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    Die Spiele der Frauen
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Die Spiele der Frauen
    Von Claudia Holz
    Ein bisschen gehetzt und übervoll wirkt „Head In The Clouds“, denn John Duigan, Regisseur und Autor, hat sich vorgenommen, seine Dreiecksliebesgeschichte im aristokratischen England und Frankreich, im spanischen Bürgerkrieg und schließlich auch noch im Zweiten Weltkrieg spielen zu lassen. Doch der ganze Prunk und die oftmals zu gewollt wirkende historische Genauigkeit können leider nicht verbergen, dass sich auf der Leinwand lediglich eine Seifenoper mit netten Bildern abspielt. Also keine Müdigkeit vorschützen und rein ins Gewirr.

    Im Paris der späten 20er Jahre liest eine Wahrsagerin einem kleinen Mädchen die Zukunft und erwähnt in kryptischer Manier deren 34. Geburtstag. Zeitsprung: 1933. In Oxford begegnen sich Guy (Stuart Townsend), ein armer irischer Student, und die emanzipierte Gilda Blesse (Charlize Theron), welche die Tochter eines französischen Aristokraten und einer Amerikanerin ist. In einer regnerischen Nacht findet sie durch Zufall vor ihrem bösen Geliebten in Guys kleinem Studentenzimmer Unterschlupf und übernachtet in seinem Bett. Guys unschuldiges Benehmen in diesen Stunden imponiert der sexuell aufgeschlossenen Gilda und schließlich entwickelt sich zwischen den beiden eine leidenschaftliche Liebesbeziehung, die jedoch durch Gildas Hang, Konventionen zu brechen und ohne Scham und Reue zu leben, in keine geordnete Bahn gelenkt wird. Nach einer dreijährigen Trennung treffen sich die beiden in Paris wieder. Gilda ist mittlerweile als Fotografin zu Berühmtheit gelangt und lebt mit Mia (Penelope Cruz) zusammen, die ihr liebstes Objekt und eine enge Freundin geworden ist.

    Die spanische Schönheit flieht vor den Wirren des Bürgerkrieges in ihrer Heimat und findet Geborgenheit in Gildas Gegenwart. In Guy findet Mia wiederum einen politischen Gleichgesinnten und beide protestieren mit Leidenschaft gegen das Regime Francos, wohingegen sich Gilda konsequent aus allen politischen Fragen raushält. Die harmonische Dreierbeziehung wird schließlich abermals auseinandergerissen, als sich Mia und Guy entschließen nach Spanien zu gehen, um dort gegen den Faschismus zu aktivieren. Alle Bitten Gildas, mit ihr in Paris zu bleiben, finden bei Guy keinen Anklang. Doch die Zeit in Spanien ist hart und die Bemühungen, den aufsteigenden Faschismus zu bekämpfen, bleiben nutzlos. Viel später kehrt Guy in das von den Nazis besetzte Paris zurück und findet Gilda an der Seite eines deutschen Offiziers (Thomas Kretschmann).

    In malerischen Bildern wird diese verworrene und trotzdem plakative Geschichte erzählt. Es ist eine Freude, Charlize Theron („Monster“) zuzuschauen und die Figur der unkonventionellen Gilda spielt die Oscarpreisträgerin mit geschlossenen Augen. Keine leichte Rolle, denn Gilda ist eine komplizierte Frau mit einigen Abgründen. Obwohl sie im Herzen loyal zu ihren Freunden Mia und Guy ist, kehrt sie ihnen trotzdem den Rücken, als diese sich entschließen, nach Spanien zu gehen. Sie verkörpert zwei Seiten einer Medaille und Theron schafft es, dass dies nicht nur durch gutes Aussehen und Charme glaubhaft wird. In ihrem unbekümmerten Wesen steckt eine tiefe Trauer, die ihr gesamtes Handeln bestimmt, auch wenn dies nicht immer nachvollziehbar ist. Warum Stuart Townsend („Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“) allerdings die Hauptfigur in diesem Film verkörpert, ist auf rein professioneller Ebene unverständlich. Der 32-jährige Ire wirkt schwach und gesichtslos und wird sowohl von der Kulisse, als auch den beiden starken Frauenfiguren regelrecht niedergedrückt. Dabei bleibt dem Zuschauer keine Chance, auch nur einen Funken Sympathie für diesen Burschen zu entwickeln.

    Im echten Leben sind Theron und Townsend übrigens schon seit längerer Zeit ein Paar und so muss man nicht Meisterdetektiv Nick Knatterton sein, um an dieser Stelle scharfsinnig eins und eins zusammenzählen und das Geheimnis um John Duigans Besetzungsentscheidung herauszufinden. Penelope Cruz („Blow“, „Open Your Eyes“, „Vanilla Sky“) wiederum ist fokussiert und geerdet und verkörpert ihre Mia ohne prätentiös zu sein. Und was ist mit unserem deutschen Export Thomas Kretschmann („Der Untergang“, „Der Pianist“)? Wenn man ehrlich ist: nicht viel. Er spielt einen Nazi – mal wieder. Auch er kann gegen Charlize Theron wenig ausrichten und oftmals wirkt es so, als müsse er viel zu deutlich zeigen, wie stark sein Hollywoodpotential ist. Dabei kommt dann der Nazi wie Gildas Schoßhündchen rüber. Schade.

    Doch den Schauspielern ist kein Vorwurf zu machen. Warum „Head In The Clouds“ nur mäßig und mit gutem Willen funktioniert, ist vor allem einem sich selbst zu wichtig nehmenden Drehbuch anzulasten. John Duigan wirft hier leider viel zu viele Themen in einen Topf, vermengt sie mit einem vorhersehbaren und deshalb langweiligen Plot, würzt noch ein bisschen mit einer Kriegsgeschichte und hofft darauf, dass „Der englische Patient 2“ dabei herauskommt. Und das, obwohl der Regisseur eigentlich was auf dem Kasten hat, denn der, in Deutschland vollkommen unbekannte Film „Lawn Dogs“ von 1997 (mit Mischa Barton und Sam Rockwell) ist allemal einen Blick wert und behandelt Themen wie Freundschaft und die Klassenunterschiede in den USA auf magische Art und Weise. Obwohl die Szenen aus „Head In The Clouds“ an sich teilweise packend inszeniert wurden (es gibt eine Tanzszene mit Theron und Cruz, die einen Sexappeal aufweist, dass nur so die Funken sprühen), fehlt es an Entscheidungen und Beschränkungen, was die Thematik an geht. Weniger ist eben doch mehr.

    Die historische Relevanz der Ereignisse wirkt aufgesetzt und verhindert, dass der Zuschauer sich ernsthaft um die Charaktere kümmern kann. Vor allem das letzte Drittel, welches Mitten im Zweiten Weltkrieg stattfindet, ist inhaltlich fast vollkommen losgelöst von den ersten 60 Minuten des Films und macht so die bisher aufgebaute Spannung zu Nichte. Wohingegen manche Dialogpassage einen vor dem Einschlafen rettet (Die erfahrene Gilda und der schüchterne Guy schlafen das erste Mal miteinander. Guy: „Ich bin gleich soweit“. Gilda: „Langsam. Das ist ein Mannschaftssport.“), wirkt das Voice-Over von Townsends Charakter im Gegenzug leider wie eine Schlaftablette und muss somit lediglich als Schadensbegrenzung hergehalten haben. Also alles in allem ist „Head In The Clouds“ zu unentschieden, um einen klaren Standpunkt zu setzen und somit kein Film, um den man sich reißen muss. Dennoch hat Charlize Theron bewiesen, dass „Monster“ kein Ausrutscher war und es empfiehlt sich für den nächsten Film, einfach mal das Drehbuch zu lesen.
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