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Kangaroo Jack
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
0,5
katastrophal
Kangaroo Jack
Von Carsten Baumgardt
Der Name Jerry Bruckheimer („Pearl Harbor", „Top Gun“, „Armageddon“) stand noch nie für anspruchsvolles Kino. Die Erfolge des Star-Produzenten bieten mal mehr, mal weniger gute Unterhaltung, die aber meistens vom Publikum honoriert wird. Schon zuletzt für „Coyote Ugly" verließ Bruckheimer den eingetretenen Action-Pfad und wurde an der Kinokasse belohnt. Mit der desaströs witzlosen Komödie „Kangaroo Jack“ schickt er nun Regisseur David McNally ein zweites Mal ins Rennen – und hatte wieder Erfolg. Obwohl der Film gründlich misslungen ist, störte sich das gemeine amerikanische Kinovolk daran weniger und hievte die Un-Komödie auf ein respektables Box Office von 66 Millionen Dollar.

Eigentlich ist Charlie (Jerry O’Connell) ein Glückspilz. In Kindestagen rettet ihm Louis (Anthony Anderson) beim Baden am Strand vor dem sicheren Ertrinken. 20 Jahre später sind die beiden ungleichen Typen dicke Freunde. Der pfundige Louis versucht sich als Kleinkrimineller. Allerdings läuft fast immer alles schief. Charlie, der in einem Frisörladen arbeitet, ist auf die Unterstützung seines Mafiosi-Stiefvaters Sal Maggio (Christopher Walken) angewiesen. Sal hält Charlie für einen kompletten Vollversager. Als die beiden einen Auftrag verpatzen, bei einer Autoverfolgungsjagd alles in Schutt und Asche legen und die Cops auch noch in die Nähe von Sals Hehlerlager führen, ist seine Geduld am Ende. Er schickt sie für einen Auftrag nach Australien. Sie sollen dort einen Umschlag mit 50.000 Dollar an einen gewissen Mr. Smith (Marton Csokas) übergeben. Gerade in der Wildnis angekommen, überfahren die beiden aus Versehen ein Känguru. Die kindischen Freunde machen ein paar Polaroids, ziehen dem vermeintlich toten Tier Louis’ Jacke über und setzen ihm eine Sonnenbrille auf. Doch das Känguru war nur betäubt, rappelt sich auf, verpasst Charlie einen ordentlichen Tritt und hüpft los. Das Dilemma: In der Jacke war der Umschlag mit dem Geld... Charlie und Louis machen sich auf die Verfolgung. Diese erweist sich aber schwieriger als gedacht...

David McNally, der für Bruckheimer mit dem anspruchsfreien, aber charmanten Aufsteiger-Märchen „Coyote Ugly“ sein Regie-Debüt gab, versucht sich mit „Kangaroo Jack“ erstmals im Komödienfach. Leider ist er dort völlig Fehl am Platz. Zugegeben: Das Drehbuch von Scott Rosenberg („High Fidelity", „Con Air“) und Steve Bing („Mission In Action“) ist erbärmlich. Dass die Story mehr als vorhersehbar ist, wäre bei einer (guten) Komödie noch zu verzeihen. Dass das Autoren-Doppel allerdings nur einen einzigen Gag auf der Pfanne hat, ist bitter. Eine Komödie ohne Lacher? Genau. Das ist das große Problem von „Kangaroo Jack“.

Ein weiteres Problem: Die Komikfähigkeiten der beiden Hauptdarsteller Jerry O’Connell („Tomcats“) und Anthony Anderson („Born 2 Die") tendieren gegen Null. Ihr schwarz-weißes Buddy-Gespann ist einfach nur nervtötend. Der Rest der Besetzung kommt auch nicht über den Status von Schießbudenfiguren hinaus. Estella Warren („Planet der Affen",, „Driven“) sieht im Safari-Look zwar gut aus, ist als Schauspielerin aber generell deplatziert. Christopher Walken, der zuletzt in „Catch Me If You Can" glänzte, spielt nur eine Karikatur seiner selbst. Das hat er wahrlich nicht nötig.

Nach der Einführung der Geschichte besteht die restliche Handlung im Prinzip nur darin, hinter dem ausgebüchsten Känguru herzuhetzen. Immerhin gibt es herrliche Landschaftsaufnahmen zu sehen, aber was nützt das, wenn die Protagonisten uninspiriert über die Leinwand hecheln und einem gehörig auf die Nerven fallen. Regissur McNally kann das Desaster auch nicht aufhalten, weil er es nicht schafft, dem Thema auch noch ein Fünkchen Charme zu entlocken.

Bei der Auswahl des tierischen Darsteller gingen die Macher auf Nummer sicher. Das titelgebende Känguru ist CGI-animiert, was leider auch bei den Bewegungen deutlich zu sehen ist. Wenigstens einen Trumpf haben die Marketingexperten des produzierenden Warner Studios bestens ausgespielt. In dem Trailer erwecken sie den Eindruck, dass das knuffige Känguru sprechen könnte. Das ist jedoch nicht der Fall. Lediglich in einem Fiebertraum O’Connells parliert und rappt das australische Knuddeltier. Das ist allerdings sehr witzig und so kann „Kangaroo Jack“ wenigstens einen guten Gag aufweisen. Über die Distanz von langweiligen 89 Minuten ist aber viel zu wenig. Also lieber das „Crocodile Dundee"-Video rauskramen und zum zehnten Mal ansehen als anderthalb Stunden mit Schwachsinn zu verschwenden.
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