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    Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre
    Von Jürgen Armbruster
    Beim Namen „Texas Chainsaw Massacre“ müsste bei eingefleischten Filmfreaks eigentlich ein Lämpchen im Hinterkopf aufs heftigste Alarm schlagen. War da nicht was? Richtig. 1974 drang ein kleines, billig produziertes Splatter-Filmchen auf den Markt, das noch heute auf eine recht fragwürdige Art und Weise Kultstatus genießt und in den Videotheken wie warme Semmeln über den Ladentisch geht. Dass wir in einer Zeit leben, in der versucht wird, die nicht enden wollende Flaute an neuen Filmideen durch eine immer größer werdende Flut an Remakes zu kaschieren, ist nichts Neues. Dass allerdings dermaßen tief in die Wundertüte gegriffen wird und Stoffe neu aufgelegt werden, die schon bei ihrer Premiere scharf kritisiert wurden, ist neu. Neu und unheimlich überflüssig, denn mit "Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre“ hat das noch junge Jahr 2004 ohne Zweifel seinen ersten Tiefpunkt erreicht.

    Die Geschichte – sollte man das Gesehene überhaupt so nennen dürfen – die sich hinter „Texas Chainsaw Masscre“ verbirgt, ist schnell erzählt. Die Teenager Erin (Jessica Biel), Morgan (Jonathan Tucker), Pepper (Erica Leerhsen), Andy (Mike Vogel) und Kemper (Mike Vogel) sind auf dem Rückweg von einem Kurztrip nach New Mexiko in heimatliche Gefilde. Die Taschen voll Marihuana, frisch verliebt, die Karten fürs anstehende Lynard-Skynard-Konzert im Portemonnaie und die Sorgen der Welt hinter sich lassend. Kurzum: Die Welt dieser jungen Menschen ist in Ordnung. Doch als sie am Straßenrand die vollkommen verstörte Henrietta (Heather Kafka) aufgabeln, sollte sich dies schneller ändern, als sie „Schlachtbank“ sagen können. Der Rest ist Genre-obligatorisches Einerlei. Durchgeknallte Hinterwäldler, eine düstere, makaber gestaltete Szenerie und jede Menge Blut.

    Wie schon Tobe Hoopers Original basiert dieser schnöde Aufguss lose – wohlgemerkt äußerst lose - auf einer wahren Begebenheit. Macht man sich der Tatsache bewusst, dass diesem Film reales, menschliches Leiden zugrunde liegt, so ist es an sich bereits eine Pietätlosigkeit sondergleichen, diesen Film gleich doppelt auflegen zu müssen. Doch dies ist ein anderes Thema. Thema ist das „Texas Chainsaw Massacre“. Und dies ist wahrlich grauenvoll. Dem Original konnte man mit viel Wohlwollen noch einen satirischen Unterton gutschreiben, doch in diesem Remake tut man sich auf der Suche nach Pluspunkten äußerst schwer. Überraschende, unvorhersehbare Momente gibt es nicht. Der blutrünstige Killer taucht immer genau dort auf, wo ihn der mitdenkende Zuschauer erwartet. Alles ist vorhersehbar. Etwas wie Spannung stellt sich nicht einmal ansatzweise ein. Auch handwerklich weiß der Film nicht zu gefallen. Manche Kameraeinstellungen wiederholen sich – man möchte fast sagen wie immer in diesem Genre – permanent und die teils eingeschlagene pseudodokumentarische Aufmachung passt einfach nicht zum übrigen Film.

    Dieser Schwächen scheint sich der von Produzent Michael Bay eingesetzte deutsche Regisseur Marcus Nispel – wie berichtet wird, ein Exzentriker vor dem Herrn - durchaus bewusst zu sein. Um diese auszugleichen setzt der Leinwanddebütant und Werbefilmfachmann voll und ganz auf exzessive Gewaltdarstellung. „Texas Chainsaw Massacre“ richtet sich einzig und allein an jene voyeuristisch veranlagten Kinogänger, die nicht genug Blut sehen können, denen bei abgetrennten Gliedmaßen das Herz höher schlägt und die einen Heidenspaß daran haben, wenn attraktive Darsteller in knapper Bekleidung ums nackte Überleben kämpfen. Nispel erweist sich als unfähig, dem Film auch nur eine weitere Facette zu verleihen.

    Durch eines unterscheidet sich „Texas Chainsaw Massacre“ von den üblichen Teenie-Horror-Filmen wie „Wrong Turn“ oder „Darkness Falls“ dann doch noch. Für gewöhnlich wird aus einer Gruppe von fünf oder sechs Teenagern die Hälfte abgeschlachtet, bis die andere Hälfte feststellt, dass man sich eventuell auch zur Wehr setzen könnte, ehe sich schlussendlich alles zum Guten wendet. Wenigstens hier zeigt Nispel eines: Konsequenz. Konsequent wäre auch, wenn man diesen Film einfach links liegen lässt. Ihn ignoriert. Sich den Kinogang spart. Das Kinojahr 2004 kann man sicherlich besser beginnen.
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