist. Doch bevor Lara sich das Objekt der Begierde schnappen kann, wird es ihr entrissen. Im Auftrag des skrupellosen Topwissenschaftlers und Biowaffenhändlers Dr. Jonathan Reiss (Ciarán Hinds) tötet eine Gruppe von chinesischen Elite-Kriegern Laras Gefolgsleute und nimmt die Kugel an sich. Lara kann gerade noch flüchten, bevor sie auch umgebracht wird.

    Der britische Geheimdienst MI: 6 hat von der Sache Wind bekommen und macht sich große Sorgen, dass Reiss die Büchse der Pandora öffnen wird, um ein Vermögen mit den daraus zu gewinnenden biologischen Kampfstoffen zu machen. Sie beauftragen die Archäologin, die Kugel wiederzubeschaffen. Nachdem sie ihren alten Weggefährten Terry Sheridan (Gerard Butler) aus dem Gefängnis in Kasachstan holt, um ihr zu helfen, machen sich beide auf den Weg nach China, wo die Kugel versteckt sein soll...

    Der niederländische Action-Veteran Jan de Bont bekam von den Produzenten ein sattes Budget von 100 Millionen Dollar an die Hand (20 Mio Dollar mehr als bei Teil 1), um Lara Croft nicht nur kommerziell, sondern auch qualitativ nach vorne zu bringen. Letzteres Vorhaben gelang tatsächlich, doch kurioserweise ging „Lara Croft Tomb Raider 2“ an der US-Kinokasse in die Knie. Nach nur 20 Millionen Dollar und Platz vier zum Start spielte der Film rund 65 Mio Dollar ein. Wahrscheinlich hat der nicht überzeugende erste Teil zu viele Kinogänger abgeschreckt. Jan de Bont und sein Drehbuchautor Dean Georgaris legen im Sequel mehr Wert auf eine etwas ausgefeiltere Handlung und versuchen, Laras Charakter ein bisschen mehr Tiefe zu verleihen. Auch wenn die Story nahezu unverschämte Parallelen zu Indiana Jones' Suche nach der Bundeslade aufweist.

    Ein großes Plus von „Tomb Raider 2“ sind die üppigen Schauwerte, die de Bont dem Betrachter präsentiert. Angefangen von den exotischen Schauplätzen rund um den Globus - von Griechenland über Kasachstan, Hongkong und China bis hin zum Finale im afrikanischen Tansania. Die toughe Actionheldin, die nie um einen Oneliner verlegen ist, kämpft, hechtet, prügelt und schießt sich recht augenzwinkernd (was bei der Begegnung mit dem CGI-animierten Hai allerdings weit über’s Ziel hinaus geht) durch die Handlung. Die Dialoge sind nebensächlich, sie geben nicht sonderlich viel her. Am besten überzeugt der Film als bunter Action-Videoclip. Denn das größte Vergnügen an „Lara Croft“ ist es, Oscarpreisträgerin Angelina Jolie - die wieder viele Stunts selbst ausführte - zuzusehen, wie sie in gewagten Outfits durch die Szenerie hetzt. So ist die solide Kick-Ass-Action als trashiger Spaß durchaus sehenswert.

    Ein bisschen enttäuschend fallen dagegen teilweise die Spezialeffekte aus. Der Untergang des Lunatempels erinnert ein wenig an die launige, aber trashige Michael-Crichton-Verfilmung „Congo“, in der das Ensemble durch lustige Pappkulissen stolperte. Ganz so schlimm ist bei „Lara Croft“ nicht, aber dem Tempel ist seine Studio-Herkunft noch anzusehen. Dazu kommen noch ein paar erkennbare Blue-Screen-Aufnahmen auf dem Meer, die das Vergnügen trüben. Überzeugend sind dafür einige andere spektakuläre Stunts: Laras Stabsprung auf einen Hubschrauber, der atemberaubende Wolkenkratzer-Fallschirmsprung oder zahlreiche Nahkämpfe - alles natürlich reichlich over the top im Stil eines James-Bond-Abenteuers, aber wenigstens war das beabsichtigt.

    Neben der überzeugenden Angelina Jolie gibt Ciarán Hinds (großartig in „Die Journalistin") einen recht passablen Bösewicht ab. Er gerät nicht in die Gefahr des Chargierens. Denn das muss leider ein anderer übernehmen. Deutschlands Möchte-Gern-Star-Export Til Schweiger hätte die Nebenrolle als Reiss’ Chefhandlanger besser abgelehnt, denn er verkommt mit lächerlichen Textzeilen, die er zumeist raunen und grunzen muss, zum Knallchargen typisch deutscher Prägung. Die Rolle ist so undankbar, dass der schauspielerisch immerhin durchschnittlich talentierte Schweiger trotzdem mit fliegenden Fahnen untergeht. Schlimmer: Bei seinem ersten Auftritt auf der Leinwand gab es (unbeabsichtigtes) Gelächter im Publikum. Besser hat es da Jolies Sidekick Gerard Butler, der immerhin einen soliden Part spielen darf. Kantig, ein wenig charmant und trotzdem mit Härte ausgestattet, macht er eine ordentliche Figur. Das Manko offenbart sich erst zum Schluss, als ihm Drehbuchautor Georgaris einen eher unglaubwürdigen finalen Charakterzug vorsetzt.

    Alles in allem ist „Lara Croft Tomb Raider 2 - Die Wiege des Lebens“ nicht so übel wie befürchtet und hievt sich durch die verbesserte Regie von Jan de Bont auf ein grundsolides Niveau. Ob das angesichts der schwindenden Zuschauer noch zu einem dritten Teil reicht, ist fraglich. Ein Versuch wäre es trotzdem wert, denn die Figur der Lara Croft ist noch lange nicht ausgereizt.
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