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    Die Chroniken von Narnia - Der König von Narnia
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Die Chroniken von Narnia - Der König von Narnia
    Von Jürgen Armbruster
    Die Filmwelt ist auf der Suche nach einem würdigen Nachfolger zu Peter Jacksons grandioser Herr der Ringe-Trilogie. In den Jahren 2001, 2002 und 2003 löste der unscheinbare Neuseeländer jeweils pünktlich zum Weihnachtsfest ein cineastisches Erdbeben aus. Doch was kommt nun? Eine Verfilmung von „Der kleine Hobbit“, J.R.R. Tolkiens zweitem großem Werk, ist aufgrund der unklaren Rechtesituation noch in weiter Ferne. Auf der Suche nach einem weiteren großen Fantasy-Epos versucht sich nun Shrek-Regisseur Andrew Adamson an der Verfilmung von „Der König von Narnia“, dem ersten Teil von Clive Staples Lewis’ „Die Chroniken von Narnia“ – und scheitert dabei auf ganzer Linie.

    London zur Zeit des Zweiten Weltkrieges: Die Geschwister Peter (William Moseley), Susan (Anna Popplewell), Edmund (Skandar Keynes) und Lucy (Georgie Henley) werden, wie viele andere Kinder zu dieser Zeit, zum Schutz vor den Bombenangriffen von ihrer Mutter aufs Land geschickt. Eine Unterkunft finden sie bei Professor Digory Kirke (Jim Broadbent). Schnell finden sich die Geschwister mit ihrer Lage ab und versuchen, trotz aller Niedergeschlagenheit, das Beste aus dieser Situation zu machen. Im barocken Anwesen des schrulligen Professors gibt es schließlich viel zu entdecken. Doch damit hätten selbst die vier Rabauken nicht gerechnet: In einem ansonsten leeren Zimmer findet Lucy einen seltsamen Schrank, der ihr auf wundersame Weise Zugang zum magischen Land Narnia ermöglicht. Doch Peter, Susan und Edmund wollen ihrer kleinen Schwester zunächst keinen Glauben schenken und halten alles für ein Hirngespinst.

    Das ist natürlich lediglich der Prolog zu dem, was im Folgenden auf der Leinwand geschieht. Im Lande Narnia herrscht die grausame weiße Hexe Jadis (Tilda Swinton), die dafür sorgt, dass ein ewiger Winter herrscht, es aber kein Weihnachten gibt. Eine uralte Prophezeiung besagt allerdings, dass zwei Söhne Adams und zwei Töchter Evas (so die Bezeichnung für Menschen in Narnia) kommen und das Land den Klauen der Hexe entreißen werden. Doch dieses Unterfangen gestaltet sich als weitaus schwieriger, als es eine sprechende Biber-Familie den Geschwistern weismachen möchte. Edmund wird von der Hexe gefangen genommen und Peter, Susan und Lucy befinden sich auf der Flucht. Die einzige Hoffnung für Narnia und die Geschwister ist der mächtige Löwe Aslan (gesprochen von Liam Neeson), der rechtmäßige Herrscher über Narnia.

    Um eines von Beginn an klar zu stellen: Nein, „Narnia“ ist nicht der neue Herr der Ringe! Sicherlich sind gewisse Parallelen unverkennbar und vor allem mit der gemeinsamen Vergangenheit von J.R.R. Tolkien und C.S. Lewis zu begründen. Sie waren zeitgleich Professoren in Oxford und Mitglieder des Literaturkreises der „Inklings“. Beide Autoren beeinflussten sich bei ihren Arbeiten maßgeblich. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Mittelerde und Narnia die gleichen Einwohner beherbergen. Zwerge, Orks und ähnliche Fantasy-Figuren gibt es hüben wie drüben. Die zweite große Inspiration für C.S. Lewis war wohl Lewis Carrolls weltberühmtes Kinderbuch „Alice im Wunderland“. Wer noch nie mit der Welt von Narnia in Kontakt gekommen ist, kann sich so vielleicht schon recht gut vorstellen, was auf einen zukommt: Ein wilde Mischung aus „Alice“ und dem Herr der Ringe. Im Grunde ist Lewis’ Werk auch nichts anderes, als ein im englischsprachigen Raum sehr populäres Kinderbuch, das in Deutschland allerdings nie über ein Nischendasein hinaus gekommen ist.

    Nun sind dies sicherlich nicht die allerschlechtesten Vorraussetzungen für ein zünftiges Leinwand-Abenteuer. Familienkonforme Fantasy-Unterhaltung lässt sich auch nicht ganz schlecht vermarkten. Ein Traum für jede PR-Abteilung. Doch wie die literarische Vorlage beinhaltet auch Adamsons Adaption einige mehr als nur fragwürdige Passagen. Auf ihrer Flucht vor den Handlangern der Hexe stolpern die Geschwister beispielsweise über den Weihnachtsmann (!), der den hilflosen Kindern dann auch sofort Waffen (!!) zur Bescherung reicht. Die Frage sei hiermit erlaubt, ob dies die richtige Botschaft zum Fest der Liebe ist? Ist es in Ordnung, die bösen Buben – wenn sie all zu böse sind – einfach totzuschlagen? Wohl vielleicht eher doch nicht. Und wenn schon ein solcher Weg eingeschlagen wird, muss dieser wenigstens konsequent zu Ende beschritten werden. Sprich: Es müssten auch auf die Schattenseiten einer aus Waffengewalt resultierenden kriegerischen Auseinandersetzung eingegangen werden. Doch dazu ist der Film all zu sehr auf Hochglanz gebürstet. In der großen Schluss-Schlacht kann Peter sein Schwert noch so oft in die Leiber seiner Widersacher bohren, in der Sonne funkeln tut dieses wenige Sekunden später trotzdem wieder. Eine reichlich euphemistische Darstellung des Krieges…

    Der erhobene (und inhaltlich recht fragwürdige) Zeigefinger von Lewis ist also auch in der Verfilmung jederzeit präsent. In diesem Punkt hält sich Adamson also stoisch an die literarische Vorlage. In anderen Punkten tut er dies jedoch nicht – und begeht damit einen schweren Fehler. Nehmen wir die Verführung Edmunds durch die weiße Hexe mittels des türkischen Honigs. Im Buch haben wir es hierbei mit einer klaren Stellungnahme des Autors zum Thema Drogenkonsum zu tun. Im Film wird dieser Punkt eher beiläufig angeschnitten. Denn so etwas möchte man – bzw. das Produktionsstudio Disney – zu Weihnachten nicht im Kino sehen. So verliert die Verfilmung einiges an Profil, das in der Vorlage noch vorhanden war. Die Auswahl der Schwerpunkte (Krieg = gut, Kritik am Drogenkonsum = lieber doch nicht) ist jedenfalls schwer nachvollziehbar. Auch die christliche Symbolik ist teils hart an der Grenze des Ertragbaren. Motive wie Nächstenliebe, Aufopferung und Vergebung sind zwar durchaus löblich, können aber auch auf eine etwas subtilere Weise verarbeitet werden. Stattdessen wird der Holzhammer ausgepackt und munter auf das Publikum eingeprügelt. Wieder und wieder und wieder.

    Die inhaltlichen Mängel wären noch halbwegs verzeihbar, wenn das Drumherum bei „Der König von Narnia“ stimmen würde. Doch dem ist leider nicht so. Und hier sind wir bei der größten Enttäuschung des Films angelangt. Da es im Lande Narnia von allerlei sprechendem Getier nur so wimmelt, war das Unterfangen der Verfilmung sicherlich nicht ganz einfach. Denn Hand aufs Herz: Wer kann sich sprechende Biber, Wölfe, Fuchse und ähnliches vorstellen, ohne dass dies leicht lächerlich wirkt? Doch da für „Der König von Narnia“ das WETA-Team, die Effekt-Spezialisten hinter der Herr der Ringe-Trilogie, verpflichtet wurde, war die Skepsis nicht all zu groß. Das Ergebnis ist allerdings eine Überraschung im negativen Sinn. Während der Löwe Aslan ausgezeichnet gelungen ist, hinterlassen die CGI-Figuren in der Masse allerdings einen äußerst durchwachsenden Eindruck. Insbesondere die Wölfe und der von Rupert Everett (Stage Beauty, Separate Lies) gesprochene Fuchs wirken wie Fremdkörper und sind obendrein noch holprig animiert. Bei den diversen „Halbwesen“ wie Faunen und Zentauren sind die Übergänge zwischen Schauspieler und Computereffekt deutlich zu erkennen. Und die Kostüme der Minotauren wären zwar auf jeder Karnevalsveranstaltung der große Renner, nicht aber in einer 150 Millionen Dollar teuren Blockbuster-Produktion.

    Kurzum: Bei „Der König von Narnia“ stimmt nur wenig. Da können auch die Kinderdarsteller, die einen durchweg ansprechenden Job verrichten, die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen. Die Landschaftsaufnahmen (gedreht wurde wie bei Herr der Ringe und Last Samurai vor den phantastischen Kulissen Neuseelands) sorgen hier und da ebenso für einen Lichtblick, wie der insbesondere in der ersten Filmhälfte starke Score von Harry Gregson-Williams (Bridget Jones - Schokolade zum Frühstück, Königreich der Himmel). Doch ansonsten sucht man vergebens nach weiteren Pluspunkten. Selbst die ansonsten grandiose Tilda Swinton (Adaption, Thumbsucker, Broken Flowers, Constantine) weiß irgendwie nicht wirklich zu begeistern. Das Unternehmen „Der König von Narnia“ muss künstlerisch daher als gescheitert erachtet werden, was dem kommerziellen Erfolg allerdings wohl keinen Abbruch tun wird. Auch eine Fortsetzung erscheint, wenn auch noch nicht offiziell angekündigt, als sicher. Es warten schließlich noch sechs weitere Narnia-Romane auf eine Verfilmung. Trotzdem ruhen die Hoffnungen der Fanatsy-Freunde nun auf den Schultern von Christopher Paolinis Eragon (Start: 14.12.2006) Link-Tipp: CD-Kritik „Soundtrack - The Chronicles Of Narnia“
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