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    Willkommen in Mooseport
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Willkommen in Mooseport
    Von Carsten Baumgardt
    Komödienspezialist Donald Petrie ist in Hollywood als Fachmann für leichte Kost bekannt – und erfolgreich. Seine beiden letzten Filme „Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen“ und „Miss Undercover“ passierten beim Einspiel in den USA jeweils die 100-Mio-Dollar-Schallmauer. Petries Talent, anspruchslose Stoffe hübsch zu verpacken, ist bei seinem neuesten Werk zugleich Fluch als auch Segen. Die sympathisch-amüsante Kleinstadt-Komödie „Willkommen in Mooseport“ glänzt durch eine charmante Inszenierung und gut aufgelegte Stars, krankt aber daran, dass wie in den Vorgängerfilmen der letzte Biss fehlt.

    Monroe „Eagle“ Cole (Gene Hackman) ist ein eitler Pfau, wie er im Buche steht. Der Ex-Präsident der Vereinigten Staaten hat sich eine makellose öffentliche Oberfläche geschaffen, die ihn zum beliebtesten Staatsoberhaupt der USA machte. Nach dem Ende seiner Amtszeit möchte sich der passionierte Hobbygolfer im beschaulichen Örtchen Mooseport, im tiefsten Maine gelegen, zur Ruhe setzen und mit Vortragsreisen, einer anstehenden Autobiographie und vielen weiteren Projekten abkassieren. Von den Einwohnern des Städtchens wird „Eagle“ begeistert aufgenommen. Und da gerade die Wahl zum neuen Bürgermeister ansteht, haben sie einen kühnen Plan. Cole soll für das Amt kandidieren. Einen besseren Stadtvorsteher als einen ehemaligen Präsidenten kann es wohl nicht geben. Während sein Stab entsetzt ist, kann es das geschmeichelte Ego Coles nicht über’s Herz bringen, abzulehnen. Ihm schweben wenig Arbeit und ein enormer Imagegewinn vor. Doch gleich an seinem ersten Tag landet der in der Weltpolitik beheimatete „Eagle“ mit Anlauf in einem riesigen Fettnäpfchen. Vom Charme der Tierärztin Sally (Maura Tierney) übermannt, lädt er sie gleich zu einer Verabredung ein - inklusive medialem Massenauflauf. Aber die selbstbewusste junge Frau ist eigentlich die Freundin seines Klempners Handy Harrison (Ray Romano). Aus Verbitterung darüber, dass Handy nicht darauf kommt, ihr einen Heiratsantrag zu machen, stimmt sie dem Date zu. Das bringt Harrison auf die Palme. Er wollte auch für das Amt des Bürgermeisters kandidieren, zog aber zurück, nachdem Cole ihn darum gebeten hatte. Aus Verärgerung über die Annäherungsversuche entschließt sich Handy dann doch zur Kandidatur, die in einen regelrechten Kleinkrieg zwischen David und Goliath ausartet...

    Oscarpreisträger Gene Hackman („French Connection“, „Erbarmungslos“), Schauspiel-Legende Jahrgang 1930, scheint durch sein unschlagbares Charisma mittlerweile abonniert auf staatstragende Rollen. In Clint Eastwoods starkem Altherren-Thriller „Absolute Power“ (1997) glänzte der Kalifornier als im Affekt mordender Präsident Allen Richmond, zehn Jahre zuvor überzeugte er nicht minder als gleichsam verschlagener Verteidigungsminister David Brice in Roger Donaldsons Hochspannungs-Thriller „No Way Out“. Damit es Hackman nicht langweilig wird, variiert er die Staatsoberhauptrolle in Donald Petries „Willkommen in Mooseport“. Sein „Eagle“ Cole ist zwar auch alles andere als blütenweiß, er ist eitel und eingebildet, hat das Herz aber im entscheidenden Moment dennoch auf dem rechten Fleck. Zumal der Film im Komödien-Genre angesiedelt ist. Mit traumwandlerischer Sicherheit gibt Hackman den Polit-Profi auf Fettnäpfchen-Jagd in der amerikanischen Provinz. Seiner tadellosen Leistung verdankt „Willkommen in Mooseport“ einen Großteil seines hohen Unterhaltungswertes.

    Die kleinen und großen Scharmützel und Sticheleien mit seinem Kandidaten-Konkurrenten Ray Romano (aus der TV-Serie „Alle lieben Raymond“) sind witzig, amüsant und temporeich inszeniert. Dass der selbstgefällige Ex-Präsident den grundehrlichen, naiven Kleinstadt-Klempner auf der lokalen politischen Bühne gründlich unterschätzt hat, ist zwar so unoriginell wie es nur geht, aber dennoch bezieht der Film daraus seinen Antrieb. Die Handlung weicht dabei nicht von ausgetretenen Pfaden ab, bleibt aber immer sympathisch und charmant. „Willkommen in Mooseport“ mutet wie eine Kreuzung der geistesverwandten Komödien „Hallo, Mr. President“, „Dave“ und „Doc Hollywood“ an, die ebenfalls Spielwitz kontra Realismus setzen.

    Als Love Interest ist „Emergency Room“-Star Maura Tierney („Insomnia“, „Auf die stürmische Art“) eine gute Wahl. Im Gegensatz zu der restlichen Provinzbevölkerung ist sie nicht als naiver Trottel, sondern als selbstbewusste Frau gefordert. Oscarpreisträgerin Marcia Gay Harden („Mystic River“, „Pollock“) fungiert als Coles Sekretärin als moralisches Gewissen ihres Chefs und des Films gleichermaßen. Dem Talent Hardens ist es zu verdanken, dass sie dabei nicht in der Bedeutungslosigkeit untergeht. Ray Romano hat es als biederer Jedermann in seiner ersten Kinorolle nicht leicht, gegen die bestens aufgelegte Starriege anzuspielen, zieht sich aber passabel aus der Affäre.

    Optisch setzt Regisseur Petrie ganz auf den ländlichen Provinzcharme des fiktiven Städtchens Mooseport, das aus Kostengründen übrigens im kanadischen Port Perry, nahe Toronto, entstand. Nur so war es möglich, das Budget mit 26 Millionen Dollar überschaubar zu halten. Trotz des unbestreitbar kurzweiligen Witzes, den das Drehbuch von Tom Schulman („Der Guru“, „Medicine Man“, „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“) bietet, kommt die Story am Ende nicht um eine gehörige Portion Zuckerguss herum. Weniger wäre hier mehr gewesen. Dennoch entspricht das Happy End durchaus dem Geist des Films. Petrie bleibt halt ein Mann für harmlose Stoffe, die er versteht, federleicht in Szene zu setzen. Mit Wohlwollen ist seiner Geschichte Ironie - die sich in Seitenhieben auf Bill Clinton manifestiert - zu attestieren, aber satirische Schärfe lässt „Willkommen in Mooseport“ komplett vermissen. Das führt dazu, dass der Film nie zwar langweilig wird, aber auch nicht um die gängigen Klischees herumkommt. Trotzdem ist die Komödie jedem zu empfehlen, der sich knapp zwei Stunden zwang- und anspruchslos unterhalten lassen will. Und das ist doch auch schon was... Zumal Gene Hackman allein schon den Kauf einer Kinokarte wert ist.
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