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    Alien vs. Predator
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Alien vs. Predator
    Von Carsten Baumgardt
    Wenn den großen Studios die Ideen ausgehen und eine Erfolgsreihe weiter ausgeschlachtet werden soll, weiß Hollywood inzwischen Rat: Es werden einfach zwei beliebte Charaktere aufeinander losgelassen - in der Hoffnung, dass durch den Clash eine Wiederbelebung stattfindet. Das funktionierte bei „Freddy Vs. Jason“ schon nicht, aber davon ließen sich die Macher von „Alien Vs. Predator“ nicht abschrecken. Wenigstens kommerziell ging die Rechnung einigermaßen auf. Der 65 Millionen Dollar teure Sci-Fi-Horror spielte in den USA gut 80 Mio Dollar wieder ein. Das Schöne an dem Film: Obwohl die Mängelliste lang ist, macht das trashige und völlig sinnfreie Spektakel über weite Strecken schlichtweg Spaß.

    Der todkranke Milliardär Charles Weyland (Lance Henriksen) wittert den Coups seines Lebens, der ihn geschichtlich unsterblich machen soll. In der Antarktis entdecken seine Wissenschaftler 700 Meter unter dem Eis eine mysteriöse Wärmequelle. Nach genaueren Untersuchungen und Scans kristallisiert sich ein riesiger Pyramidenkomplex heraus, der sowohl ägyptische, kambodschanische als auch aztekische architektonische Einflüsse aufweist. Um die wissenschaftliche Sensation für sich zu deklarieren, stellt Weyland ein Team - bestehend aus den besten Fachkräften der Erde - zusammen, um die unterirdische Pyramide zu erforschen. Unter Leitung von Expeditionsexpertin Alexa Woods (Sanaa Lathan) macht sich die Crew an die Arbeit. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die Wissenschaftler in eine Falle tappen. Aliens haben sich in dem monströsen Labyrinth eingenistet und machen Jagd auf die Eindringlinge. Während dessen sind fünf junge Predator ebenfalls auf dem Weg in die Pyramide, um ihrem Jagdtrieb zu frönen. Die Menschen, deren Crew sich rasch dezimiert, geraten zwischen die Fronten dieser außerirdischen Auseinandersetzung...

    Bereits 1991 existierte ein erster Drehbuchentwurf für „Alien Vs. Predator“. Dazu gab es schon eine gemeinsame Comicbuch-Reihe und Videospiele. Aber erst knapp 13 Jahre später, nach unzähligen Verschiebungen, ging das Projekt tatsächlich in Prag vor die Kamera. Mit der intellektuellen Qualität von „Alien“ (Ridley Scott, 1979), der fantastischen Action von „Aliens“ (James Cameron, 1986) oder der optischen Perfektion von „Alien 3“ (David Fincher, 1992) hat „Alien Vs. Predator“ wenig bzw. gar nichts gemein - mehr dagegen mit der Überflüssigkeit von „Alien - Die Wiedergeburt“ (Jean-Pierre Jeunet, 1997). Aber das nur am Rande. Treffender tendiert der Film eher in Richtung von „Predator“ (John McTiernan, 1987) und „Predator 2“ (Stephen Hopkins, 1990), die zwar grundsolide Sci-Fi-Action boten, aber auch nicht viel mehr. „Alien“-Ikone Sigourney Weaver ist natürlich viel zu klug, um sich für diesen Aufguss vor die Kamera zu stellen, deswegen rekrutierte Regie-Handwerker Paul Anderson („Resident Evil“, „Event Horizon“, „Mortal Kombat“), nicht zu verwechseln mit dem Genie Paul Thomas Anderson („Magnolia“, „Boogie Nights“), einen Cast, aus dem neben zahlreichen No-Names nur Lance Henriksen (der Android Bishop aus „Alien“ und „Aliens“) sowie Ewen Bremner („Trainspotting“) einem breiteren Publikum bekannt sein dürften.

    Allerdings sind die menschlichen Darsteller in diesem Sci-Fi-Action-Spektakel sowieso weniger bedeutend. Nach einer kleinen charakterlichen Einführung geht der Spaß auch schon los. Dabei hinterlässt „Alien Vs. Predator“ in der ersten dreiviertel Stunde den besten Eindruck. Sehr stimmungsvoll und atmosphärisch führt Anderson sein menschliches Freiwild in die Szenerie ein. Der Clou dabei und nebenbei bemerkt, der einzige Weg, Freude an dem Film zu haben: Die Filmer machen gar keinen Hehl daraus, dass sie ihrem Publikum lupenreinen, anspruchsresistenten Trash servieren wollen. Das für Produktionen dieser Gangart überschaubare Budget von 65 Millionen Dollar geht fast ausschließlich ins Set-Design, aber große Sprünge sind halt dennoch nicht möglich. Deshalb bekennen sich die Filmemacher sympathischerweise zum Understatement und lassen ihre Protagonisten durch die (kunst)verschneiten Kulissen des Prager Studios hecheln. Das alles ist optisch ganz hübsch, aber nahezu jeder Szene ist der Studioursprung anzusehen.

    Schauspielerisch wird nicht viel verlangt. Den größten Part bekommt noch Sanaa Lathan („Out Of Time“) ab, die Sigourney Weaver als toughe Alien/Predator-Jägerin ersetzen soll. Das klappt auch recht ansprechend, Lathan gibt eine passable Figur ab, während sich ihre Kollegen nach und nach von der Leinwand verabschieden. Die Dialoge sind nicht weiter von Belang, einige markige Sprüche („The enemy of my enemy is my friend“) dienen höchstens zur Untermalung des Gemetzels. Lustig ist das selten, höchstens als Lance Henriksen für ein forsches „Don’t turn your back on me“ von einem Predator ausgezählt wird. Der Plot an sich hat nur Hanebüchenes zu bieten, versucht aber wenigstens eine Erklärung der Konstellation abzugeben. Das spielt aber auch keine große Rolle.

    In Sachen Monster-Design gibt es auch nichts Neues zu vermelden. Die Aliens sind sehr eng an die Vorgänger angelegt, treten aber häufiger und schneller auf als gewohnt. Die Predators sind ein wenig unglücklich geraten und wirken so, als hätte die Rasse früher einmal eine paar Rastafaris assimiliert - dazu sind sie im Gegensatz zum Original die meiste über Zeit sichtbar. Die Spannung hält sich in Grenzen, Überraschungen sind wenig vorhanden. Allzu blutig wird es auch nicht, dennoch verteilte die FSK eine vertretbare Freigabe ab 16 Jahre. Im Gegensatz zu ihren US-Kollegen, die Kinder ab 6 Jahre in Begleitung von Erwachsenen auf den Film losließen.

    Der Inszenierungsstil Andersons passt sich den Sehgewohnheiten der Videospielgeneration an und glänzt mit Tempo, atmosphärischen Einstellungen und einem Hang zu gut ausgeleuchteter Nachtoptik. Notwendig war eine Kreuzung der beiden Reihen Alien und Predator sicherlich nicht, wer sich aber anspruchslos und mit Spaß am Trash, 104 Minuten unterhalten lassen will, ist mit „Alien Vs. Predator“ gut bedient, weil der Unterhaltungswert trotz (oder gerade wegen) der Mängel auf hohem Niveau ist. Wer diesem Genre sowieso nichts abgewinnen kann, sucht lieber gleich das Weite.
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