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    I, Robot
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    I, Robot
    Von Jürgen Armbruster
    Manche Filme hinterlassen beim Zuschauer ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengegend, weil er einfach nicht weiß, wie er sich nun verhalten soll. Soll er nun Beifall klatschen, weil er grundsolide auf hohem Niveau unterhalten wurde oder soll er sich nun in Zurückhaltung üben, weil einen der Film zeitweise hoffen lies, mehr als ein „nur“ unterhaltsames Werk zu sein? Alex Proyas’ „I, Robot“ ist einer eben jener Filme. Am Spaß-Faktor lässt sich wenig bemängeln, doch aus Isaac Asimovs Gedankenkonstrukt um die drei Gesetze der Robotik hätte auch ein Klassiker der Moderne gemacht werden können.

    Im Jahr 2035 besitzt fast jeder Haushalt einen eigenen, intelligenten Roboter der NS4-Reihe. Die Roboter helfen bei den Einkäufen, kochen oder spielen gar mit den Kindern. Sie sind quasi schon fast fester Bestandteil einer jeden Familie. Doch ihre Intelligenz ist eben „nur“ simuliert. Um zu verhindern, dass irgendwann ein Roboter einen Fehler begeht und eine folgenschwere Entscheidung trifft, hat Dr. Alfred Lanning (James Cromwell) die drei Gesetze der Robotik geschaffen. Gesetz Nummer eins: Kein Roboter darf einem menschlichen Wesen Schaden zufügen oder zulassen, dass einem menschlichen Wesen durch seine Untätigkeit Schaden widerfährt. Gesetz Nummer zwei: Ein Roboter hat dem Befehl eines Menschen Folge zu leisten, außer er verstößt dadurch gegen Gesetz Nummer eins. Gesetz Nummer drei: Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, außer er verstößt dadurch gegen eines der ersten beiden Gesetze.

    Die Gesetze scheinen perfekt. Noch nie kam es in der Geschichte der Roboter zu irgendeinem unerwünschten Zwischenfall. Bis heute. Denn ausgerechnet Dr. Lanning kommt unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zuerst deutet alles auf einen Selbstmord hin, doch Lennings hinterlässt am Tatort ein Hologramm für den Roboter verabscheuenden Detective Del Spooner (Will Smith), welches mehr Fragen aufwirft, als dass es beantwortet. Warum sollte Lennings ausgerechnet Spooner, dem wohl einzigen Menschen auf der Erde, der nicht an ein friedliches Miteinander von Mensch und Roboter glaubt, eine Nachricht hinterlassen? Als dann auch noch der offensichtlich beschädigte Roboter Sonny, ein Prototyp aus der neuen NS5-Reihe, in Lennings Büro gefunden wird, gerät Spooner in eine groß angelegte Intrige. Sind die drei Gesetze der Robotik vielleicht doch nicht so perfekt, wie es ihm Lawrence Robertson (Bruce Greenwood), der Besitzer des führenden Roboterherstellers USR, weiß machen möchte oder hat ein Dritter bei den zunehmend mysteriöser werdenden Ereignissen seine Finger im Spiel? Spooner und die ihm zur Seite gestellte Roboter-Technikerin Susan Calvin (Bridget Moynahan) müssen das Puzzle Stück für Stück zusammen setzen…

    So weit, so gut, so begeisternd. Die Geschichte bietet Spielraum für zahlreiche reizvolle Frage-und-Antwort-Spielchen. Wie viel Macht sollte einer Maschine übertragen werden? Was ist eigentlich Menschlichkeit? Wo ist die Grenze des technologischen Fortschritts zu ziehen? Ist moderner immer gleich besser? Hat eine Maschine das Recht auf Leben? Haben Maschinen überhaupt Rechte? Wann wird Wissenschaft unethisch? Können Maschinen vielleicht sogar irgendwann menschlicher werden, als die Menschen selbst? Ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem sich die Schöpfung gegen die Schöpfer richtet? Die gleichnamige Kurzgeschichte „I, Robot“ von Science-Fiction-Genie Isaac Asimov aus dem Jahr 1950 ist mittlerweile über ein halbes Jahrhundert alt und hat trotzdem nichts von ihrer Faszination verloren. Parallelen zu „Blade Runner“ drängen sich förmlich auf. Und ja, „I, Robot“ hätte in der Theorie durchaus in der gleichen Liga wie Ridley Scotts Genre-Primus spielen können. Allerdings nur in der Theorie.

    Alex Proyas und Drehbuchautor Jeff Vintar greifen zwar zahlreichen Facetten aus Asimovs Werk auf, doch viele Themen werden nur am Rande angeschnitten. Die inhaltliche Tiefe der Vorlage wird leider zu Gunsten anderer Punkte bereitwillig geopfert. Zahlreiche Actionsequenzen, flotte Sprüche, ein stets cooler Held, eine angedeutete Romanze… Eben all jenes, das heutzutage in einem großen Hollywood-Blockbuster Pflicht ist. Dadurch wird der Film zwar für eine breitere Masse zugänglich und die Einspielergebnisse schnellen in die Höhe, doch den künstlerischen Anspruch eines Asimovs erreicht der Film dadurch zu keinem Zeitpunkt. Auch Proyas und Vinter sind sich dessen bewusst. Entgegen der üblichen Gewohnheiten ist im Abspann nicht von „based upon“ oder „inspired by“ die Rede. Stattdessen wird dem Zuschauer ein „suggested by“ vor den Latz geknallt. Kurios, aber durchaus konsequent.

    In vielen Rezensionen wird behauptet, dass das große Problem von „I, Robot“ Hauptdarsteller Will Smith sei. Nun, dies muss zumindest in sofern relativiert werden, als dass sich an Smith selbst nicht viel aussetzen lässt, dafür umso mehr an dessen Film-Charakter Del Spooner. Dieser ist nahezu der Inbegriff des klischeebeladenen Blockbuster-Helden. Selbstverständlich plagen ihn die Geister eines schicksalhaften Ereignisses in der Vergangenheit. Logisch, dass er trotzdem immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Und dass ihm im Kampf niemand das Wasser reichen kann, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Ach ja, und der Einzige, der vor der drohenden Gefahr gewarnt hat, ist er auch noch. Dazu besitzt er noch ein Faible für nostalgische Dinge (z. B. Schuhe aus dem Jahr 2004 und CD-Player mit Fernbedienung ohne Sprachsteuerung) - und fertig ist der 08/15-Held aus Hollywood. Nein, das Problem von „I, Robot“ ist nicht Smith. Dieser hat in „Ali“ eindrucksvoll bewiesen, dass er schauspielern kann. Das Problem ist einfach dieser Del Spooner, der nicht so recht in das übrige Szenario des Films passen möchte. Smith selbst macht aus dieser undankbaren, alles andere als vielschichtigen Rolle noch das Beste.

    Der Star des Films ist ohnehin ein anderer. Der Roboter Sonny ist der große, unbestrittene Sympathieträger von „I, Robot“. Ähnlich wie Gollum in der „Herr der Ringe“-Saga ist dieser Charakter mit Hilfe des Motion-Capturing-Verfahrens komplett am Computer entstanden. Als Vorlage für die Animationen dienten dabei die Bewegungen des Schauspielers Alan Tudyk. Das Ergebnis ist erstaunlich. Sonny versprüht in der Tat mehr Charisma als Will Smith und seine Co-Hauptdarstellerin Bridget Moynahan („Der Einsatz“) zusammen. Von den menschlichen Darstellern kann allenfalls James Cromwell mit seinen kurzen, aber prägenden Auftritten als Hologramm („Das, mein Freund, ist die richtige Frage.“) mit Sonny mithalten. Doch nicht nur Sonny selbst ist den Tricktechnikern gelungen. Bemängeln lässt sich an deren Arbeit kaum etwas. „I, Robot“ ist ein visueller Leckerbissen. Doch etwas anderes hat man von Alex Proyas nach „The Crow“ und „Dark City“ ohnehin nicht erwartet.

    All dies mag sich nun vielleicht schlechter anhören, als es eigentlich ist. „I, Robot“ ist alles andere als ein schlechter Film. Er ist allerdings nicht das von manch einem erhoffte große, anspruchsvolle Science-Fiction-Epos, sondern lediglich ein auf Hochglanz polierter Actioner mit einem gewissen Tiefgang. Gut unterhalten wird der Zuschauer bei „I, Robot“ alle mal, doch an der Tatsache, dass hier einfach unheimlich viel an vorhandenem Potential verschenkt wurde, ändert sich dadurch trotzdem nichts.
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